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Auto-Boss im BILD-Interview: „Dann kommen die Autos eben aus China …!“ | Politik
25.07.2024 - Perşembe 18:20
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Der Deutschland-Motor stottert: Die Auto-Aktien brechen reihenweise ein, weil sich E-Autos schlecht verkaufen! Der gesamte VW-Konzern, Mercedes, BMW und alle anderen: brusttief in der Krise! Kleinwagen verschwinden vom Markt. Alle Auto-Konzerne haben Milliarden in die E-Auto-Produktion gesteckt – und werden ihre Zukunfts-Karossen einfach nicht los: Der Absatz von Batterie-Autos brach von Januar bis Juni um 16,5 Prozent ein in Deutschland, die Zulassungszahlen gingen um 14,5 Prozent zurück.
Jetzt knallt die Entwicklung auch bei Ford Deutschland voll rein: Die Kölner verkaufen kaum E-Autos, machen nach Branchenangaben pro Auto etwa 44 000 Euro Verlust. Folge: Am Mittwochabend rauschte der Ford-Aktienkurs zweistellig in den Keller. Neue E-Auto-Modelle sollen erst kommen, wenn damit Geld zu verdienen sei.
Kaum an den Kunden zu bringen: der E-Explorer von Ford wird in Köln produziert. Die Zwei-Milliarden-Euro-Investition rechnet sich derzeit nicht
BILD traf in Köln den Aufsichtsratschef von Ford Deutschland, Gunnar Herrmann (64) und fragte ihn, wie viele Elektroautos Ford in Deutschland momentan verkauft. Die Antwort ist ein Alarmsignal für den Standort Köln (2 Mrd. in neues E-Auto-Werk investiert) und das Autoland Deutschland:
► „Das, was wir hier produzieren, ist noch homöopathisch. Eigentlich viel, viel zu wenig, um ein ganzes Werk im Zwei-Schichten-Modus rechtfertigen zu können.“
RUMMS!
Wäre die Verschiebung des für 2035 geplanten Aus für Verbrennungsmotoren eine Lösung?
► Klare Ansage: „NEIN!“
An Politiker und Auto-Bosse, die am Verbrenner-Aus rütteln:
► Solche Forderungen könnten nur „dadurch begründet sein, dass Sie gar keine Strategie haben, beziehungsweise auf dem letzten Loch pfeifen, und jetzt zum lieben Gott beten, dass Sie das alte Zeug weitermachen können.“
► „Wenn Sie an Wohlstand, an Wachstum und an die Zukunft glauben, dann bitteschön, lasst die Ziele, wie sie sind!“ Und: „Tempo ist angesagt, und hört auf zu debattieren. Guckt nach vorne, fragt den ein oder anderen Visionär in der Industrie. Und ich glaube, ihr kriegt die richtige Spur.“
„Stillstand fängt an, sich böse zu rächen“
► Ihm fehle die Gesamtstrategie, der Mut zu großen Würfen. Auf den Vorsprung in Forschung werde „kein neues Wirtschaftsmodell aufgebaut“. Herrmann: „Dieser Stillstand, den wir gepflegt haben, der fängt an, sich böse zu rächen. Und ich warne wirklich inständig davor, immer wieder zu sagen ‚Ach nee, noch ein bisschen‘. Nein, Performance ist jetzt angesagt! Und das heißt: Wir gehen jetzt mal richtig an die Sache ran. Wir können das. Aber da muss natürlich auch eine Disziplin her, dass man diese Themen auch entsprechend angeht.“
Rät dringend zum Festhalten an dem Verbrenner-Aus und macht harte Ansagen an Manager und Politiker: Ford-Aufsichtsratschef Gunnar Herrmann (64) im BILD-Gespräch in Köln
► „Als Aufsichtsratsmitglied kann ich eigentlich nur sagen: Wenn ihr die Standorte gefährden wollt, dann ist das der Weg, diese Standorte wirklich auf die Rutschbahn zu hieven, indem ich ganz einfach die Entwicklung aussetze. Dann kommen die Autos eben aus China.“
China-Fabriken bald bei uns?
▶︎ „Bei dem Tempo, das die im Augenblick an den Tag legen, wird das relativ zeitnah der Fall sein, dass sie ihre Werke hochziehen. Und das ist dann zumindest für europäische Hersteller ein weiterer Anfang vom Ende.“
„Sie haben das nötige Kleingeld? Dann können Sie sich das leisten“
Aus der Traum vom eigenen Auto für alle?
Herrmanns Antwort im Kern: Ja!
▶︎„Da bin ich jetzt ganz trocken: Sie haben das nötige Kleingeld? Dann können Sie sich das leisten. Ansonsten werden Sie in den Nahverkehr verbannt. Sofern der natürlich bezahlbar bleibt.“ Und da liege das Problem: Es fehle eine Gesamtstrategie für den Verkehr in den Städten und auf dem Land: „Da sind wir auch wieder im Brachland, was wir lange Zeit haben liegen lassen.“
Mit aller Macht: China-Autobauer landen ihre E-Autos noch per Schiff in Europa an – hier der Konzern BYD mit seinem Konzern-Frachter „Explorer No.1“ in Bremerhaven. Bald könnten eigene Werke in Europa folgen
Wankelmütige Manager und Politiker
► „Grob fahrlässig, wie diese Dauerbremser andauernd aus den Ecken kommen, die dann brüllen: ‚Es hat doch gestern funktioniert. Können wir das nicht noch ein bisschen halten?‘!“
„Gewinner sind leider im Ausland“
►„Wenn Sie etwas Neues implementieren, dann funktioniert das nicht vom Tag eins (…) Die Geduld haben wir teilweise nicht. Diese Geduld haben aber andere aufgebracht. Und das sind heute die Gewinner und die sind leider im Ausland. Das ist China. Das finden Sie aber auch in den USA: Wir bei Ford stampfen in Kentucky gerade ein komplettes Werk inklusive Batteriefabrik aus dem Boden. Da wird gerade eine neue Stadt gebaut. Da ist der Glaube an die Zukunft und da ist auch ein echtes Zeichen von ‚Wir verändern die Zukunft, wir zwingen in die richtige Richtung‘.“
Kann es sein, dass die E-Auto-Strategie falsch ist?
Herrmann: „Die Klimaziele bis 2050, die sind nicht verhandelbar. Wir kriegen zu viele Indikatoren in dieser Welt aufgezeigt, dass wir wirklich was ändern müssen. (…) Da bin ich felsenfest, da bin ich viel zu sehr Ingenieur: Es gibt nichts, was wir nicht können! Wir können das und wir können das auch mit einer vernünftigen Kostenstruktur.“
Ford-Aufsichtsratschef Gunnar Herrmann (64, l.) traf BILD-Reporter Peter Tiede in Köln im Haus der Arbeitgeber zum Gespräch
Was können wir, was China-Konzerne nicht können?
► „Die E-Motortechnologie, da sind wir sogar in Forschungstechnik absolut führend (…) da gibt es nur wenig Werkzeugmacher, die das beherrschen. Die würden sich die Finger lecken, wenn wir endlich mal in diesem Land einen Fortschritt triggern würden!“
Und was liebt Herrmann am Fahren eines Elektroautos?
„Es gibt nichts Schöneres, als auch mal leise durch die Gegend zu fahren …“
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