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EM 2024: Deschamps: „Ich bin nicht auf der Welt, um Rekorde zu jagen“ | Sport
16.06.2024 - Pazar 19:32
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Frankreichs Trainer Didier Deschamps (55) kann der erste Mensch werden, der als Trainer und als Spieler Welt- und Europameister wird. Doch das interessiert ihn nicht, wie er im Interview mit BILD am Sonntag verrät.
BILD am Sonntag: Monsieur Deschamps, ist Frankreich Topfavorit auf den EM-Titel?
Didier Deschamps: „Die Erwartungshaltung an uns ist sehr hoch. Wir wurden 2018 Weltmeister, 2022 Vize-Weltmeister, wir haben das Potenzial und die Ambition, den Titel zu gewinnen. Doch eine Europameisterschaft ist sehr anspruchsvoll. Das beweist ein Blick auf die Fifa-Weltrangliste.“
Das heißt?
„Mit Belgien, England, Portugal, die Niederlande, Spanien, Italien und Kroatien stehen neben uns allein sieben weitere europäische Mannschaften in der Top-10. Das sind alles Teams, die den Anspruch haben, Europameister zu werden. Dazu kommt natürlich Deutschland als große Fußball-Nation, Turniermannschaft und Gastgeber. Und sogenannte kleinere Fußball-Länder…“
… wie die Schweiz, Österreich oder Ungarn?
„Ja! Wir sind bei der EM 2021 gegen die Schweiz im Achtelfinale ausgeschieden. Das zeigt: Das Niveau des europäischen Fußballs ist sehr anspruchsvoll.“
Sie zählen Deutschland zu den Favoriten. Was macht die DFB-Auswahl so stark?
„Deutschland ist immer eine starke Mannschaft. Ich kenne das von früher als Spieler in der Nationalmannschaft, meist waren es Freundschaftsspiele. Die Deutschen haben 2023 den Trainer gewechselt, Julian Nagelsmann hat neuen Schwung reingebracht. Und sie haben eine gute Mischung zwischen älteren, erfahrenen Spielern und einer neuen Generation junger Spieler, die Druck macht. Wir haben das selbst beim letzten Freundschaftsspiel im März erlebt.“
Deutschland gewann 2:0.
„Ja. In den Spielen davor stürmten Leroy Sané und Serge Gnabry, beim letzten Duell waren es Jamal Musiala und Florian Wirtz. Das sind viele gute Spieler. Die Deutschen haben gegen uns auf sehr hohem Niveau gespielt, was bei uns aus verschiedenen Gründen nicht der Fall war. Deutschland wird auf jeden Fall sehr wettbewerbsfähig bei dieser EM sein.“
Auch durch die Rückhol-Aktion von Toni Kroos?
„Toni Kroos ist im Fußball ganz oben. Was er diese Saison mit Real Madrid geleistet hat (Kroos wurde u.a. zum sechsten Mal Champions-League-Sieger; d. Red.), ist ganz besonders.“
Eingespieltes Team: Deschamps (l.) hier im Gespräch mit Frankreichs Superstar Kylian Mbappé
Was zeichnet Kroos aus?
„Er hat so viele Qualitäten, eine sehr hohe Spielintelligenz. Er hat die Fähigkeit, sich immer wieder frei zu spielen, Pässe zu schlagen und das Spiel zu leiten. Auch wenn alle Gegner seine Fähigkeiten kennen, gelingt es ihm immer wieder, sich zu befreien und effizient zu sein. Dazu kommen seine Qualitäten bei Standards. Er ist ein Riesenspieler.“
Ist eine EM schwieriger als eine WM?
„Schauen Sie sich nur die jeweiligen Vorrunden-Gruppen an. Die haben es in sich. Wir zum Beispiel spielen gegen ein starkes Österreich, gegen die Niederlande und Polen. Die Spanier sind in einer Gruppe mit Italien, Kroatien und Albanien. Man muss von Anfang an da sein.“
Worauf kommt es an?
„Angesichts des hohen Niveaus reicht es nicht aus, nur über spielerische Qualität und Talent zu verfügen. Es wird auch mentale und physische Qualität benötigt.“
Einer, der das mitbringt, ist Kylian Mbappé, der künftig für Real Madrid spielen wird. Sie machten ihn nach der WM 2022 zum Kapitän...
„Wir erwarten von ihm, dass er der entschlossenste von allen Spielern ist. Kylian Mbappé ist ein fantastischer Anführer. Er nimmt die Rolle sowohl auf dem Spielfeld als auch in der Kabine voll an.“
Mbappé sagte zuletzt in SPORT BILD, dass er ein EM-Finale zwischen Deutschland und Frankreich unterschreiben würde. Sie auch?
„Es wäre schön. Aber davor wird es viele Hürden geben, die es zu meistern gibt.“
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Als Sie den EM-Kader nominierten, sorgten Sie für Verwunderung: Sie holten N‘Golo Kanté zurück, obwohl er nur noch in Saudi-Arabien spielt. Warum?
„Wieso soll die Liga in Saudi-Arabien nicht wettbewerbsfähig sein? Sie hat ihr Niveau, es spielen viele Europäer und Südamerikaner dort. N‘Golo Kanté ist nach seiner Verletzung, wegen der er die WM 2022 verpasste, wieder fit. Dazu kommt seine Qualität als Spieler, die weit über den Durchschnitt liegt. Er wäre ohne seine Verletzungen immer ein Teil der Nationalmannschaft gewesen.“
Sie sind seit 2012 Nationaltrainer, der dienstälteste aller EM-Teilnehmer. Wird der Job nicht langweilig?
„Nein, ich habe immer noch das gleiche Verlangen, die gleiche Leidenschaft und Entschlossenheit. Wenn das nicht mehr der Fall wäre, würde ich sofort Stopp sagen und etwas anderes angehen.“
Sie können beim Titel-Gewinn Geschichte schreiben, wären der erste Mensch, der als Trainer und Spieler Welt- und Europameister wäre.
„Das ist keine Motivation für mich. Ich bin nicht auf der Welt, um Rekorde zu jagen und einzigartig zu werden. Es geht um die französische Nationalmannschaft. Und den größten Verdienst bei Erfolgen haben sowieso immer die Spieler, sie stehen auf dem Platz.“
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