Friedrich Merz im Ost-Wahlkampf: Regen und Proteste statt Rückenwind | Politik

01.09.2026 - Salı 01:09

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Kühlungsborn/Quedlinburg – So hatten sich die Strategen in der CDU-Zentrale den Auftakt von Friedrich Merz’ Ost-Wahlkampf wohl kaum vorgestellt. Am Strand von Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern) sollten Bilder entstehen, die den Bundeskanzler bei Sonnenschein und spätsommerlichem Badewetter im Gespräch mit Bürgern zeigen. Stattdessen zogen dunkle Gewitterwolken auf, Regen und Donner bestimmten die Szenerie. Doch nicht nur das Wetter verdarb die Inszenierung: Aus der Menge wurden Merz Beschimpfungen wie „Pinocchio“ und „Kriegstreiber“ zugerufen, auf einem Plakat wurde sogar sein „Rücktritt“ gefordert. Einige Anhänger applaudierten aber und versuchten vergeblich, die Gegendemonstranten zu mehr Anstand aufzurufen.

BILD-Reporter in Sachsen-Anhalt: Merz warnt vor Folgen eines AfD-Wahlsiegs

Quelle: BILD

Kanzler stärkt sich mit Fischbrötchen

Und der Kanzler? Nahm’s nach außen gelassen hin und stärkte sich mit einem Fischbrötchen („exzellent gut“). Auch Bürgerkontakt hatte er, vereinzelt jedenfalls. Über Absperrgitter hinweg kam er mit ein paar Passanten ins Gespräch. Bitter nötig – die CDU in Mecklenburg-Vorpommern dümpelt bei zehn Prozent (AfD: 36 Prozent).

Wenigstens das Frischbrötchen schmeckt

Foto: IMAGO/Chris Emil Janßen

Vielleicht kam Merz die Ankunft in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) nach den Szenen am Ostseestrand sogar gelegen. Hinter verdunkelten Scheiben seiner Limousine fuhr er direkt auf den Innenhof des Schlosses. Am Straßenrand blieben wenige Demonstranten zurück, daneben Touristinnen aus Essen, die vergeblich auf ein Foto mit dem Kanzler gehofft hatten. Bemerkenswert: Obwohl der CDU-Kreisverband Harz mehr als 600 Mitglieder zählt, fand sich niemand zur Begrüßung ein. Auch Plakate, die für den Auftritt des Kanzlers warben, suchte man vergebens.

Parteiintern wurde schon länger gemunkelt, dass die örtliche CDU den in Beliebtheitsumfragen (letzter Platz im INSA‑Ranking) abgeschlagenen Kanzler gar nicht als Wahlkampflokomotive sieht. Und auch nicht der Ministerpräsident. Der 47‑jährige Sven Schulze erweckt den Eindruck, als grenze er sich von Berlin ab. Im Sommer stellte er sich gemeinsam mit den anderen beiden ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten gegen ein Kernelement des schwarz-roten Rentenreformkonzepts – die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.

Während der Kanzler sich im Schloss ins Goldene Buch der Stadt eintrug, einen Blick in die Stiftskirche warf und dann noch 30 Minuten mit Harzer CDU-Funktionären sprach, wartete die angereiste Hauptstadtpresse im Gewitterregen auf den Auftritt des Regierungschefs.

„Genauso haben wir uns den Termin gewünscht“, sagte unverdrossen Sven Schulze, als im Hintergrund zumindest ein Regenbogen auftauchte. Er freue sich, Merz zum ersten Mal in seinem Geburtsort Quedlinburg zu begrüßen.

Merz warnt schon wieder die AfD-Wähler

Merz schien das Gewitter als Kulisse für seine Botschaften inzwischen sogar recht zu sein. Er setzte am Ende eines eher missvergnüglichen Tages trotzig noch einen oben drauf.

Merz wiederholte seine Warnung vom Vortag an alle AfD-Wähler, dass sämtliche „internationale Investoren es sich dreimal überlegen, ob sie noch in Sachsen-Anhalt investieren“. Das Land dürfe „kein Experimentierfeld für Wutbürger werden“. Dann schob er nach, es gebe keine Brandmauer zu Wählern, die wolle man zurückgewinnen. Das wäre aus CDU-Sicht dringend wünschenswert. Denn Schulzes Partei liegt gerade mal knapp über 20 Prozent, die AfD kommt in Umfragen auf 40 und mehr. Dennoch bekundete Merz „die Zuversicht, dass es am Sonntag ein gutes Ergebnis geben wird für Sven Schulze und die CDU“. Was auch immer er damit meint. Nachfragen? Waren nicht vorgesehen.

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