Mit zwei Stunden Zeitverschiebung bereitet sich Drittligist Dynamo Dresden im Camp an der türkischen Riviera auf die Rückrunde vor. Für Vinko Sapina (29) gehen aber nicht nur deshalb seit Sonntag die Uhren anders...
Der Mittelfeldmann wurde kurz vor der Abreise zum ersten Mal stolzer Papa eines Sohnes. „Das war der emotionalste Tag in meinem Leben“, gibt er zu. „Es war hart, danach gehen zu müssen.“
Hart war für ihn und seine Frau Laura schon die Zeit unmittelbar vor der Geburt. Drei lange Tage mussten sie im Krankenhaus Dresden-Neustadt ausharren, bis es endlich so weit war. Sapina: „Es war nervenaufreibend und viel Geduld gefragt. Meine Frau war fix und fertig.“
Immerhin sorgte ein Kuriosum für etwas Ablenkung und Aufheiterung. „Es war noch ein Familienzimmer frei. Ausgerechnet das sogenannte Dynamo-Zimmer“, verrät der gebürtige Ulmer. „Ich habe es erst selber nicht glauben können. Aber da waren die Wände voller Dynamo-Deko.“
Am Ende kam der Nachwuchs schließlich per Kaiserschnitt zur Welt. „Ich durfte auch die Nabelschnur durchschneiden. Ein ganz besonderer Moment“, erzählt Sapina. „Der Kleine ist wohlauf, auch der Mama geht es langsam wieder besser.“
Spürt nicht nur seine Waden nach der Hammer-Einheit am Mittwoch: Sapina vorm Team-Hotel in Antalya
Foto: TIM SCHLEGEL
Klar, dass Frau und Kind auch im fernen Antalya ständig präsent sind. „Ich muss wohl meinen Handy-Speicher erweitern. Gefühlt kommen jede Stunde neue Videos und Bilder“, lacht der Profi.
Trotzdem oder gerade deshalb sehnt er ganz besonders die Rückreise am Sonntag herbei. „Eigentlich habe ich mich im Trainingslager nie nach zuhause gesehnt. Jeder Beziehung, jeder Ehe oder Freundschaft tut ein bisschen Abstand auch mal gut. Aber in der jetzigen Situation zählt man schon die Tage...“
Zum Glück ist im warmen Süden für genügend Ablenkung gesorgt – und die ist bisweilen sehr schweißtreibend.
Bei Top-Bedingungen und Temperaturen von um die 20 Grad schwört sich Dynamo auf die Rückrunde ein
Foto: TIM SCHLEGEL
So stand am Mittwoch Vormittag eine Hauptbelastungs-Einheit auf dem Plan, die es in sich hatte. 120 Minuten wurden unter hohem Tempo und hoher Intensität nonstop Angriffsformen geübt.
„Das ist im Fußball schon das Maximum, es war echt krass. Ich spüre es auch entsprechend“, gibt Sapina zu. „Aber man weiß ja, dass es extrem wichtig ist. Eine gute Fitness ist die Basis. Und ich glaube, wir sind auf einem guten Level. Was auch an diesen Trainingseinheiten liegt.“
Die schweißen außerdem noch zusätzlich zusammen. Denn jeder im Team weiß, wofür man sich den Hintern aufreißt. „Wir sind wirklich ein eingeschworener Haufen“, versichert der Routinier. „Das erkennt man am meisten daran, dass das Ego komplett hinten angestellt wird. Das habe ich so wirklich noch nicht erlebt.“
Karten werden neu gemischt
Apropos: Was er im Teamhotel „Concorde de Luxe“ erlebt, verschlug ihm zunächst fast die Sprache. Dynamo Dresden ist dort tatsächlich gemeinsam mit Sapinas Ex-Klub Rot-Weiss Essen einquartiert: „Die Welt ist so groß und es gibt so viele Hotels. Trotzdem sind beide zur gleichen Zeit hier. Wahnsinn.“
Wichtig zu erwähnen, dass das Aufeinandertreffen sowohl unter den Fans, als auch den Teams absolut harmonisch abläuft.
Sapina: „Eine wirklich freundschaftliche Atmosphäre, ich habe mich echt gefreut. Wir haben abends sogar schon zusammengesessen, einige haben gemeinsam Karten gespielt.“
Auf dem Feld gibt´s im Test am Samstag allerdings keine Freundschaften. Und in der Rückrunde werden die Karten ohnehin neu gemischt. Sapina wünscht beiden Teams dann genügend Trümpfe in der Hand. Essen für den Klassenerhalt – und Dynamo für den Aufstieg!