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Handy-Verbot in Schulen: Immer mehr Länder greifen durch | Politik
20.05.2025 - Salı 07:19
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Müssen Deutschlands Schüler ihre Handys zu Hause lassen?
Ja, wenn es nach Bundesbildungsministerin Karin Prien (59, CDU) geht. Auf die Frage, ob Handys in Ranzen gehören, antwortete sie in einem Interview: „Grundsätzlich ist das natürlich Sache der Länder, aber meine Haltung ist klar: In der Grundschule sollte die private Handynutzung verboten sein. An den weiterführenden Schulen sollten möglichst altersgerechte Regeln gefunden werden.“
Erste Verbote in Bayern und Hessen
▶ Als erstes Bundesland führte Bayern bereits 2022 ein allgemeines Verbot ein. Das gilt für alle Schulen, solange diese keine eigene Nutzungsordnung erlassen.
▶ Im März 2025 folgte Hessen. Das Land erklärte alle Schulgebäude und Grundstücke per Gesetz zu Smartphone-Schutzzonen.
In Bayern und künftig auch in Hessen sind solche Szenen nicht mehr möglich. Beide Bundesländer führten als erste ein weitgehendes Handyverbot ein
„Unsere Schulen müssen geschützte Räume sein, in denen unsere Kinder und Jugendlichen frei von Ablenkung und Ängsten lernen können“, erklärte Kultusminister Armin Schwarz (56, CDU), als er das Gesetz in den Landtag einbrachte.
Nun kommt die Diskussion bundesweit in Fahrt. Alle Länder diskutieren, ob sie dem Beispiel Hessens und Bayerns folgen oder es wie
Sachsen-Anhalt überlässt es den Schulen
▶ Die dortige Bildungsministerin Eva Feußner (62, CDU) überlässt die Entscheidung den Schulen. Von rund 900 sprachen inzwischen 151 ein vollständiges Verbot aus, 200 erlauben die Nutzung mit Auflagen.
▶ Einen ähnlichen Weg plant Mecklenburg-Vorpommern. „Weder Handys noch Tablets oder Smartwatches sollten komplett verboten werden. Sinnvoller ist es, das Alter, den Umfang und die Art und Weise der Nutzung digitaler Geräte differenziert zu betrachten und schulinterne Regelungen zu treffen“, erklärt Bildungsministerin Simone Oldenburg (56, Linke) ihre Strategie.
Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg ist zurzeit auch Vorsitzende der Kultusministerkonferenz
Um die Schulen zu unterstützen, arbeitet ihr Haus zurzeit mit Landeseltern- und Landesschülerrat an Empfehlungen.
Sachsen plant Handy-Gipfel
▶ Andere Pläne hat Sachsen. Kultusminister Conrad Clemens (42, CDU) kündigt in BILD ein Handyverbot in allen Grundschulen des Freistaates an. Über Details will er auf einem im Sommer geplanten Handy-Gipfel mit Schulleitern, Verbänden und Fachpolitikern sprechen.
▶ In NRW diskutiert der Landtag am Donnerstag einen SPD-Vorschlag. Dennis Maelzer (45) kritisiert die schwarz-grüne Landesregierung, weil diese die Entscheidung auf Kommunen und Schulträger abwälzt.
NRW diskutiert über handyfreien Vormittag
Ein von Maelzer und Dilek Engin (43, SPD) eingebrachter Antrag sieht ein generelles Verbot in Grundschulen vor. An weiterführenden Schulen soll es einen handyfreien Vormittag geben.
Auch bei Handys in Schulen ist Deutschland ein Flickenteppich. „Verbote kann weder der Bund noch die Bildungsministerkonferenz aussprechen, weil die jeweiligen Länder verantwortlich sind“, stellt Simone Oldenburg aus Mecklenburg-Vorpommern klar. Sie ist aktuell Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK).
Kultusministerkonferenz befragt Experten
Dort geht man das Thema erst mal wissenschaftlich an. „Während der letzten Bildungsministerkonferenz haben wir uns mit einer Wissenschaftlerin und zwei Wissenschaftlern über das Thema ausgetauscht“, teilt die KMK-Vorsitzenden BILD mit. „Es ist geplant, auf einer der nächsten Plenartagungen das Thema aus medizinischer Perspektive zu beleuchten.“ Auch die Bundesbildungsministerin wurde eingeladen. „Dann können wir uns auch darüber austauschen, wie Bund und Länder sich gegenseitig unterstützen können.“
Die Ländersicht ist Bundesbildungsministerin Karin Prien nicht fremd. Sie war zuvor Ressortchefin in Schleswig-Holstein, hatte dort den „Kieler Dialog“ gestartet und Experten zum Thema eingeladen.
Weil Kinder auch nach der Schule sehr viel Zeit am Handy verbringen, fehlen ihnen echte Naturerfahrungen, warnen die Experten vom Grundschulverband
Die Grundschulen in dem Bundesland müssen seit zwei Jahren dafür sorgen, dass Handys nicht während des Unterrichts genutzt werden. Für alle anderen Schulen gibt das Ministerium jetzt einen Rahmen vor, damit diese eigene Regeln aufstellen.
Kindern fehlt Naturerfahrung
Für Thomas Irion, wissenschaftlicher Fachreferent für Future-Learning und Digitalität beim Grundschulverband ist die Diskussion über ein Handyverbot in Schulen zu kurz gegriffen.
„Das Problem sind aus unserer Sicht nicht Handys in der Schule, sondern deren häusliche Nutzung.“
Kinder und Jugendliche würden zu Hause Inhalten ausgesetzt, die sie oft völlig überfordern. „Weil Kinder viele Stunden mit ihren Handys verbringen, fehlen ihnen zudem Naturerfahrungen“, so Irion.
„Weil wir die Zeit nicht zurückdrehen können, braucht es in den Schulen mehr Medienerziehung. Nicht nur für Kinder, sondern auch für deren Eltern. Schulen müssen zu Orten werden, Eltern zu beraten und mit ihnen darüber zu reden, welche Regeln für ihre Kinder sinnvoll sind.“
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