Eigentlich sollte die Wahl erst am 28. September 2025 stattfinden. Doch nachdem Olaf Scholz seinen Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Streit um den Bundeshaushalt entlassen hatte und die Ampel-Koalition zerbrach, stellte er im Dezember die Vertrauensfrage – und machte damit den Weg für die Neuwahl frei.
Abgeordnete: Was versteht man darunter?
Ein Abgeordneter ist eine Person, die von den Bürgern gewählt wird, um ihre Interessen im Parlament zu vertreten und bei wichtigen Entscheidungen und Gesetzen mitzubestimmen.
Gesetzlich vorgesehen ist eine Zahl von mindestens 598 Abgeordneten-Mandaten im Bundestag. Wie viele es am Ende genau sein werden, ist aber vor der Wahl noch unklar. Die Zahl der Abgeordneten im Bundestag darf künftig 630 nicht mehr übersteigen.
Anders als bei der Wahl 2021 wird es 2025 aufgrund der Wahlrechtsreform keine Ausgleichs- oder Überhangmandate mehr geben.
Briefwahl: Welche Fristen gibt es 2025?
Die Briefwahl wird immer beliebter: 1990 waren es nur 9,4 Prozent der Wähler, die so ihre Stimme abgaben, 2021 waren es bereits 47,3 Prozent. Die Corona-Pandemie und lange Wartezeiten in den Wahllokalen haben zu dieser Entwicklung beigetragen.
Zur Neuwahl 2025 werden ebenfalls zahlreiche Briefwähler erwartet. Sobald Sie Ihre Wahlbenachrichtigung erhalten haben, können Sie Ihre Briefwahlunterlagen beantragen. Sie können aber auch ohne Wahlbenachrichtigung einen Antrag auf Briefwahl stellen, persönlich, schriftlich oder online.
Der Brief mit Ihrer Stimme muss spätestens am Wahlsonntag um 18 Uhr bei der zuständigen Stelle vorliegen. Um sicherzugehen, dass Ihre Briefwahlunterlagen rechtzeitig ankommt, sollten Sie sie spätestens drei Werktage vor der Frist versenden.
Ein Muster eines Stimmzettelumschlags für die Briefwahl bei der Bundestagswahl 2021
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Chancen: Warum ist Wählen so wichtig?
Wahlen ermöglichen Ihnen, aktiv Einfluss auf die Zukunft Ihres Landes zu nehmen. Es ist eine Gelegenheit, Ihre Stimme für Themen, Werte und Ziele einzusetzen, die Ihnen wichtig sind. Durch Wahlen haben Sie die Chance Veränderung herbeizuführen.
Wenn Sie nicht wählen gehen, zählt Ihre Stimme nicht. Bedenken Sie: Je geringer die Wahlbeteiligung, umso einfacher ist es für Parteien, ihr Wahlziel zu erreichen.
Beispiel: 10 Millionen Menschen gehen wählen. Um 20 Prozent der Stimmen zu erreichen, braucht eine Partei dann 2 Millionen Stimmen. Wenn jedoch nur 4 Millionen Menschen wählen gehen, benötigt die Partei nur 800.000 Stimmen für 20 Prozent.
Demokratie: Was bedeutet das überhaupt?
Demokratie bedeutet wörtlich „Herrschaft des Volkes“. In diesem System haben alle Bürger durch Wahlen direkten Einfluss auf die politischen Entscheidungen und die Zusammensetzung der Regierung.
Erststimme: Was wird damit entschieden?
Mit der Erststimme können Sie den Direktkandidaten aus Ihrem örtlichen Wahlkreis wählen. Dadurch entscheiden Sie mit, wer in den Bundestag einzieht.
Ein Muster von einem Stimmzettel für die Bundestagswahl 2021
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Fraktionen: Was ist das?
Fraktionen sind Zusammenschlüsse von Parlamentariern mit gemeinsamen politischen Zielen. Sie gehören meistens zur gleichen Partei oder zu Parteien, die sich ähnlich sind, und sie planen gemeinsam, wie sie im Parlament abstimmen oder arbeiten wollen.
Im Deutschen Bundestag benötigt eine Fraktion mindestens fünf Prozent der Abgeordneten, die gleiche Ziele verfolgen und nicht in direktem Wettbewerb in einzelnen Bundesländern stehen. Ohne diese Voraussetzungen ist die Zustimmung des Bundestags erforderlich.
Grundmandatsklausel: Was ist das?
Bei der Sitzverteilung im Bundestag greift die sogenannte Grundmandatsklausel: Parteien, die die Fünf-Prozent-Hürde nicht überwinden, aber mindestens drei Direktmandate gewinnen, erhalten trotzdem Sitze entsprechend ihrem Zweitstimmenanteil.
Eine Partei mit wenigen Zweitstimmen, aber drei Direktmandaten, könnte eine Fraktion bilden, während eine Partei knapp unter fünf Prozent ohne Direktmandate leer ausgeht.
Beispiel: Die FDP scheiterte 2013 mit 4,8 Prozent an der 5-Prozent-Hürde. Hätte sie drei Direktmandate erzielt, wäre sie dennoch mit einer Fraktion entsprechend ihrer Zweitstimmen im Bundestag vertreten gewesen.
Hochrechnungen: Wann gibt es erste Zahlen?
Mit Spannung wird am Wahlsonntag die Schließung der Wahllokale erwartet. Dann dauert es meist nicht mehr lange bis zu den ersten Hochrechnungen. Bereits kurz nach 18 Uhr gibt es erste Prognosen, die allerdings nur auf anonymen Wählerumfragen direkt nach der Stimmabgabe beruhen.
Noch in der Wahlnacht oder spätestens am nächsten Morgen gibt der Bundeswahlleiter meist das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl bekannt.
Informationen: Wie informiere ich mich für meine Stimme?
Sich vor der Wahl über Wahlprogramme und Kandidierende zu informieren, ist essenziell – es ist der Schlüssel zu einer bewussten Entscheidung, um die eigene Stimme gezielt einzusetzen.
So können Sie sich vor einer Wahl informieren:
Wahlprogramme lesen
Wahl-O-Mat nutzen
Debatten und Interview verfolgen
Lokale Kandidaten in Ihrem Wahlkreis prüfen
Je mehr Quellen Sie nutzen, umso besser können Sie sich eine umfassende Meinung bilden.
Jung-Wähler: Ab welchem Alter darf man wählen?
Zur Wahl des Deutschen Bundestags ist man erst wahlberechtigt, wenn man volljährig ist – also ab dem 18. Lebensjahr. Bei der Europawahl kann man bereits mit 16 wählen.
Etwa 2,3 Millionen junge Menschen sind im Februar 2025 erstmals wahlberechtigt – das sind immerhin 3,9 Prozent.
Gäbe es keine vorgezogenen Neuwahlen, hätten auch diejenigen jungen Menschen teilnehmen können, die nach dem 23. Februar 18 Jahre alt werden. Dadurch wären etwa 2,7 Millionen potenzielle Erstwählerinnen und Erstwähler stimmberechtigt gewesen – rund 400.000 mehr als bei der vorgezogenen Wahl im Februar.
Kanzlerkandidaten: Wer kandidiert zur Bundestagswahl 2025?
Für die Neuwahlen 2025 gehen erstmals fünf Kanzlerkandidaten ins Rennen. Sie repräsentieren ihre Partei im Wahlkampf und werden im Falle eines Wahlsiegs als Kandidat für die Wahl zum Bundeskanzler im Bundestag vorgeschlagen.
Die Kanzlerkandidaten zur Neuwahl 2025: Sahra Wagenknecht (55, BSW), Alice Weidel (45, AfD), Friedrich Merz (69, CDU), Olaf Scholz (66, SPD) und Robert Habeck (55, Grüne, von oben links nach unten rechts)
Foto: dpa
Listen: Wofür sind Kandidatenlisten gut?
Vor der Bundestagswahl stellen die Parteien in jedem Bundesland Kandidatenlisten auf. Diese Listen bestimmen, welche Abgeordneten entsprechend dem Ergebnis der Zweitstimmen in den Bundestag einziehen. So werden 299 der insgesamt 630 Sitze im Parlament vergeben.
Aber: Direktmandate zählen nur, wenn sie durch die Zweitstimmen gedeckt sind. Wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt, als ihr durch die Zweitstimmen zustehen, entfallen die Direktmandate mit den niedrigsten Stimmenanteilen.
Mehrheit: Was bedeutet das?
Bei Wahlen bezeichnet die Mehrheit die Anzahl der Stimmen oder Sitze, die erforderlich sind, um eine Regierung zu bilden. Im Bundestag benötigt eine Partei oder Koalition die absolute Mehrheit (mehr als 50 Prozent der Sitze), um einen Kanzler zu wählen oder Gesetze zu verabschieden. Im dritten Wahlgang zum Kanzler reicht auch die einfache Mehrheit!
Nicht-Wähler: Wie viele gehen nicht wählen?
Wählen zu können ist ein Privileg – trotzdem nutzen viele Menschen Ihre Stimme nicht. Bei der Bundestagswahl 2021 haben sich 23,6 Prozent der Wahlberechtigten als Nicht-Wähler entpuppt. Bei der Europawahl 2024 waren es sogar 35,3 Prozent der potenziellen Wähler, die nicht abgestimmt haben.
Opposition: Wofür ist sie zuständig?
Die Opposition besteht aus den Parteien im Parlament, die nicht Teil der Regierung sind. Ihre Aufgabe ist es, die Regierung zu kontrollieren, ihre Entscheidungen zu hinterfragen und alternative Lösungen vorzuschlagen. Die stärkste Oppositionspartei wird häufig als „führende Oppositionspartei“ bezeichnet.
In der Legislaturperiode der Ampel-Koalition war die CDU/CSU in der Opposition. Ab 2022 übernahm der Kanzlerkandidat Friedrich Merz die Rolle des Oppositionsführers.
CDU-Chef Friedrich Merz kandidiert zur Neuwahl 2025 als Kanzler
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Prognosen: Wie aussagekräftig sind sie?
Wahlprognosen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.
Heißt: Grundsätzlich spiegeln Wahl-Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.
Regierung: Wie wird sie gebildet?
Die Regierung wird von der Partei oder Koalition gebildet, die nach der Wahl die Mehrheit im Bundestag erreicht. Sie ist verantwortlich für die Führung des Landes, die Umsetzung von Gesetzen und die politischen Entscheidungen.
Der Bundeskanzler ist der Regierungschef und wird von den Ministerien und Bundesministern unterstützt.
Sperrklausel: Was ist die Fünf-Prozent-Hürde?
Die sogenannte Sperrklausel, besser bekannt als Fünf-Prozent-Hürde, bedeutet, dass Parteien mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen bekommen oder mindestens drei Direktmandate gewinnen müssen.
Nur in diesen Fällen werden die Parteien demnach „bei der Verteilung der Sitze auf die Landeslisten“ berücksichtigt.
TV-Duell: Wofür ist es gut?
Bei einem TV-Duell stellen sich die Kanzlerkandidaten einer öffentlichen Debatte und stehen im direkten Schlagabtausch mit ihren Mitstreitern. Wer hat die besseren Argumente, wer bleibt souverän?
TV-Duelle sind besonders im Wahlkampf wichtig und bieten den Wählern einen direkten Vergleich der Spitzenkandidaten, wie das große BILD-Kanzler-Duell am 19. Februar.
Kanzlerkandidaten Friedrich Merz (CDU, l.) und Olaf Scholz (SPD) treten beim BILD-Duell ein letztes Mal vor der Wahl an
Foto: Getty Images, Fabian Matzerath
Ungültige Stimmen: Wann zählt die Stimme nicht?
Stimmen sind ungültig, wenn zum Beispiel mehrere Parteien angekreuzt oder Zusätze auf dem Stimmzettel gemacht werden. Auch wenn gar nichts angekreuzt wird, zählt die Stimme nicht. Solche Stimmen fließen nicht in das Wahlergebnis ein, werden jedoch bei der Wahlbeteiligung berücksichtigt.
Vertrauensfrage: Was bewirkt sie?
Die Vertrauensfrage ist ein Verfahren, bei dem der Bundeskanzler im Bundestag fragt, ob er weiterhin die Unterstützung der Mehrheit der Abgeordneten hat. Wenn das nicht der Fall ist, kann der Bundespräsident den Bundestag auflösen und Neuwahlen ansetzen.
Sondersitzung im Deutschen Bundestag am Montag, 16. Dezember 2024 in Berlin zur Vertrauensfrage
Foto: Fabian Matzerath / BILD
Die Bundestagswahl 2025 wurde vorgezogen, weil Bundeskanzler Olaf Scholz die Vertrauensfrage gestellt hat – und ihm am 16. Dezember 2024 die Mehrheit der Abgeordneten das Vertrauen verweigerte.
Wahlbeteiligung: Wie viele Menschen gehen wählen?
Die Wahlbeteiligung in Deutschland schwankt von Wahl zu Wahl. Den bisherigen Rekord stellte die Bundestagswahl 1972 mit beeindruckenden 91,1 Prozent auf. Im Vergleich dazu lag die Beteiligung 2021 bei 76,4 Prozent. Der Tiefpunkt wurde 2009 erreicht, als nur 70,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben.
Wahlrecht: Wer darf in Deutschland wählen?
Laut dem Grundgesetz und dem Bundeswahlgesetz dürfen alle deutschen Staatsbürger, die am Wahltag mindestens 18 Jahre alt sind, seit mindestens drei Monaten in Deutschland leben und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, wählen. Vom Wahlrecht ausgeschlossen sind nur diejenigen, denen es durch ein Gerichtsurteil entzogen wurde.
Auch Deutsche, die im Ausland leben, können in der Regel ihre Stimme abgeben.
Wahlrechtsreform: Was ist ab dieser Wahl neu?
Bislang galt: Gewinnt ein Kandidat seinen Wahlkreis, zieht er automatisch in den Bundestag ein. Das ist ab dieser Bundestagswahl nicht mehr so.
Konkret: Stehen der Partei des Wahlkreisgewinners wegen des Zweitstimmenergebnisses nicht mehr genügend Sitze zu, zieht der Wahlkreisgewinner nicht in den Bundestag ein.
Hintergrund ist eine Wahlrechtsreform. Ab dieser Wahl dürfen maximal 630 Abgeordnete im Bundestag sitzen (aktuell: 736). Überhangs- und Ausgleichsmandate gibt es nicht mehr. Sie sorgten bislang dafür, dass Wahlkreissieger in den Bundestag einziehen, auch wenn ihre Partei dafür eigentlich zu wenig Stimmen gewonnen hat. Um das prozentuale Wahlergebnis darzustellen, wurden für die anderen Parteien Ausgleichsmandate gewährt. Folge: Ein Bläh-Bundestag, mit dem jetzt Schluss ist.
Zweitstimme: Was wird damit gewählt?
Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist. Jede Partei, die bei den Zweitstimmen die Hürde von fünf Prozent schafft oder drei Direktmandate bekommt, erhält so viele Sitze, wie ihrem Prozentergebnis entsprechen.