Zu wenige Rudel im Süden?: Länder-Zoff um Wolfsabschüsse | Politik

16.06.2025 - Pazartesi 17:39

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Hannover/München – Seit 25 Jahren ist der Wolf zurück in Deutschland. Inzwischen gibt es schätzungsweise 1600 Tiere. Doch mit der Zahl steigen auch die Probleme. Immer häufiger werden Nutztiere angegriffen.

2023 wurden bundesweit 1268 Übergriffe gemeldet. Dabei kamen 5700 Schafe, Ziegen, Rinder und sogar Pferde zu Schaden.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (49, Grüne) fordert eine regional differenzierte Bewertung des Wolfsbestands

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (49, Grüne) fordert eine regional differenzierte Bewertung des Wolfsbestands

Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Die Bundesregierung will reagieren und Abschüsse erleichtern. Wölfe sollen ins Jagdrecht aufgenommen werden. Die EU hat den Schutzstatus bereits gelockert und von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabgestuft. Jetzt prüft Berlin, wie das auch in deutsches Recht umgesetzt werden kann. Voraussetzung dafür: Die Wolfspopulation muss sich in einem sogenannten günstigen Erhaltungszustand befinden. Das heißt: Es müssen genug Tiere leben, damit der Bestand trotz Jagd gesichert bleibt.

Länder streiten über Zählweise bei den Wölfen

Doch genau hier beginnt der Streit. Bis 2024 wurden in Deutschland 209 Rudel, 46 Paare und 19 Einzelwölfe nachgewiesen. Wie diese Zahlen zu bewerten sind, sehen die Bundesländer unterschiedlich.

► Deutschland ist in drei Regionen unterteilt: Die atlantische (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, NRW), die alpine (Süd-Bayern) und die kontinentale Zone.

Niedersachsen fordert eine regionale Betrachtung. Umweltminister Christian Meyer (49, Grüne) sagt: Eine bundesweite Bewertung erschwere die gezielte Regulierung in einzelnen Gebieten. In der atlantischen Region sein der günstigste Zustand längst erreicht.

Meyer wörtlich: „Ich bin dagegen, den Erhaltungszustand anhand der bundesweiten Population festzulegen. Das würde die regional differenzierte Wolfsregulierung erschweren.“

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (54, Freie Wähler) ist auch für Jagd zuständig und selbst Jäger

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (54, Freie Wähler) ist auch für Jagd zuständig und selbst Jäger

Foto: Robert Gongoll

Anders sieht es Bayern. Dort wurden zuletzt 11 Wolfsterritorien gezählt, in Niedersachsen waren es 61. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (54, Freie Wähler) will den günstigen Erhaltungszustand bundesweit festgestellt sehen. Außerdem will er den Wolf ins Landesjagdgesetz aufnehmen, um regionale Abschüsse möglich zu machen.

Strenge Regeln bei der Jagd bleiben bestehen

Doch es gibt auch im eigenen Land Kritik. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (47, CSU) lehnt Aiwangers Pläne ab. Sie sagt: „Die Aufnahme ins bayerische Jagdrecht wäre reine Symbolpolitik, solange der Bund nicht den günstigen Erhaltungszustand’ für ganz Deutschland feststellt.“ Und auch Niedersachsens Minister Mayer sagt: „Ich warne davor, zu glauben, mit der Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht wären alle Probleme gelöst.“

Aus dem Bundesumweltministerium heißt es: „Auch künftig bleibt der Wolf eine geschützte Tierart und wird nicht pauschal zum Abschuss freigegeben.“ Möglich würden nur gezielte Ausnahmegenehmigungen – regional und zeitlich begrenzt.

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