Gipfeltreffen der Bosse: Wie gefährlich wird dieses Ost-Derby? | Sport

24.03.2024 - Pazar 14:46

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Mit dieser Vorgeschichte wird es das wohl brisanteste Ost-Derby aller Zweiten. 6000 Fans (ausverkauft) wollen den Kracher zwischen dem SC DHfK Leipzig und dem ThSV Eisenach am Sonntag (15 Uhr, live bei DYN und Welt TV) sehen. Nach dem Hinspiel, dass die Thüringer knapp gewannen, legten die Leipziger Einspruch ein, weil am Ende sechs Sekunden an der Spielzeit fehlten. Das geforderte Wiederholungsspiel wurde vom Sportgericht jedoch abgelehnt.

Das Interview mit den Geschäftsführern Karsten Günther (42, Leipzig) und René Witte (45, Eisenach).

Herr Günther, wo ist denn ihr Fahrradhelm aktuell?

Günther: Ich habe gar keinen. Wieso?

Weil Sie bei einem Wiederholungsspiel mit Fahrradhelm in die Halle kommen wollten...

Günther: Ich wäre dafür gern mit dem Fahrrad nach Eisenach gefahren.

Witte grinst: Den Helm hätten wir ihm gesponsert – in blau-weiß, unseren Vereinsfarben.

Günther: Aber das Thema ist jetzt ja durch.

[-->Witte: Ich bin sportlich froh, dass wir die Punkte behalten konnten. Für Karsten hätte ich aber die Hand ins Feuer gelegt, dass ihm in Eisenach nichts passiert wäre.

Aber wo sind denn die sechs Sekunden am Ende geblieben?

Witte grinst: Welche sechs Sekunden?

Also ist nichts hängen geblieben zwischen Ihnen?

Günther: Wir haben kein Problem miteinander. Wir sitzen alle im gleichen Boot, wollen den Handball voran bringen und viele Kids davon begeistern damit anzufangen.

Witte: Ich war mit seiner Entscheidung nicht zufrieden. Das ändert aber nichts daran, dass wir ein sehr gutes, kollegiales Verhältnis haben. Man muss auch ein großes Dankeschön an seine Mitarbeiter richten, die uns in der Vorbereitung in vielen Bereichen geholfen haben. 1100 Auswärtsfans hatten sie auch noch nicht in der Halle.

Günther lacht: Hast du noch 100 eingeschleust? Wir sind 5000! Und 6000 passen nur rein.

Witte: Das wollte ich dir eigentlich nach dem Interview noch verraten...

Günther: Es zeigt auf jeden Fall, dass beide Klubs sehr intakte Fanlager haben und alle sehr heiß auf dieses Spiel sind.

Trotz Paraden-ShowDieser Dreher ist unhaltbar

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[-->Quelle: DYN MEDIA22.03.2024

Drückt man denn auch deshalb Eisenach im Abstiegskampf die Daumen?

Günther: Ab Montag vielleicht.

Aber Eisenach braucht die Punkte dringender.

Günther: Wer sagt denn das?

Witte: Ich glaube, er hat mich gefragt, Karsten. Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Es ist phantastisch, dass wir immer noch dran sind. Das ist für einen Aufsteiger und für eine No-Name-Mannschaft außergewöhnlich. Ich finde, dass wir in jedem Spiel fast immer eine Chance haben. Aber dafür müssen wir alles raushauen.

Günther: Natürlich haben alle Bock auf weitere Derbys. Aber unseren Anteil daran, dass sie den Klassenerhalt schaffen, den haben wir in Eisenach schon geleistet. Das muss reichen. Beim Spiel am Sonntag gibt’s keine Geschenke, diese zwei Punkte sind enorm wichtig für uns und bleiben in Leipzig!

Erstmals gab es in Vorbereitung des Spieles sogar eine Sicherheitsberatung.

Günther: Cool bleiben, es war ein Organisationsmeeting.

Dennoch: Muss man sich wegen der Brisanz Sorgen machen, in die Halle zu kommen?

Witte: Nein, weil es eine Sportart für Familien ist und die Fans es seit Jahrzehnten gewohnt sind, nebeneinander zu sitzen, obwohl sie ein anderes Trikot anhaben. Ich kann garantieren, dass es fair wird.

Karsten Günther und René Witte beim Interview mit Bams

Karsten Günther und René Witte beim Interview mit Bams

Foto: BILD13SPORTPRESSEFOTOS/CHRISTIAN FISCHER<!-->

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Warum funktioniert das im Handball so sehr viel besser als im Fußball?

Günther: Der Fußball war viel früher schon sehr, sehr groß. Und wo viele Menschen aufeinander treffen, sind ab und an auch mal ein paar Hornochsen dabei. Der Handball war lange Zeit relativ klein und auch später sehr familiär, wo der Sport im Vordergrund steht. Das wird über Generationen so weiter gegeben. Das ist die DNA des Handballs.

Witte: Ein wichtiger Punkt der Fanbase im Fußball ist, dass eine Minderheit die Mehrheit beherrscht. Ob die jetzt Ultras heißen oder sonst etwas. Ich kann das nicht akzeptieren.

Zurück zum sportlichen: Gibt es denn Eisenacher Spieler, die sie gern in ihrer Mannschaft hätten?

Günther: Die haben viele gute Jungs. Wir haben bessere.

Und umgekehrt?

Witte: Ich finde auch viele Leipziger Spieler sehr gut. Aber ich glaube, dass wir den Großteil der Mannschaft zusammenhalten – für die 1. und 2. Liga. Und wir werden uns partiell, egal in welcher Liga, verstärken. Wir haben mit Silvio Heinevetter bereits einen Torhüter geholt, der topfit ist und gut in unser System passt. Und auch eine Gallionsfigur auf dem Handballmarkt ist, wo wir auch ein gutes Vermarktungspotenzial sehen.

Günther: Ich habe Heine direkt angerufen und gesagt: Geiles Ding! Es freut mich. Wir sind Freunde. Ich war sein Trainer in der A-Jugend.

Leipzig plant den Etat auch nächste Saison mit 7,5 Mio. Wie plant Eisenach?

Witte: Höher als in dieser Saison. Wir können es schaffen, dass wir 3,5 Millionen Euro ankratzen. Wenn wir absteigen, wird der Unterschied bei bis zu 700000 Euro liegen. Allein die dann fehlenden Fernsehgelder oder die Einnahmen aus den Namensrechten machen davon einen großen Teil aus. Deshalb ist es elementar wichtig, in der 1. Liga zu bleiben. Es hilft aber kein Klagen.

Günther: Wir wollen trotz steigender Kosten außerhalb des Personals unser sportliches Niveau ausbauen. Dabei hilft die gute Zuschauerauslastung, bei der wir über dem Plan liegen und eine ganz breite Sponsorenbasis, die wir stetig versuchen zu erweitern. Das ist eine echte Herausforderung – aber eine, die Spaß macht, die uns besser macht, weil sie uns zwingt, kreativ zu bleiben, neue Wege zu gehen.

Ist die DHfK auch Vorbild für den ThSV?

Witte: Das ist sie in vielerlei Hinsicht. Wir sind ein kleiner Klub, der in den 33 Jahren seit der Wende bis auf ein Jahr immer erst- oder zweitklassig war. Aber wie viele große Ostklubs sind von der Landkarte verschwunden. Rostock, Schwerin, Stahl Brandenburg. Leipzig hat es geschafft. Und schon zu DDR-Zeiten musste man von Eisenach nach Leipzig delegiert werden, wollte man es zum Nationalspieler schaffen. Das hängt bei vielen Alten heute noch nach.

Günther: Also das können wir gern heute auch so handhaben (lacht).

Karsten Günther wird am Sonntag in der Halle wieder wie ein Derwisch hinter den Bänken herumwirbeln, wo werden wir Sie finden, Herr Witte?

Witte: Wie immer auf der Bank. Das mache ich seitdem ich in der Verantwortung bin.

Wie geht das Spiel aus und welche Schlagzeile würden Sie hinterher gern lesen?

Witte: Es soll ein schönes, friedliches Derby werden, über das noch Wochen danach gesprochen wird. Und: Wir gewinnen mit einem Tor.

Günther: Die Schlagzeile soll heißen: Grün-Weißes Jubelmeer nach Handballfest mit Eisenach! Wir wollen das Ding gewinnen, wie hoch, ist egal.

Witte: Ich wüsste sogar eine noch bessere Schlagzeile: Sechs Sekunden vor dem Ende macht Eisenach den Sieg klar.

Günther grinst: Wenn die sechs Sekunden vorher nicht von der Uhr verschwinden…

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