Gedanken von BILD-Chefredakteurin Marion Horn: Europa hat wieder eine Zukunft | Politik

11.05.2025 - Pazar 20:55

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Gänsehaut-Momente in Kiew.

Schauen Sie sich die Fotos in diesem Text gerne genauer an. Sie erzählen eine Geschichte von Hoffnung, die meines Erachtens sogar weit über den Versuch hinausgeht, die Ukraine zu retten. Was sich da am Samstag in der von Krieg gezeichneten Stadt Kiew ereignete, war mehr als ein diplomatischer Pflichtbesuch.

Donald Tusk, Ministerpräsident von Polen, Keir Starmer, Briten-Premier, Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, v.l.)

Europäisches Quintett: Friedrich Merz (69, 2. v. r.) am Samstag in Kiew mit Briten-Premier Keir Starmer (62), Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj (47), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (47) und Polens Premier Donald Tusk (68, v. l.)

Foto: action press

Es war ein sichtbarer Beweis dafür, dass Europa bereit ist, Verantwortung zu tragen – geeint, entschlossen und mit einer ganz neuen Lässigkeit. Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien, vier Staaten mit unterschiedlichen Interessen, als glaubwürdige Akteure einer gemeinsamen europäischen Sicherheitsordnung.

Aber es war nicht nur die politische Geschlossenheit. Es war die persönliche Vertrautheit zwischen den Regierungschefs und Selenskyj, die mich so berührt hat. Als Merz, Macron, Tusk und Starmer gemeinsam mit ihm einen Kranz auf dem Maidan niederlegten, standen sie nicht nebeneinander, weil es das Protokoll so vorsah – sie standen da wirklich gemeinsam.

Gedenken am Maidan: Macron und Selenskyj (2. u. 3.v.l.) geben sich Halt, rechts daneben steht Selenskyjs Ehefrau Olena Selenska (47)

Gedenken am Maidan: Macron und Selenskyj (2. u. 3. v. l.) geben sich Halt, rechts daneben steht Selenskyjs Ehefrau Olena Selenska (47)

Foto: Getty Images

Es waren kleine Gesten, die das Vertrauen verrieten: zustimmende Blicke, ein fester Händedruck, leise Berührungen, aufrichtiges Lächeln, ein offenes Wort zwischen den Zeilen. Als Merz sich mit den Worten verabschiedete: ‚Sie können mich jederzeit anrufen‘, war das kein diplomatischer Floskelsatz. Es war Ausdruck einer neuen Ebene des Vertrauens, wie ich sie zwischen europäischen Partnern lange vermisst habe.

„Ruf jederzeit an“: Merz schüttelt Selenskyj die Hand

„Ruf jederzeit an“: Merz schüttelt Selenskyj die Hand

Foto: EPA

Europa kann so viel mehr als Plastikdeckel-Verordnungen und Gurkengesetze, so viel mehr als nur abwarten und analysieren. Europa kann handeln – aus eigener Kraft. Und es kann dabei eine Sprache sprechen, die nicht nur entschlossen klingt, sondern sogar menschlich bleibt. Diese Begegnung war der seltene Moment, in dem Worte, Gesten und Haltung eine Einheit bildeten. Und genau das macht mir Hoffnung, diese Aufbruchsstimmung, diese Wärme.

Zufrieden mit dem Neuen: Frankreichs Präsident Macron nickt Richtung Merz

Zufrieden mit dem Neuen: Frankreichs Präsident Macron nickt Richtung Merz

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Es war ein Moment seltener Einigkeit und moralischer Größe – ein warmes Leuchten inmitten dunkler Zeiten. Die Freude, die sich ausbreitete, war mehr als nur Erleichterung – es war das stille Aufatmen einer Welt, die spürte, dass Menschlichkeit und Entschlossenheit sich die Hand reichten.

Gute Laune im Nachtzug: Starmer, Macron und Merz (v. l.) auf dem Weg nach Kiew

Gute Laune im Nachtzug: Starmer, Macron und Merz (v. l.) auf dem Weg nach Kiew

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Wenn demokratische Politiker über Grenzen hinweg zusammenstehen, dann hat die Freiheit, dann hat Europa eine Zukunft.

Ich bin ein stolz auf dieses Quartett. Und ja, ich bin stolz, dass unser neuer Kanzler ein Teil dieses Quartetts ist. Es war das Aufkeimen eines Selbstbewusstseins, das längst überfällig war – die stille, aber kraftvolle Botschaft: Wir können das. Gemeinsam.

Es war kein distanziertes Protokoll, sondern ein Miteinander, das gewachsen schien aus vielen Gesprächen, gemeinsamen Krisen und dem Bewusstsein, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Man tauschte Blicke, die Verständnis ausdrückten, man sprach mit leiser Entschlossenheit, aber auch mit dem Mut zur Klarheit.

Diese Staatschefs agierten nicht als Einzelne, sondern wie ein eingespieltes Team. Sie waren sich nicht nur einig in ihren Worten, sondern verbunden in ihrer Haltung.

Es war, als hätte Europa – in diesem Moment – endlich seine gemeinsame Seele wiedergefunden.

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