Söder-Reiche-Pakt: Start für Deutschlands umstrittenste Stromtrasse | Politik

25.07.2025 - Cuma 18:50

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Berlin/Oerlenbach – Nach jahrelangen Protesten ist es endlich so weit: Deutschland bekommt eine Strom-Autobahn, die in Zukunft zehn Millionen Menschen versorgen soll – jetzt ist Baustart von SuedLink in Bayern!

Die gigantische Stromtrasse wird sich über 700 Kilometer durch das Bundesgebiet ziehen, rund 130 Kilometer davon verlaufen durch Bayern. Zwei Gigawatt Strom sollen damit ab Ende 2028 vom windreichen Norden in den Süden Deutschlands transportiert werden.

In Oerlenbach (Unterfranken) fand am Freitag der feierliche Bauauftakt statt – mit dabei waren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (58, CSU) sowie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) und Forschungsministerin Dorothee Bär (47, CSU).

Aber: Gerade Söder und Reiche gelten als Kritiker des deutschen Energiesystems. Reiche will den Erneuerbaren-Ausbau bremsen und am Netzausbau messen. Und Söder schaffte es in Bayern jahrelang nicht, Widerstände gegen den Netzausbau zu befrieden.

Bär, Söder und Reiche hielten Scheiben des Erdkabels in die Kamera

Bär, Söder und Reiche hielten Scheiben des Erdkabels in die Kamera

Foto: Martin Schutt/dpa

Hintergrund: Der Strombedarf in Deutschland wird in den nächsten Jahren explodieren. Im vergangenen Jahr verbrauchten Deutschlands Firmen und Haushalte insgesamt 464 Terawattstunden (TWh) Strom. In fünf Jahren könnten es schon 670 TWh sein. Das wäre ein Plus von fast 45 Prozent.

Nicht transportierbarer Strom wird heute in vielen Fällen nicht mehr verwendet („Redispatch“). Und das soll der Netzausbau in Zukunft verhindern.

„Wichtig ist, dass der Strom von Nord nach Süd transportiert werden kann, ohne dass er abgeschaltet werden muss“, sagte Katherina Reiche zu BILD.

„Nicht alle haben sich mit Ruhm bekleckert in den Jahren zuvor“, sagte Söder.

Um endlich nicht mehr von Bürgerbegehren und Protesten aufgehalten zu werden, sollten die Stromtrassen unter der Erde verlegt werden – zumindest die Gleichstromleitungen, bei denen das möglich ist.

Doch der Bayern-MP will alle großen Stromtrassen wieder oberirdisch bauen lassen – und weicht damit von der bisherigen CSU-Position ab. Jahrelang hielten Bürgerbegehren und Klagen den Ausbau in Bayern massiv auf. Doch die Erdverkabelung erwies sich als zu teuer.

Weiterhin ist der Widerstand gegen das Mega-Projekt in Bayern groß

Weiterhin ist der Widerstand gegen das Mega-Projekt in Unterfranken, wo das Projekt umgesetzt wird, groß

Foto: Felix Rupprecht

Sinken jetzt die Strompreise?

„Was uns momentan belastet, sind hohe Kosten, die entstehen, weil erneuerbarer Strom nicht abtransportiert werden kann, wenn Leitungen überlastet sind“, erklärt Reiche in BILD.

„Dafür gibt es dann Entschädigungsgelder, und die haben sich in den letzten Jahren auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr belaufen“, so Reiche. Mit dem Netzausbau sollen diese Kosten nach und nach wegfallen.

Markus Söder hatte gute Laune als er die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche begrüßen durfte

Markus Söder hatte gute Laune als er die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche begrüßen durfte

Foto: IMAGO/HMB-Media

„Wir sehen aber auch gestiegene Projektkosten“, so Reiche. Bis 2045 soll der Netzausbau 600 Milliarden Euro kosten. Das drückt wiederum auf den Strompreis. Deshalb müsse man den Ausbau der Erneuerbaren und der Stromnetze besser synchronisieren.

Söder ergänzt gegenüber BILD: „Insgesamt hoffe ich, dass der Preis sinkt.“

Das Entscheidende aber sei, dass die Energiesteuern sinken würden. „Da hat die Regierung einen Riesen-Schritt gemacht“, lobt Söder überschwänglich und verspricht: „Der zweite Schritt muss folgen mit der Stromsteuer, die am Ende auch ganz gesenkt wird – für alle.“

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