Deutschland feiert 1. Mai: Wer sind die Arbeiter von heute? | Politik

01.05.2025 - Perşembe 14:16

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Deutschland feiert den 1. Mai, den „Tag der Arbeit“!

Doch wer sind eigentlich die Arbeiter von heute? Was verdienen sie, wie leben sie – und wen wählen sie?

BILD zeigt zum Tag der Arbeit, wie sich die deutsche Arbeiterschicht verändert hat – und was das für unser Land bedeutet.

Jeder Dritte in Lohn und Brot ist Arbeiter

Rund 16 Millionen Menschen in Deutschland schuften in Arbeiterjobs! Gemeint sind dabei nicht Akademiker oder klassische Bürojobs, sondern Berufe, bei denen Hand angelegt wird.

Insgesamt gibt es 46 Millionen Erwerbstätige in Deutschland – damit ist jeder Dritte davon Arbeiter.

Die Jobs sind unterschiedlich, gemeinsam haben aber alle: Sie arbeiten körperlich hart, oft im Akkord.

Etwa auf dem Bau, am Fließband, in der Paketzustellung, der Reinigung oder Logistik. Und halten damit das Land am Laufen.

Die Arbeit hat sich verändert

Die klassische Arbeiterbiografie (Ausbildung, Fabrikjob, lebenslange Festanstellung) ist auf dem Rückzug.

Und auch die Arbeit ändert sich: Arbeiter von heute sind nicht mehr nur Schweißer oder Maschinenführer, also arbeiten nicht mehr nur klassisch in der Industrie.

Zur Arbeiterschicht zählen auch etwa Essenslieferanten

Zur Arbeiterschicht zählen auch etwa Essenslieferanten

Foto: Lieferando

Stattdessen wächst eine neue Arbeiterklasse in neuen Branchen und mit neuen Aufgaben: Paketboten, Lagerarbeiter, Küchenkräfte, Reinigungsfachkräfte, Zusteller und Pflegehelfer. Viele arbeiten mittlerweile im Dienstleistungssektor.

Die neue Arbeiterklasse ist (auch) weiblich

Lange galten Arbeiter als männlich, stark, schmutzig – das ist vorbei. Heute sind es aber oft auch Frauen, die körperlich arbeiten.

Während zwar klassische Industrie- und Baujobs weiterhin männlich dominiert sind, ist der Anteil von Frauen in vielen körperlich anspruchsvollen Dienstleistungsberufen hoch.

In der Gebäudereinigung oder in der Pflege liegt der Frauenanteil mittlerweile bei rund 70 Prozent, wie eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ermittelt hat.

Auch viele Frauen gehören zu den Arbeitern - gerade im Reinigungsbereich

Auch viele Frauen gehören zu den Arbeitern – gerade im Reinigungsbereich

Foto: christian lohse

Viele haben Migrationshintergrund

Insgesamt haben rund 25 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte. In vielen körperlich-fordernden Arbeiterberufen liegt der Anteil aber sogar noch deutlich höher.

So haben laut dem Statistischen Bundesamt etwa 60 Prozent der Beschäftigten in der Gebäudereinigung einen Migrationshintergrund. Im Bauwesen und im Verkehrsbereich sind es circa 40 Prozent.

Besonders stark vertreten sind dabei Menschen mit türkischer, osteuropäischer und arabischer Herkunft. Vor allem bei Helfertätigkeiten ohne Berufsabschluss ist die Zuwanderung prägend.

Arbeiterpartei SPD? War einmal …

Früher war die SPD DIE Arbeiterpartei – heute sieht das ganz anders aus. Bei der Bundestagswahl 2025 stimmten laut Nachwahlbefragungen 38 Prozent der Arbeiter für die AfD – ein absoluter Rekordwert.

Die AfD hatte zuletzt viel zu jubeln - auch dank eines starken Ergebnisses unter den Arbeitern

Die AfD hatte zuletzt viel zu jubeln - auch dank eines starken Ergebnisses unter den Arbeitern

Foto: Ralf Günther / BILD

Die SPD kam in der Gruppe der Arbeiter nur noch auf 12 Prozent. Selbst die Union konnte mehr Arbeiter von sich überzeugen als die Sozialdemokraten und kam auf 19 Prozent.

Damit hat die AfD bei körperlich Beschäftigten deutlich stärker abgeschnitten als im bundesweiten Durchschnitt (21 Prozent). In keiner anderen Berufsgruppe ist die AfD so stark. Die klassische Mitte verliert hier massiv an Rückhalt.

Kaum Geld zum Leben

Finanziell steht ein großer Teil der Arbeiterschicht unter Druck, der Verdienst reicht oft nur gerade so zum Leben.

Laut einer Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung mit mehr als 5000 Teilnehmern aus der Arbeiterschicht, kann weniger als die Hälfte am Monatsende Geld zurücklegen.

In Dienstleistungsberufen liegt der Wert bei nur 44 Prozent, bei Produktionsarbeitern bei 51 Prozent. Damit verfügen viele über keinen finanziellen Puffer für unerwartete Ausgaben.

Gewerkschaften verlieren an Rückhalt

Noch vor 30 Jahren waren Arbeiter eng mit den Gewerkschaften verbunden. Auch das hat sich heute geändert: Nur noch 18 Prozent der Arbeiter sind Mitglied in einer Gewerkschaft, so die Studie der SPD-nahen Stiftung.

Immer weniger Arbeiter sind gewerkschaftlich organisiert

Immer weniger Arbeiter sind gewerkschaftlich organisiert

Foto: IMAGO/HärtelPRESS

Während die Industriegewerkschaften wie IG Metall noch vergleichsweise stabile Mitgliederzahlen halten (etwa 25 Prozent der Beschäftigten), ist die gewerkschaftliche Organisation in Reinigungs- oder Transportberufen sehr gering.

Die Gründe sind vielschichtig, unter anderem sind flexible Beschäftigungsformen, befristete Verträge und fehlender Kontakt zu Betriebsräten schuld.

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