Spionage, Depressionen, Sucht: So gefährlich ist TikTok wirklich | Politik

12.05.2024 - Pazar 17:18

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Die China-App TikTok ist gerade Dauer-Thema. Überall. Wie ein Virus, das die gesamte Welt infiziert.

Die Symptome bei Politikern: widersprüchliches Verhalten und Unentschlossenheit.

Prominentester Fall: US-Präsident Joe Biden (81). Unlängst unterzeichnete er ein Gesetz, um die chinesische Mutterfirma ByteDance zum TikTok-Verkauf in den USA innerhalb der nächsten neun Monate zu drängen – andernfalls drohe ein Verbot. Die Sorge im Weißen Haus: Chinas Diktatur stecke hinter der App, spioniere Millionen US-Bürger aus. TikTok klagte bereits dagegen.

Absurd: Am Tag der Unterzeichnung lud Biden ein Video auf der China-App hoch. Thema: ein Wähler, der sich für die gute Rente bedankt.

Was ist dieses TikTok eigentlich?

2016 erfunden vom Chinesen Zhang Yiming (41). Die Wirkung: Maximale Sucht – weil die App immer einen Schritt voraus zu sein scheint, schon vor dem Nutzer weiß, was der eigentlich sehen will. Videos gibt es zu allem: Politik, Kunst, Städtetrips, aber auch jede Menge Blödsinn und Abartiges.

▶︎ So funktioniert’s: Auf dem Handy schaut sich der Nutzer ein Video an. Gefällt es ihm nicht, kann er es mit dem Finger nach oben schieben. Sofort schießt von unten ein neues nach.

[-->Der Algorithmus merkt an der Guck-Dauer sofort, was gefällt. Jedes Video, das folgt, ist noch besser auf die Interessen des Nutzers getrimmt. Die Clips sind kurz, 60 Sekunden im Schnitt. Das sorgt für Tempo. Bloß keine Langeweile. Ein Fingerwisch und berieseln lassen, das ist TikTok.

Vor zwei Wochen infizierte sich auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (54, Grüne) mit dem TikTok-Virus, startete einen eigenen Kanal.

Auf Wählerjagd: Robert Habeck eröffnete seinen TikTok-Kanal vor wenigen Wochen

Auf Wählerjagd: Robert Habeck eröffnete seinen TikTok-Kanal vor wenigen Wochen

Foto: Robert Habeck/TikTok<!-->

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Er wisse, so Habeck, das sei eine „Gratwanderung“, die er sich gern erspart hätte. Aber er wolle dahin gehen, „wo sonst nur die AfD ist“ und so Schüler erreichen.

Fakt ist: Die Rechtsaußen-Partei ist bei der Wählerjagd auf der Tanz-Lach-Klatsch-App besonders erfolgreich, hat 3,6 Millionen Follower. Alle anderen Parteien 1,2 Millionen – zusammen!

Politiker nutzen TikTok, warnen aber ständig vor Risiken und Nebenwirkungen. Im Kanzleramt gibt es für den Account von Bundeskanzler Olaf Scholz (65, SPD) sogar ein Extra-Handy, das NIE mit dem Regierungs-WLAN verbunden werden darf aus Angst vor China-Spionage!

Ulrich Kelber, oberster Datenschützer im Land, riet davon ab, TikTok auf dem Diensthandy zu nutzen. Vize-Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen gestand: Mit Blick auf die Plattform habe er „Bauchschmerzen“.

Und EU-Chefin Ursula von der Leyen würde den Erreger am liebsten ausmerzen. „Wir kennen genau die Gefahr von TikTok“, sagte sie vergangene Woche – und schloss ein Verbot nicht aus. Eine Woche zuvor warnte ihre Kommission vor Schäden für Kinder und Jugendliche bei der Zweit-App TikTok Lite, drohte mit Strafen. Das Unternehmen lenkte ein, strich eine Funktion, bei der das Schauen von Videos mit Waren-Gutscheinen belohnt worden war.

Generell kritisiert die EU bei TikTok das Suchtpotenzial für junge Nutzer und die Gefahr für die Psyche.

„TikTok müsste verboten werde“

Christian Lüdke (63), Kinder- und Jugendpsychotherapeut, warnt in BILD: „Das Gehirn belohnt die schnellen Bewegungen auf TikTok mit Glücksgefühlen – das ist wie eine Droge, die süchtig macht.“ Gefahren: Depressionen, psychische Störungen, Vereinsamung. Lüdke: „Eigentlich müsste TikTok für Kinder verboten werden.“

Die größte App-Angst aber: China-Diktator Xi Jinping und sein Apparat könnten TikTok kontrollieren. Stefan Hessel, Anwalt für Datenschutz, zu BamS: „Wir haben einen politischen Konflikt.“ Die App stehe wegen ihrer China-Nähe und möglichen Datenklaus unter Spionage-Verdacht.

Wie viel Einfluss hat sein Machtapparat auf TikTok? China-Diktator Xi Jinping

Wie viel Einfluss hat sein Machtapparat auf TikTok? China-Diktator Xi Jinping

Foto: ddp/Li Xueren Xinhua / eyevine<!-->

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Wegen Verstößen gegen den Datenschutz könne man die App hierzulande aber nicht verbieten, so Hessel, das lasse das Gesetz nicht zu. „Wenn man TikTok einhegen will, geht das nur über das Kartellrecht.“

Heißt: Erst wenn TikToks Übermacht riesig würde, könnte man dagegen vorgehen.

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