Das Leid von Gaza: Wer hilft endlich den Geiseln und den Hungernden? | Politik

26.07.2025 - Cumartesi 19:20

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Gaza – Ein Platz im Nichts zwischen Zäunen, überall Staub. Dort, wo Essen verteilt werden soll – Brot, Wasser, Mehl – drängen sich Hunderte Palästinenser. Sie stehen für Essen an. Dann fällt ein Schuss. Ein zweiter. Panik bricht aus.

Solche Videos und Bilder aus Gaza fluten täglich die sozialen Medien. Wer nur einen Funken Mitgefühl hat, spürt Schmerz, Wut, Fassungslosigkeit beim Anblick dieser Bilder. Wer geschossen hat – ob tatsächlich israelische Soldaten (wie in den Aufnahmen suggeriert wird) oder Hamas-Kämpfer – lässt sich nicht verlässlich sagen. Die Videoquellen sind oft unklar.

Aber klar ist: Die Menschen in Gaza leiden, sie hungern. Und ihre „Beschützer“ von der Terror-Organisation Hamas blockieren die Verhandlungen mit Israel, weigern sich weiter, die 49 verbliebenen Geiseln freizulassen. Von ihnen sollen nach israelischen Angaben 27 nicht mehr am Leben sein.

Und die Welt? Schaut zu, streitet und appelliert. Zuletzt fast nur an Israel, die Versorgung der Palästinenser mit Lebensmitteln zu gewährleisten.

Palästinensische Hamas-Terroristen am 20. Februar in Khan Yunis im südlichen Gazastreifen am Ort der Übergabe der Leichen von vier israelischen Geiseln. Auch ein Kind ist dabei, schwer bewaffnet mit einem Sturmgewehr

Palästinensische Hamas-Terroristen am 20. Februar in Khan Yunis im südlichen Gazastreifen am Ort der Übergabe der Leichen von vier israelischen Geiseln. Auch ein Kind ist dabei, schwer bewaffnet mit einem Sturmgewehr

Foto: EYAD BABA/AFP

Frankreich hat diese Woche angekündigt, anders als Deutschland den palästinensischen Staat anzuerkennen. US-Präsident Trump (79) kritisierte seinen Amtskollegen Emmanuel Macron (47) dafür heftig.

Und auch in der Bundesregierung gibt es Zoff: Die SPD-Bundestagsfraktion forderte einen Kurswechsel Deutschlands in der Israel-Politik, auch im Auswärtigen Amt gibt es offene Kritik an der Haltung der Regierung. Und sogar in Israel demonstrieren Tausende gegen Premierminister Benjamin Netanjahu (75).

Palästinenser mit Töpfen versammeln sich, um warme Mahlzeiten zu erhalten, die von einer Wohltätigkeitsorganisation in Gaza-Stadt verteilt werden

Palästinenser mit Töpfen versammeln sich, um warme Mahlzeiten zu erhalten, die von einer Wohltätigkeitsorganisation in Gaza-Stadt verteilt werden

Foto: Anadolu via Getty Images

Tausende Kinder leiden Hunger

Shira Efron, ehemalige UN-Beraterin und heute Forscherin in Israel, spricht von einer „horrenden Lage“. Hunderttausende sind unterernährt, isoliert von der Versorgung und teils völlig abhängig von Schwarzmarkt oder fremder Hilfe. Am schlimmsten trifft es dabei die Kleinsten und Schwächsten. Die Bilder von ausgezehrten, bis auf die Knochen abgemagerten Kindern sind erschütternd.

Laut UN hätten fast neun Prozent von mehr als 56.000 Kindern, die sie zwischen dem 6. und 19. Juli untersuchte, an akuter Mangelernährung gelitten, rund 1,5 Prozent sogar an der schwersten Form.

Auch die israelische Armee räumte am Freitag ein, dass die Ernährungssicherheit in Gaza an einem gefährlichen, sensiblen Punkt sei. Sie arbeite intensiv daran, die Ernährungssicherheit im Gleichgewicht zu halten. Stunden später erlaubte Israel Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten den Abwurf von Lebensmitteln aus der Luft.

Hunderte Palästinenser warten auf Lebensmittel, die von einer Hilfsorganisation verteilt wird.

Hunderte Palästinenser warten auf Lebensmittel

Foto: Anadolu via Getty Images

Wer trägt die Schuld?

Die Lage ist komplizierter, als es einseitige Appelle an Israel aussehen lassen. Israels Regierung ist nervös, denn sie hat kein Interesse an einer Hungersnot. Im Gegenteil: „Eine Hungersnot zu verhindern – bei der Israel sogar ihre treuesten Verbündeten verlieren würde – ist die eine wesentliche Bedingung, die erfüllt sein muss, um den Krieg fortzusetzen und die Hamas zu besiegen“, analysiert der renommierte israelische Journalist Amit Segal in „The Free Press“. Unter Einsatz ihres Lebens schützen israelische Soldaten die Verteilung von Lebensmitteln.

Die Terror-Miliz Hamas dagegen schreckt nicht davor zurück, ihr eigenes Volk immer weiter leiden zu lassen. Das ist für Hamas nicht nur kein Problem, sondern Mittel zum Zweck. Denn das sorgt für internationalen Druck auf Israel. Ein ranghoher Hamas-Funktionär sagte bereits zu Beginn des Kriegs offen: „Wir sind nicht verantwortlich für die Zivilbevölkerung. Israel und die UN sind es.“

Die letzten Entwicklungen bei den Verhandlungen in Doha (Katar) über einen Waffenstillstand deuten darauf hin, dass die Hamas tatsächlich Rückenwind verspürt. Sie schraubte ihre Forderungen in den vergangenen Tagen so hoch, dass nicht nur US-Verhandler Steve Witkoff, sondern auch die ägyptischen und katarischen Vermittler entsetzt von einer „Unverschämtheit“ sprachen.

Was die Einschätzung der Lage erschwert: Aus dem Gazastreifen dringen fast nur Informationen nach außen, die von einer der Konfliktparteien stammen. Die „Behörden“ in Gaza sind Propaganda-Instrumente der Hamas. Auch die Informationen der vermeintlich neutralen UN stellten sich in der Vergangenheit immer wieder als falsch heraus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt: Nahezu die gesamte Bevölkerung Gazas ist von akuter Ernährungsnot betroffen

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nahezu die gesamte Bevölkerung Gazas von akuter Ernährungsnot betroffen

Foto: Dawoud Abu Alkas/REUTERS

Warum kommt das Essen nicht an?

Israel hatte der Hamas vorgeworfen, sich durch die UN-Hilfslieferungen zu finanzieren, und nahm die Verteilung der Lebensmittel mittels einer privaten Stiftung (Gaza Humanitarian Fund/GHF) selbst in die Hand. Dieser Vorwurf ist nicht abschließend belegt. Fakt ist, dass Hilfslieferungen hundertfach geplündert wurden. Ob das systematisch und immer zugunsten der Hamas passiert war, ist noch unklar. Die GHF hat nach eigenen Angaben über 80 Millionen Mahlzeiten verteilt – während die UNO ihre Lager zwar füllt, aber keine eigenen Auslieferungen mehr organisiert.

Israel wiederum war wochenlang vorgeworfen worden, nicht ausreichend Lebensmittel nach Gaza zu lassen. Fakt ist aber auch: Die Hamas hindert Palästinenser mit Waffengewalt daran, Lebensmittelpakete der GHF anzunehmen. Denn wer die Kontrolle über die Lebensmittel in Gaza hat, hat die Macht. Am Donnerstag schoss die Hamas sogar eine Rakete auf ein Verteilzentrum ab, verfehlte ihr Ziel um 250 Meter.

An den vier Verteilzentren für den ganzen Gazastreifen herrscht Chaos. Hunderte Menschen starben dort nach Schüssen. Mal hatten israelische Soldaten in Panik das Feuer eröffnet, mal hatten Hamas-Kämpfer auf die Menschen geschossen, die kilometerweit laufen, um an Essens-Pakete zu kommen.

Vertriebene palästinensische Kinder bemühen sich um Essen in einem Zentrum für die kostenlose Verteilung von Lebensmitteln nördlich von Gaza Stadt.

Vertriebene palästinensische Kinder bemühen sich um Essen in einem Zentrum für die kostenlose Verteilung von Lebensmitteln nördlich von Gaza-Stadt

Foto: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa

Bitter: Tausende Tonnen Hilfe lagern in Gaza an der Grenze, doch die Menschen bekommen davon nichts ab. Weil die UNO sie nicht abholt und verteilt, behauptet Israel. Auch der US-Botschafter in Israel veröffentlichte kürzlich ein Bild der voll beladenen Lkws. Seine Kritik war deutlich: „Die UN lassen diese Hilfslieferungen verrotten – weil sie sich weigern, mit den einzigen funktionierenden Verteilern zusammenzuarbeiten.“

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