Zwischenruf zu Bodo Ramelows Hymnen-Spleen | Politik

29.08.2025 - Cuma 13:56

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Bodo Ramelow ist wieder auf Tour – dieses Mal nicht mit Buch, sondern mit Bertolt Brecht. Der Mann will unsere Nationalhymne austauschen, so wie andere ihre Gardinen. Statt „Einigkeit und Recht und Freiheit“ soll’s jetzt die „Kinderhymne“ von Brecht sein. Klar, Worte wie „ein besseres Deutschland blühe“ klingen nett – und wie ein Werbespot für einen neuen Rasendünger.

Doch mal ehrlich: Seit wann blüht Vaterland auf Bestellung, Herr Ramelow?

Hymnen-Phantomschmerz

Der „Rheinischen Post“ sagte Ramelow jetzt, er kenne viele Ostdeutsche, die „die Nationalhymne aus vielerlei Gründen nicht mitsingen.“ Und auch bei der deutschen Nationalflagge würden viele, wie er es nennt, „fremdeln“.

Es ist ein Untoten-Thema. Immer wieder graben Linke den alten Phantomschmerz aus, führen eine Zombie-Debatte. Hymne, Flagge, Grundgesetz. Ramelow, Gysi oder neuerdings die Rote Reichinnek. „Wir singen nicht, wir mögen die Fahne nicht, das Grundgesetz nur ein Provisorium …“ Regelmäßiges linkes Mimimi.

Dabei haben die Menschen im Osten längst entschieden – und zwar gleich mehrfach! 1989 auf den Montagsdemos: Einheit, jetzt! 1990 bei Kohls Dresdner Rede: Jubel, Tränen, Hoffnung! Und bei der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990: Sieg für die Einheit!

Die Ostdeutschen fremdeln nicht mit Schwarz-Rot-Gold. Sie haben’s erkämpft, sie haben’s gewollt und gewählt. Punkt.

Verfassungs-Schlitterpartie

Wenn Ramelow jetzt mit Volksabstimmungen über Hymne, Flagge und gleich das ganze Grundgesetz flirtet, wird’s gefährlich rutschig. Da tummeln sich längst die „Reichsbürger“-Wahnwichtel, die Verpeilten von Pegida und die falsch abgebogenen „Freien Sachsen“, die unsere Fahne lieber auf den Kopf stellen oder gleich gegen Fantasie-Lappen eintauschen.

Ramelow ist kein „Reichsbürger“, das verbietet sich. Aber er spielt schon mit dem Feuer – und wundert sich dann über Brandblasen.

Herr Ramelow, lassen Sie die Hymne Hymne sein!

„Einigkeit und Recht und Freiheit“ ist keine Nazi-Parole, sondern die demokratische DNA dieses Landes. Sie wurde hart errungen, schwer verteidigt, und sie wird bis heute mit Stolz gesungen. Das erlaube ich mir, Ihnen als Ostler der Wendegeneration, als stolzer Sachse und als Verfassungspatriot ins Stammbuch zu schreiben.

Wenn Sie trotzdem auf Brechts „Kinderhymne“ setzen wollen – dann vielleicht als Wiegenlied. Für Ihre nächste Lesereise.

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