Bei Drittligist Dynamo Dresden eskaliert ein Streit zwischen dem Verein und seinen Ultras. Beim letzten Heimspiel gegen Hannover 96 II (2:1) sollen eigene Fans auf anderen Tribünenteilen zur Teilnahme an einer Protestaktion genötigt worden sein…
BILD liegt eine Mail vor, in der ein Stadionbesucher die Vorfälle dem Aufsichtsrat des Klubs schildert.
„Da fühlt man sich bedroht bzw. eingeschüchtert und es herrscht ein Klima der Angst“, heißt es in dem Schreiben gleich zu Beginn.
Tatsächlich waren an diesem Samstag überraschenderweise erstmals in dem länger schwelenden Konflikt Transparente nicht nur in der Fankurve aufgetaucht, sondern im gesamten Stadion.
Dabei geht es in dem Zoff um ein klassisches Ultra-Thema . Die wollen, dass der Verein den einst in eine GmbH ausgelagerten Fanshop möglichst schnell und vollständig wieder in den Klub eingliedert. Die Dynamo-Bosse sehen darin als Drittligist ein unnötiges und massives wirtschaftliches Risiko, wollen den Rückkauf der zweiten 50 Prozent der Merchandising GmbH daher womöglich auf 2028 verschieben.
Die Ultra hattens ihre Protestaktion aufs gesamte Stadion ausgeweitet. Nicht alle Fans finden das gut
Foto: privat
Vor diesem Hintergrund berichtet der Zuschauer, was gegen Hannover II im Stadionumfeld geschah.
„Da stehen in unseren Reihen junge Männer, wohl kaum älter als 20 Jahre alt, und bereiten diverse „Protestaktionen“ mittels Plakaten bzw. Spruchbändern vor“, setzt das langjährige Dynamo-Mitglied an.
Er fährt fort: „Auf mehrfache Nachfrage, was denn auf den Spruchbändern steht und ich mich als freier Bürger und auch Fan der SGD dagegen verwahre, da eventuell für Interessen diverser Gruppen missbraucht zu werden, bekam ich keine Antwort. Es wurden kurzerhand Kapuzen übergezogen.“
Durch den so ausgeübten Druck wurden offenbar viele Fans dazu gedrängt, die Banner hoch zu halten und das Ultra-Anliegen zu unterstützen. Knapp drei Wochen vor der Mitgliederversammlung sollen die Klub-Bosse so zum Nachgeben bewegt werden.
Nach BILD-Informationen liegen bei Dynamo mindestens noch drei bis vier weitere Beschwerden von Stadionbesuchern vor. In der obengenannten Mail folgert der Dresdner Dauerkartenbesitzer: „Diese Aktionen können nur bewusst gesteuert werden.“
Um den Rückkauf des Dynamo-Fanshops ist ein Streit zwischen Verein und Ultras entbrannt
Foto: picture alliance
Am Rande dessen soll es zu heftigen Diskussionen gekommen sein. SGD-Fans wehrten sich, indem sie versuchten, Fotos von den Ultras zu machen und mit Anzeigen drohten.
Klub-Aufsichtsrat Mirco Lorenz antwortete im Namen des gesamten Gremiums dem Augenzeugen. Auch diese Mail liegt BILD vor. Dort heißt es: „Die darin ausgeführten Erlebnisse erschrecken uns und wir sichern Ihnen zu, dass der Verein dem nachgehen wird. (…) Diese angezeigten Vorfälle nehmen wir sehr ernst.“
Verein nimmt Vorfälle ernst
Auf BILD-Nachfrage bestätigte der Verein, dass der Fall zur weiteren Prüfung vorliegt und man mit betroffenen Personen im Austausch ist. Genauso wurde der Ehrenrat des Klubs bei der Beschwerde-Mail adressiert und ist zum Handeln aufgefordert, wenn Mitglieder durch Mitglieder bedrängt werden.
In den vergangenen zwei Jahren blieb es bei Spielen von Dynamo Dresden stets ruhig, die Ultras fielen eher durch imposante Choreos auf. Umso irritierender ist nun die Vorgehensweise.
Der Fanshop-Rückkauf ist für sie ein emotionsgeladenes Thema, argumentiert wird damit, „nicht mehr Vertrauen und Identität zu verlieren“. Fraglich ist, ob die Ultras nicht genau das gerade das mit solchen Aktionen tun…