Aufrüstung in Deutschland: Die Bundeswehr ist wieder da, aber … | Politik

08.06.2025 - Pazar 11:57

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Berlin/London – „They’re back“, „Sie sind wieder da“, titelt das angesehene, internationale Wirtschaftsmagazin „The Economist“. Gemeint sind die Deutschen und die Bundeswehr, die laut Kanzler Friedrich Merz (69, CDU) zur „stärksten Armee Europas“ werden soll. Doch deutsche Bürokratie könnte dieses Ziel gefährden, warnen Experten.

Dabei loben die Verfasser zunächst die „Ausgabenorgie“, die Ex-Kanzler Olaf Scholz (66, SPD) nach dem russischen Angriff auf die Ukraine mit dem Sondervermögen für die Bundeswehr „entfesselt“ und sein Nachfolger Friedrich Merz mit dem Mega-Schuldenpaket noch gesteigert habe. „Fast alle Verbündeten“ würden sich über den größeren Einsatz für die europäische Sicherheit freuen, Insider sehen dabei aber vor allem Probleme bei der Umsetzung.

▶︎„Die Zeit drängt“, zitiert der „Economist“ Generalleutnant Alfons Mais, Heeres-Inspekteur der Bundeswehr. Die deutsche Rüstungsindustrie solle zur Massenproduktion übergehen, gleichzeitig ohne Rücksicht auf die „strategische Autonomie“ auch erprobte Waffen aus dem europäischen Ausland (z.B. USA) gekauft werden. „Wenn wir im Inland mit Verzögerungen oder Lieferproblemen konfrontiert sind“, so der General, „ist es besser, einen breiteren Ansatz zu verfolgen und zu prüfen, wer liefern kann.“ Insgesamt brauche die Beschaffung zu lange, warnt Mais.

Heeres-Inspekteur Alfons Mais (63): „Die Zeit drängt“

Heeres-Inspekteur Alfons Mais (63): „Die Zeit drängt“

Foto: IMAGO/photothek

▶︎ Rüstungs-Experten klagen dagegen vor allem über zu viele Auflagen und verkrustete Bundeswehr-Bürokratie. Typisch für Deutschland sei es, unnötige Anforderungen an die Industrie zu stellen – etwa, dass Panzer auch für schwangere Soldatinnen geeignet sein müssten.

▶︎ „Eine 80-Prozent-Lösung ist jetzt besser als eine 100-Prozent-Lösung in fünf Jahren“, sagt Matthias Wachter, Sicherheitsexperte beim Bund der deutschen Industrie (BDI). So werde das deutsche IRIS-T-Luftabwehrsystem in der Ukraine bereits erfolgreich eingesetzt, bei der Bundeswehr werde es dagegen erst noch erprobt.

▶︎ „Wir brauchen eine marktorientierte Industrie, die innovativ ist, an einer Stelle scheitert und an anderer Stelle erfolgreich ist – und zwar mit privatem Kapital“, sagt Gundbert Scherf, Co-CEO vom süddeutschen Drohnen-Konzern Helsing, dem Magazin aus London.

Das vielleicht größte Problem sehen die Analysten aber bei den Deutschen selbst – ob die Bevölkerung selbst „kriegstüchtig“ sei. Deutschland sei weiterhin „skeptisch gegenüber militärischer Gewalt“. Die Folge: Ohne Wehrpflicht könne die Bundeswehr ihre Truppenstärke kaum über die derzeit 180.000 erhöhen. Doch die Truppe brauche noch 100.000 Soldaten mehr. „Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir diese Debatte führen werden“, so General Mais zum „Economist“.

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