Belgrad: Polizei setzt Tränengas bei Massenprotesten ein | Politik

29.06.2025 - Pazar 13:55

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Für einige Stunden herrschten Zustände wie am Rande eines Bürgerkriegs. In der serbischen Hauptstadt Belgrad sind die Massenproteste gegen die Regierung von Präsident Aleksandar Vučić (55) am späten Samstagabend außer Kontrolle geraten. Dabei wurden viele Polizisten verletzt. Zu den ebenfalls verletzten Demonstranten gibt es keine offiziellen Angaben. Mehrere Dutzend Protestierende wurden festgenommen.

Tagsüber waren bis zu 140.000 Menschen für vorgezogene Neuwahlen auf die Straße gegangen: friedlich. Aus ganz Serbien waren diese Demonstranten angereist. Viele von ihnen schwenkten die Flaggen Serbiens, aber auch die der Europäischen Union.

Die Demonstranten hielten am Samstag in Belgrad ihre Handys mit eingeschalteten Taschenlampen hoch und erzeugten so ein Lichtermeer

Die Demonstranten hielten am Samstag in Belgrad ihre Handys mit eingeschalteten Taschenlampen hoch und erzeugten so ein Lichtermeer

Foto: IMAGO/Aleksandar Djorovic

Vor allem studentische Gruppen stellten Präsident Vučić ein Ultimatum für Neuwahlen und drohten mit „zivilem Ungehorsam“. Derartige massive Proteste gibt es seit mehr als einem halben Jahr in Serbien. Auslöser war einst das Unglück im Bahnhof von Novi Sad: Im vergangenen November war dort das Bahnhofsdach eingestürzt, 16 Menschen starben. Im Anschluss daran organisierten vorwiegend junge Serben Massenkundgebungen zum Gedenken. Inzwischen sind daraus Demonstrationen gegen Korruption, gegen autoritäre Strukturen und auch gegen einen anti-europäischen Kurs geworden.

Ein älterer Herr kniet unbewaffnet am Boden, vor ihm schwer bewaffnete serbische Polizisten

Ein Demonstrant kniet am Boden, vor ihm schwer bewaffnete serbische Polizisten

Foto: Marko Drobnjakovic/AP/dpa

Während auf den Straßen demonstriert wird, zeigt sich Präsident Vučić am Samstagabend auf seinem Instagram-Account ziemlich gelassen beim Schachspielen. Das Foto kommentiert er mit den Worten: „Gerade aus dem Präsidialamt. Momente der Entspannung.“

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Vučić regiert seit 2012 in wechselnden Ämtern das Land. Er hat großen Einfluss auf Justiz, Polizei und Medien in Serbien und äußert immer wieder, dass „ausländische Mächte“ hinter den Protesten stehen würden.

Am Samstagabend waren nun auch Tausende Unterstützer Vučićs auf der Straße. Als die beiden Gruppen nach Ende der offiziellen Kundgebungen aufeinandertrafen, eskalierte es: Leuchtraketen flogen auf Polizisten. Diese versuchten, die beiden Protest-Gruppen mit Pfefferspray und Blendgranaten auseinanderzutreiben.

Die Menschen in Serbien sind wütend, sie fordern Neuwahlen

Viele Menschen in Serbien sind wütend auf die Regierung Vučić und fordern Neuwahlen

Foto: Marko Drobnjakovic/AP/dpa

Präsident Vučić hatte die Forderung nach Neuwahlen bereits am Freitag strikt zurückgewiesen und erklärt, dass vor Ende 2026 nicht gewählt werde.

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