FC Bayern: Präsident von Champions-League-Gegner Sporting war als Soldat in Afghanistan! | Sport

08.12.2025 - Pazartesi 20:26

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Ein Soldat, der erst Arzt und dann Präsident bei einem weltbekannten Fußball-Verein wird?

Was klingt wie das Drehbuch eines wilden Spielfilms, ist die wahre Geschichte von Frederico Varandas. Der 46-jährige Portugiese ist seit 2018 Präsident seines Herzensvereins Sporting aus Lissabon, dem nächsten Gegner des FC Bayern diesen Dienstag (18.45 Uhr) in der Champions League.

Frederico Varandas ist seit 2018 das Oberhaupt des portugiesischen Topklubs Sporting aus Lissabon

Frederico Varandas ist seit 2018 das Oberhaupt des portugiesischen Topklubs Sporting aus Lissabon

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Im BILD-Interview spricht er über seinen verrückten Weg an die Spitze eines europäischen Topklubs und das Duell mit dem deutschen Rekordmeister.

BILD: Herr Varandas, auf Ihrem Instagram-Account finden sich einige Posts, auf denen Sie in Militärkleidung in Afghanistan zu sehen sind. Was hat es damit auf sich?

Frederico Varandas (46): Ich bin Offizier bei der portugiesischen Armee. Ich bin Berufssoldat und Arzt und war 2008 mit den portugiesischen Spezialeinheiten im Rahmen der NATO-Mission in Afghanistan im Einsatz. Wir wurden in einer Kampfzone in Kandahar eingesetzt. Das war die unvergesslichste Erfahrung meines Lebens.

Varandas während seiner Zeit in Afghanistan

Varandas während seiner Zeit in Afghanistan

Foto: privat

Wie sind Sie danach in den Fußball gekommen?

Neben der Militärmedizin habe ich mich auf Sportmedizin spezialisiert. 2008 hat sich dann die Möglichkeit ergeben, meine medizinische Tätigkeit mit meiner großen Leidenschaft für den Fußball zu verbinden, als mir angeboten wurde, Direktor der medizinischen Abteilung von Vitória de Setúbal zu werden.

2011 sind Sie zu Sporting gewechselt – zunächst auch als Arzt.

Das war ein Traum, der wahr wurde. Mein Großvater, mein Vater und mein Bruder waren alle Mitglieder bei Sporting. Ich selbst bin auch schon seit meiner Geburt Mitglied und war bereits im Alter von drei Jahren in der Turn-Abteilung von Sporting aktiv.

Varandas als Kind beim Training der Turn-Abteilung seines Herzensvereins Sporting

Varandas als Kind beim Training der Turn-Abteilung seines Herzensvereins Sporting

Foto: privat

Wie kam es, dass Sie 2018 vom Vereins-Doktor zum Präsidenten wurden?

Sporting befand sich damals in der größten Krise seiner Geschichte. Nicht nur, weil der Klub seit 2002 keine Meisterschaft mehr gewonnen hatte. Es gab auch einen Angriff von Hooligans auf das Vereinsgelände, bei dem mehrere Spieler angegriffen wurden und anschließend ihre Verträge kündigten. Der damalige Präsident wurde von den Mitgliedern entlassen, und wir befanden uns in einer schweren finanziellen und sportlichen Krise.

Und dann kam Ihnen die Idee, vom Arzt zum Vereins-Boss aufzusteigen.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon sieben Jahre als medizinischer Direktor des Vereins hinter mir und kannte deshalb auch dessen fußballerischen Teil sehr gut. Ich war zwar erst 38 Jahre alt, aber ich hatte großes Vertrauen in meine Führungsqualitäten und meine Kenntnisse über den Verein und die Fußballbranche.

Varandas (r.) zu seiner Zeit als Doktor des Profiteams von Sporting

Varandas (r.) zu seiner Zeit als Doktor des Profiteams von Sporting

Foto: José Lorvão / Sporting CP

Die meisten Präsidenten bei den europäischen Topklubs sind Geschäftsleute. Hatten Sie nie Zweifel, ob Sie mit ihrem beruflichen Hintergrund als Militär und Arzt ein millionenschweres Unternehmen wie Sporting erfolgreich lenken können würden?

Nein. Ich musste zwar viel über Finanzmanagement lernen und bin meiner Meinung nach heute ein besserer Präsident als noch 2018. Aber ich habe schon damals geglaubt, dass die wichtigsten Fähigkeiten für einen Präsidenten Führungsqualitäten und strategisches Denken sind – und das Talent, ein gutes Team um sich herum aufzubauen. Genau das habe ich getan. Das Führen und Managen von Menschen, das ich bei der Armee lernen durfte, haben mir auch sehr geholfen.

Wie hat sich Ihre Beziehung zu den Spielern verändert, als Sie plötzlich Präsident waren?

Heute gibt es keine Spieler mehr bei Sporting, die bereits zu meiner Zeit als Arzt im Verein waren. Aber am Anfang gab es natürlich noch ein einige. Das habe ich aber nie als Problem empfunden. Denn ich bemühe mich um einen nahbaren Führungsstil gegenüber allen – den Spielern, dem Trainer, dem Marketingdirektor oder dem Zeugwart. Jeder kennt meine Position, aber das hindert mich nicht daran, ihnen nahezustehen.

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Quelle: BILD

Helfen Sie eigentlich hin und wieder noch bei der medizinischen Behandlung Ihrer Spieler?

Nein. Seit ich Präsident bin, habe ich nie wieder als Arzt gearbeitet. Die einzige Ausnahme war während der COVID-Pandemie, als in Portugal der Notstand ausgerufen wurde. Als Militärarzt habe ich damals ein Jahr lang im Militärkrankenhaus gearbeitet.

Von 2002 bis 2021 durchlief Sporting eine lange Durststrecke ohne Liga-Titel. Seit Sie 2018 Präsident wurden, hat der Verein drei Meisterschaften gewonnen, unter anderem in der vergangenen Saison. Wie haben Sie Sporting wieder erfolgreich gemacht?

Sporting erlebt derzeit eine der besten Phasen seiner Geschichte. Wir haben nicht nur die drei Meisterschaften in den vergangenen fünf Jahren geholt, sondern seit 2018 auch sechs Pokal-Titel gewonnen. Wir sind jetzt die Nummer eins in Portugal, was seit Jahrzehnten nicht mehr so war. In fünf der vergangenen sechs Jahre hat der Verein Gewinne erzielt. Das einzige Jahr, in dem dies nicht der Fall war, war während COVID. Aktuell ist unser Stadion fast immer ausverkauft, und mehr als 10.000 Menschen warten darauf, eine Dauerkarte zu kaufen. Das Stadion wurde komplett renoviert und modernisiert. Das Geheimnis dieses Erfolgs ist die Vision und das Talent der Menschen um mich herum.

Präsident Varandas bei Sportings offizieller Meisterfeier 2024/25

Präsident Varandas bei Sportings offizieller Meisterfeier 2024/25

Foto: José Lorvão / Sporting CP

In der Champions League liegt Sporting mit 10 Punkten aus fünf Spielen auf dem 8. Tabellenplatz. Was ist für Ihre Mannschaft jetzt gegen den FC Bayern möglich? Was ist Ihrer Meinung nach derzeit die größte Stärke der Mannschaft und wie kann sie Bayern schaden?

Unser Klub beweist aktuell, dass er mit den großen europäischen Vereinen mithalten kann, obwohl wir nicht dieselben finanziellen Mittel wie sie haben. Für mich ist Bayern derzeit eine der drei besten Mannschaften weltweit. Und in der Allianz Arena ein Tor zu schießen, ist aktuell wahrscheinlich eine der schwierigsten Aufgaben für jede Mannschaft der Welt. Es wird ein Spiel sein, in dem die Favoritenrolle ganz auf der Seite von Bayern liegt. Auf unserer Seite haben wir nur den Ehrgeiz und die Träume unserer Spieler.

In den vergangenen Jahren hat Sporting immer wieder Weltklasse-Spieler wie Viktor Gyökeres (ging für rund 65 Mio. Euro zu Arsenal), Bruno Fernandes (für 65 Mio. zu Manchester United) und Nuno Mendes (für rund 40 Mio. zu Paris Saint-Germain) hervorgebracht und für viel Geld verkauft. Gibt es in Ihrer aktuellen Mannschaft auch Spieler mit so einem Top-Potenzial?

Laut transfermarkt.de haben wir die wertvollste Mannschaft Europas außerhalb der Top-5-Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich; d. Red.). Das ist das Ergebnis der hervorragenden Arbeit unserer Jugendakademie und unseres Scoutings. Ich will keine einzelnen Namen besonders hervorheben, aber wir haben keinen Zweifel daran, dass viele europäische Topklubs mehrere Spieler aus unserem Team beobachten.

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