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Berlin – Sie sprach nicht über aktuelle politische Themen. Und doch sandte Alt-Kanzlerin Angela Merkel deutliche Signale in Richtung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) – und kanzelte ihn für seine Aussagen in der „Stadtbild“-Debatte ab.
Bei einer Lesung in der Bonner Oper hat Merkel am Montag indirekt Kritik am Stil und Ton ihres Parteichefs geübt, allerdings nur zwischen den Zeilen. Vor ausverkauftem Haus las Merkel rund anderthalb Stunden aus ihrer Autobiografie „Freiheit“, erzählte ruhig und distanziert aus ihrer Zeit im Amt.
Aktuelle Debatten, etwa um das von Merz gebrauchte Wort „Stadtbild“, ließ sie aus. Doch ihre Mahnungen wirkten wie ein Kommentar – wenn auch nur indirekt.
„In der Sache redlich und im Ton maßvoll“
Merkel sprach ausführlich über das Jahr 2015, die Zeit, als fast eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Ihren Satz „Wir schaffen das“ stellte sie erneut in den Mittelpunkt und wandte sich gegen eine entmenschlichende Sprache. Den Begriff „Flüchtlingsstrom“ lehnte sie ab: Man müsse immer den einzelnen Menschen sehen.
▶︎ Besonders deutlich wurde Merkel, als sie über Verantwortung in der Politik sprach: Gerade in der Flüchtlingspolitik müsse man „in der Sache redlich und im Ton maßvoll“ agieren.
Und weiter: „Die übergroße Mehrheit der Menschen hat ein untrügliches Gespür dafür, ob Politiker aus einem Kalkül handeln, ob sie sich sogar von der AfD gleichsam am Nasenring durch die Manege führen lassen, oder ob sie handeln, weil sie aufrichtig daran interessiert sind, Probleme zu lösen“, zitierte die Alt-Kanzlerin aus ihrem Buch.
Für demokratische Parteien seien „Maß und Mitte“ die Grundlage ihres Erfolgs, betonte Merkel.
Worte, die als klare Abgrenzung zum Kanzler und CDU-Chef verstanden werden konnten.
Zustimmung und Kritik in der „Stadtbild“-Debatte
Merz hatte mit seinen Aussagen eine emotionale Debatte entfacht. Er bekam Zuspruch wie Kritik. Laut einer ZDF-Umfrage stimmten Merz 63 Prozent der Deutschen zu.
Zuletzt war besonders der Widerstand aus der SPD deutlich geworden: Der Fraktionsmanager der Genossen im Bundestag warf Merz vor, 25 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund „ausgegrenzt und verletzt“ zu haben. Zehn Abgeordnete forderten sogar einen „Stadtbild“-Gipfel im Kanzleramt. Das lehnt die Union ab.
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Apsny News


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