Erst Regen, dann Führer-Rache: Kim Jong-un in den Fluten von Nordkorea | Politik

30.07.2024 - Salı 02:21

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Es ist das Wesen von Führer-Diktaturen, dass der Mann an der Spitze allmächtig ist. Läuft es trotzdem nicht gut, dann ist er: der große Retter.

So auch Nordkoreas Raketen- und Hunger-Diktator Kim Jong-un (40). Der inspizierte am Wochenende laut staatlichen Angaben die Flutregion Nord-Pyongan an der Grenze zu China.

Die Staatspropaganda meldet: Unter der Aufsicht von Staatschef Kim Jong-un seien knapp 5000 Menschen aus den überschwemmten Gebieten nördlich der Hauptstadt Pjöngjang gerettet worden. Die Untertanen seien zuvor von der Außenwelt abgeschnitten gewesen.

Kim sei nach „Rekordregenfällen“ persönlich zur Einschätzung gelangt, dass „die Gefahrengrenze weit überschritten“ und die Lage in der Grenzstadt Sinuiju „sehr ernst“ sei.

Führer führt vor Ort. Kim ist auf einem Luftwaffenstützpunkt gelandet, um den Kampf gegen die Fluten persönlich anzuführen

Führer führt vor Ort. Kim ist auf einem Luftwaffenstützpunkt gelandet, um den Kampf gegen die Fluten persönlich anzuführen

Foto: STR/AFP

Erst einmal hinsetzen: Ein nasser Kim inspiziert die Lage vom Rollfeld aus

Erst einmal hinsetzen: Ein nasser Kim inspiziert die Lage vom Rollfeld aus

Foto: KCNA/via REUTERS

Wie auf staatlich verbreiteten Bildern zu sehen ist, besuchte ein nassgeregneter Kim – ohne Regenkleidung oder Gummistiefel – einen Luftwaffenstützpunkt und ließ sich zumindest einige Meter in einem SUV durchs Flutwasser fahren. Wie in kommunistischen Diktaturen üblich, hieß es anschließend, der Führer habe die Rettungsarbeiten „inspiziert und geleitet“.

Kim schippert im SUV durchs Flutwasser. Offenbar hat er den Luftwaffenstützpunkt nicht verlassen – jedenfalls befindet er sich dem Zaun nach zu urteilen auf abgesperrtem Gebiet

Kim schippert im SUV durchs Flutwasser. Offenbar hat er den Luftwaffenstützpunkt nicht verlassen – jedenfalls befindet er sich dem Zaun nach zu urteilen auf abgesperrtem Gebiet

Foto: STR/AFP

Nach Flut-Besuch: Diktatoren-Kritik an Behörden

Der Besuch verheißt allerdings nicht Gutes für die zuständigen Genossen vor Ort: Nach dem Regen droht Kims Rache!

Kim habe die Behörden kritisiert, heißt es. Die hätten es versäumt, sich angemessen auf die Katastrophe vorzubereiten und sie zu verhindern. Wie bei unfehlbaren Anführern üblich, hat Kim erkannt, wer schuld ist und wird nun die Bestrafungen anordnen.

Kim dankt auf von den Staatsmedien verbreiteten Fotos Soldaten, die an den Rettungsarbeiten beiliegt sind

Kim dankt auf von den Staatsmedien verbreiteten Fotos Soldaten, die an den Rettungsarbeiten beiliegt sind

Foto: KCNA/via REUTERS

Fakt ist: Nach dem Taifun „Gaemi“ sind in weiten Teilen Asiens seit Tagen heftige Regenfälle niedergegangen – besonders auf Taiwan und den Philippinen. Ob in Nordkorea auch Ernten vernichtet wurden, wurde zunächst nicht gemeldet. In Nordkorea sind laut UN etwa 40 Prozent der Menschen unterernährt und auf Hilfe angewiesen.

Die Flut kommt für Kim, der seit Monaten immer wieder die Region mit Tests für atomwaffentaugliche Raketen und Manövern verunsichert, zur Unzeit. Die Propaganda stellt ihn verstärkt als großen militärischen und politischen Strategen dar.

Immer wieder lässt Kim laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA Marschflugkörper testen (hier: Februar 2024)

Immer wieder lässt Kim laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA Marschflugkörper testen (hier: Februar 2024)

Foto: Uncredited/dpa

Fahrzeug-Führer: Erst im Juni empfing Russen-Diktator Wladimir Putin seinen Nordkorea-Kollegen Kim. Der Jüngere durfte den Älteren in der Russen-Limousine „Auris“ fahren. Ein solches Auto schenkte Putin Kim auch

Fahrzeug-Führer: Erst im Juni empfing Russen-Diktator Wladimir Putin seinen Nordkorea-Kollegen Kim. Der Jüngere durfte den Älteren in der Russen-Limousine „Auris“ fahren. Ein solches Auto schenkte Putin Kim auch

Foto: Gavriil Grigorov/dpa

Am Freitagabend hatte der Steinzeit-Führer gerade erst groß und pompös gefeiert. Zum 71. Jahrestages des Endes des Korea-Kriegs, den das Kommunistenreich 1950 unter Kim-Opa Kim il-Sung (†82) vom Zaun gebrochen hatte, hatte man ihm noch gehuldigt. Mit dem Verbündeten China hatte der Norden damals zunächst große Teile des Südens erobert – schließlich aber wieder gegen US-geführte UN-Truppen verloren.

Den Fehlschlag, der zur gewaltsamen Wiedervereinigung führen sollte, lassen die Kims seit jeher als Sieg feiern.

Propaganda am Stiel Nordkorea startet Zucker-Offensive

Quelle: Stimme Koreas

Am Tag vor der Flut ließ sich Kim noch von Kriegsveteranen und Genossen in Pjöngjang feiern

Am Tag vor der Flut ließ sich Kim noch von Kriegsveteranen und Genossen in Pjöngjang feiern

Foto: KCNA

Suchbild mit Diktator: Kim (Mitte) genießt den Jubel

Suchbild mit Diktator: Kim (Mitte) genießt den Jubel

Foto: KCNA

Kim-Fans mit ihrem Führer-Idol

Kim-Fans mit ihrem Führer-Idol

Foto: KCNA

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