Drogenbeauftragter Streeck: Wir erleben Drogen, die 500-mal stärker sind als Heroin | Politik

02.09.2025 - Salı 08:49

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Berlin/Bonn – Alkohol, Tabak, Cannabis – und immer häufiger auch harte Drogen wie Crack: Der Drogenkonsum in Deutschland verändert sich bedrohlich. BILD traf den Bundesdrogenbeauftragten Hendrik Streeck (CDU) zum Interview.

BILD am SONNTAG: Herr Streeck, Sie als Bundesdrogenbeauftragter: Haben Sie schon mal Drogen genommen?

HENDRIK STREECK: Das hängt so ein bisschen davon ab, wie man Drogen definiert. Natürlich trinke ich gerne auch mal Wein. Ich habe auch schon mal an einer Zigarette gezogen.

Sie haben gerade schon die Volksdroge Alkohol angesprochen. Finden Sie, Alkohol ist zu leicht zugänglich?

Als Arzt und Wissenschaftler muss ich erst mal sagen: Alkohol ist gefährlich, es ist ein Zellgift und das Beste ist, gar keinen Alkohol zu trinken. Aber wir haben in Deutschland eine Kultur, in der Alkohol tief verankert ist. Wir haben Schützenfeste, wir haben Weinköniginnen. Und da eine Veränderung zu machen, ist sehr schwierig.

Ebenfalls sehr beliebt ist Tabak. Muss die Bundesregierung da eingreifen?

Die nackten Zahlen dazu: 127.000 Menschen versterben pro Jahr direkt an den Folgen von Tabakkonsum (...). Aber wir haben einen positiven Trend bei Jugendlichen. Sie greifen weniger zum Tabak. Gleichzeitig sehen wir die Entwicklung, dass Vapes immer mehr zunehmen. Und hier sehe ich wirklich auch ein Problem: weil sie so gestaltet sind, dass sie Jugendliche direkt ansprechen. Sie sind poppig in der Machart, haben Geschmacksrichtungen wie Hubba Bubba oder Wassermelone. Das finde ich geht so überhaupt nicht und da sollten wir als Regierung gegensteuern.

[-->Eine Droge, die sehr lange illegal war, jetzt legal ist, ist Cannabis. Sie als Mediziner: Würden Sie das legale Kiffen wieder abschaffen?

Prof. Hendrik Streeck (48, CDU) ist Bundesdrogenbeauftragter

Prof. Hendrik Streeck (48, CDU) ist Bundesdrogenbeauftragter

Foto: Christian Spreitz/BILD<!-->

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Es gibt das Konsumcannabisgesetz, das wir evaluieren wollen als Regierung: Was hat eigentlich die Teillegalisierung bewirkt? Da schauen wir uns an: Wie hat sich der Schwarzmarkt entwickelt, wie haben sich die Nutzerzahlen verändert, gibt es mehr Menschen, die kiffen, oder nicht? Wie hat sich das insgesamt in der Gesellschaft und bei Jugendlichen ausgewirkt? Am 1. Oktober werden die ersten Zwischenergebnisse vorgestellt.

Noch mal, Sie als Mediziner: Muss Kiffen wieder strafbar werden?

Also als Mediziner muss man natürlich sagen, dass all diese Drogen, Alkohol, Tabak, Cannabis eine Gefährdung für die Gesundheit sind. Cannabis kann vor allem bei Jugendlichen zu Psychosen führen, also Schizophrenie, wirklich dauerhafte psychische Störungen. Und das sehen wir zum Teil auch: Wo legalisiert wurde, auch bei Jugendlichen, taucht eine Häufung von solchen psychischen Problemen auf. Gleichwohl haben wir auch die Realität in der Gesellschaft, dass rund 7 Millionen Erwachsene in Deutschland regelmäßig Cannabis konsumieren. Hier mit schwarz-weiß zu arbeiten, (...) ist nicht zielführend. Ich finde das Gesetz der Ampel (...) nicht gut gemacht.

Hendrik Streeck warnt vor der Ausbreitung der gefährlichen Droge Fentanyl

Hendrik Streeck im Gespräch mit den BILD-Reportern Lena Glöckner und Josef Forster

Foto: Christian Spreitz/BILD<!-->

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Cannabis gilt als Einstiegsdroge. Vor allem in Großstädten sieht man auch härtere Drogen. Müssen wir uns Sorgen machen, dass wir hier Zustände wie in den USA haben, wo Drogenabhängige zum Straßenbild gehören?

Wir hatten letztes Jahr die zweithöchste Zahl an Drogentoten in Deutschland. Hier versterben im Durchschnitt jeden Tag sechs Menschen am Drogenkonsum. Wir sehen momentan eine wirklich gefährliche Entwicklung auf dem Drogenmarkt, nicht nur in Deutschland. (...) Wir sehen europaweit immer mehr immer potentere und unvorhergesehene Wirkstoffe, die zum Teil bei der ersten Einnahme tödlich sind. Ein Beispiel ist das Fentanyl. Es gibt aber auch noch andere synthetische Opioide wie Nitazene – diese haben die 500-fache Potenz von Heroin. Bleistiftspitzengrößen können dabei tödlich sein, und die werden häufig beigemengt (...). Wir sehen bei den Drogentoten, dass sie immer jünger werden: bei unter 30-Jährigen einen Anstieg von 14 Prozent.

Hier würde ich mir für Deutschland wünschen, und das ist für mich wirklich ein Anliegen als Drogen- und Suchtbeauftragter, dass wir ein nationales Monitoring und Frühwarnsystem haben. Dass wir wissen, was auf den Straßen unterwegs ist, in Echtzeit. Dass wir die Rettungskräfte und Suchthilfen warnen können. Aber am Ende auch die Abhängigen, damit sie wissen: Passt auf, was da für Drogen gerade unterwegs sind. (...)

Ich glaube, wir müssen darauf viel mehr aufmerksam machen. Das große Problem für uns im Moment: Wir sehen eine Veränderung des Marktes. Man kann mittlerweile im Darknet, aber zum Teil sogar im normalen Internet solche Drogen bestellen. Die werden dann nicht mehr über einen Dealer verteilt, sondern kommen per Taxi, oder auf anderen Wegen direkt ins Jugendzimmer. Wir alle wissen, wie schwer die Verfolgung im Internet ist. Hier geht es um Jugendschutz.

Im Frankfurter Bahnhofsviertel konsumieren Abhängige mit ihren Crackpfeifen

Im Frankfurter Bahnhofsviertel konsumieren Abhängige mit ihren Crackpfeifen

Foto: Boris Roessler/dpa<!-->

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Welche Droge macht Ihnen am meisten Sorgen?

Die Droge, die mir am meisten Sorgen macht, ist Crack. Crack wird aus Kokain hergestellt. Bei Kokain ist es in bestimmten Gesellschaftskreisen fast schon in Ordnung, dass es konsumiert wird. Aber Crack ist eine Droge, die enorm süchtig macht: Ein Zug an der Crackpfeife kann bereits dazu führen, dass eine dauerhafte Abhängigkeit entsteht. (...)

Es zerstört den Körper, man kann die Crackabhängigkeit alleine mit dem Blick erkennen. Und es macht so ein starkes Verlangen, dass auch eine Aggressivität hintersteckt. Wir haben nichts, was wir dagegenhalten können. Nur Verhaltenstherapien und Psychotherapien. (...) Bei Heroin können wir (...) ein Substitut geben, damit die Menschen langsam wieder in ein geregeltes Leben kommen. Die Möglichkeit haben wir bei Crack nicht.

Wie schlimm ist Deutschlands Drogenproblem?

Es besorgt mich, dass wir im Moment so einen wachsenden Drogenmarkt haben. Kokain, Crack, auch synthetische Opioide explodieren. (...) Die Zahl der Drogentoten ist nur die Spitze des Eisbergs.

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