Historisch! Hier watscht die SPD ihren Chef ab – Klingbeil mit nur 65 Prozent bestätigt | Politik

28.06.2025 - Cumartesi 07:23

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Er hatte damit gerechnet, einen auf den Deckel zu bekommen. Aber dann demütigten ihn seine Genossen regelrecht: Lars Klingbeil (47) kam bei seiner Wiederwahl zum Parteichef auf desaströse 65 Prozent! Ganze 30 Prozentpunkte weniger als seine neue Co-Vorsitzende Bärbel Bas (57).

Was für eine Klatsche für ihn, der bis zum Parteitag der unangefochtene Ober-Genosse war. Nach der vergeigten Bundestagswahl (SPD-Absturz auf 16 Prozent) riss Parteichef Klingbeil geschickt die Macht an sich: Er sicherte sich auch noch den Fraktionsvorsitz, führte als Chefverhandler die SPD in die Koalition mit der Union. Machte sich selbst zum Vizekanzler und Finanzminister, wechselte knallhart alle SPD-Minister aus Ampelzeiten aus (Ausnahme: Verteidigungsminister Boris Pistorius). Stellte seine bisherige Co-Parteichefin Saskia Esken (63) kalt.

Für diese radikale Neuaufstellung der Partei kassierte Klingbeil jetzt die Quittung. Zu viele Delegierte fanden seinen Umgang zu ruchlos und straften ihn mit ihren Nein-Stimmen ab. Klingbeil war sichtlich geschockt, als die 65 Prozent verkündet wurden. Mit brüchiger Stimme nannte er die Klatsche ein „schweres Ergebnis“. Er hatte sogar einen Prozentpunkt weniger erreicht als die hochumstrittene Andrea Nahles bei ihrer Wahl 2018 – Minusrekord!

Für Nahles war die magere Genossen-Zustimmung der Anfang vom Ende. Sie trat – mürbe gemacht vom Dauer-Kritik-Feuer aus den eigenen Reihen – zurück.

Ist die Situation für Klingbeil genauso brisant?

Eher nicht. Denn: Bei der mehrstündigen Aussprache vor der Vorsitzendenwahl gab es NULL Kritik an ihm. Kein Delegierter zeigte seine Verärgerung offen. Es gab, so beteuern es einflussreiche Landesfürsten, keine abgesprochene Abstrafungsaktion gegen Klingbeil. Die Delegierten waren selbst über die Härte der Klingbeil-Klatsche so erschrocken, dass sie spontan aufsprangen und ihrem gedemütigten Vorsitzenden stehenden Applaus als Trostpflaster spendierten.

Die neue SPD-Spitze: Lars Klingbeil und Bärbel Bas

Die neue SPD-Spitze: Lars Klingbeil und Bärbel Bas

Foto: Getty Images

Doch auch wenn ein Großteil der Nein-Stimmen eher aus persönlicher Enttäuschung über das Bundestagswahlergebnis (Klingbeil hatte die erneute Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz nicht verhindert) rührten und keine Fundamentalablehnung von Klingbeil und seinem Kurs dahintersteckt, wird es schwerer für ihn.

Klingbeil ist jetzt Vorsitzender auf Bewährung. Er muss zeigen, dass er liefert – SPD-Gerechtigkeitspolitik als Finanzminister und vernünftige Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen. Nur dann hat er noch die Chance, seinen eigentlichen Karriereplan, SPD-Kanzlerkandidat bei der nächsten Bundestagswahl zu werden, umzusetzen.

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