Ankara – Schlagabtausch in der türkischen Hauptstadt – und das vor laufenden Kameras! In den Hauptrollen: Kanzler Friedrich Merz und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Anlass: Israels Krieg gegen die palästinensischen Hamas-Terroristen und die Situation in Gaza!
Gleich zu Beginn der Pressekonferenz stichelte Erdogan schon, sprach in seinem Eingangsstatement von einem „Völkermord in Gaza“, gemeint damit: Israels Krieg gegen die Hamas nach dem Terrorangriff des 7. Oktobers 2023. Zunächst ist Merz darauf nicht eingegangen – und versuchte wohl, das Thema außen vorzulassen.
Doch die Situation eskalierte durch die provokante Frage eines türkischen Journalisten. Ob Deutschland mit seiner Unterstützung für Israel nicht „zum zweiten Mal auf der falschen Seite der Geschichte“ stehe, wollte er vom Kanzler wissen. Eine üble Anspielung auf den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg!
Zeitweise wurde es hitzig auf der Pressekonferenz
Foto: Anadolu via Getty Images
▶ Merz musste also Flagge bekennen und tat es auch: Der Kanzler betonte, dass Deutschland seit seiner Gründung an der Seite Israels stehe. Dies hieße zwar nicht, dass man jede Entscheidung des israelischen Staates befürworten müsse, aber: Merz verwies auf den Terror der Hamas vom 7. Oktober und das daraus folgende Recht Israels zur Selbstverteidigung.
Merz wurde deutlich: „Israel hat von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch gemacht und es hätte nur einer einzigen Entscheidung bedurft, um auch die zahllosen unnötigen Opfer zu vermeiden. Die Hamas hätte die Geiseln früher freilassen sollen und die Waffen niederlegen müssen. Dann wäre dieser Krieg sofort zu Ende gewesen!“
Darauf erwiderte Erdogan erneut und widersprach. Der türkische Präsident wiederholte den „Völkermord“-Vorwurf gegen Israel und verwies auf die vielen zivilen Opfer in Gaza.
Der Disput wurde während der Pressekonferenz nicht beigelegt, der Kanzler rückte politisch keinen Millimeter an Erdogan ran.