„In den Winter gehen wir schlecht vorbereitet“: Apotheker-Chef warnt vor Medikamenten-Mangel | Politik

14.09.2025 - Pazar 10:18

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BerlinLieferengpässe, Apothekensterben, Online-Konkurrenz: Millionen Patienten fragen sich, ob sie noch zuverlässig mit wichtigen Medikamenten versorgt werden. Klar ist: Viele Apotheken sind längst am Limit. BILD spricht mit Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), über Ursachen, Folgen – und was das für die Versorgung bedeutet.

BILD: Rechnen Sie in diesem Herbst mit Lieferengpässen? Vergangenes Jahr haben viele Medikamente gefehlt, vor allem in der Erkältungsphase.

THOMAS PREIS: Auch in diesen Winter gehen wir sehr schlecht vorbereitet. Das Thema Lieferengpässe bei Arzneimitteln ist ein Dauerthema geworden in den Apotheken. Und Leidtragende sind nicht nur die Apotheken oder die Ärzte, wo wir viele Rücksprachen nehmen müssen, sondern in erster Linie Patientinnen und Patienten. Wir haben viele Medikamente, über 500 sind in der offiziellen Liste gemeldet, die schwer zu bekommen sind, wo es Lieferengpässe gibt. Aber es gibt auch noch sehr viele Medikamente, wo sogar ein offizieller Versorgungsmangel festgestellt wurde. Das heißt, da müssen wir Medikamente aus dem Ausland importieren, um überhaupt die Versorgungssicherheit mit diesen Arzneimitteln sicherstellen zu können.

Warum ist das so?

Deutschland war früher die Apotheke der Welt, jetzt steht die Apotheke der Welt in China oder Indien. Und wenn dort Werke Produktionsprobleme haben, dann schlägt sich das sofort in der Versorgung in Europa und in Deutschland nieder. Wir sind bei den preiswerten Medikamenten von China und Indien abhängig und bei den innovativen Arzneimitteln von den USA.

ABDA-Präsident Thomas Preis (66) im Gespräch mit den BILD-Reportern Konstantinos Mitsis und Josef Forster

ABDA-Präsident Thomas Preis im Gespräch mit den BILD-Reportern Konstantinos Mitsis und Josef Forster (r.)

Foto: Christian Lohse/Bild

Kommen wir denn besser durch diesen Winter als durch den letzten?

Ja, ich kann beruhigen. Bei Fieber-, Erkältungsmitteln, Hustensäften ist die Versorgung sichergestellt. Auch bei vielen Antibiotika. Aber viele Antibiotika-Säfte für Kinder sind nach wie vor nicht zu bekommen. Da müssen wir zurückgreifen auf Ressourcen in anderen Ländern. Oder zum Beispiel auch bei dem Asthma-Medikament Salbutamol. Das wird inhaliert. Und viele Menschen brauchen das, wenn sie eine Infektion haben.

Viele Online-Apotheken sitzen im Ausland und sind wahrscheinlich nicht von diesem Lieferengpass tatsächlich betroffen.

Es gibt viele Medikamente, da wollen Sie keinen Tag darauf warten. Das brauchen Sie sofort. Wenn Sie ein fieberndes Kind haben, wenn Sie einen alten Menschen haben, der Antibiotika braucht, weil er schon so alt ist, dass er da keine Stunde mehr drauf warten kann, dann braucht man die Apotheke nicht nur zu den normalen Öffnungszeiten, sondern auch am Wochenende. Und deshalb ist es ganz wichtig, dass das System der öffentlichen Apotheken geschützt wird. Sie gehören zur Daseinsvorsorge. Das brauchen die Menschen wie Gas, Wasser, Strom.

Preis ist seit Januar 2025 Apotheker-Präsident, er ist Inhaber von zwei Apotheken in Köln

Preis ist seit Januar 2025 Apotheker-Präsident, er ist Inhaber von zwei Apotheken in Köln

Foto: Christian Lohse/Bild

Trotzdem werden Online-Apotheken immer beliebter. Haben Sie Sorge, dass die Apotheke vor Ort nicht mehr gebraucht wird?

Wir haben ganz große Sorgen, dass die Versandhändler aus dem Ausland als Rosinen-Picker dieses System zerstören. In keinem anderen Bereich in Deutschland wird dem Staat so auf der Nase herumgetanzt, wie im Bereich des Versandhandels mit Arzneimitteln. Diese Versandhändler halten sich nicht an geltendes Recht in Deutschland. Hier gibt es eine Arzneimittelpreisverordnung, an die man sich halten muss. Diese Händler übertreten diese Verordnung tagtäglich tausendfach und unser Staat guckt tatenlos zu.

Gibt es etwas, was Ihnen für die kommenden zehn Jahre Sorgen bereitet?

Sehr große Sorgen machen mir grundsätzlich die Lieferengpässe. Wir werden da noch sehr lange mit kämpfen müssen. Wir haben ja jetzt auch Lieferengpässe: Antibiotika für Kinder, Asthma-Medikamente, ADHS-Medikamente, viele Psychopharmaka. Gerade diese Patienten, die tun uns wirklich sehr leid. So viele Probleme mit ihrer Gemütslage, wenn die dann auch noch dauernd auf andere Medikamente umgestellt werden, das ist schon ein schlimmes Unterfangen. Deshalb sind Apotheken auch ein wichtiger psychischer Anker für viele Menschen.

Und Bürokratie ist ein ganz schlimmes Thema. Die Macht der Krankenkassen führt dazu, dass wir einen großen Teil unserer Zeit verschwenden müssen, um bürokratische Kontrollaufgaben der Krankenkassen zu übernehmen. Da ist ein grundsätzliches Misstrauen. Das ist nicht in Ordnung. Da müssen auch die Versicherten aufpassen, dass ihre Krankenkassen nicht die Leistungserbringer so drangsalieren mit überbordenden bürokratischen Anforderungen, dass sie gar keine Zeit mehr haben, ihrer Kernaufgabe nachzukommen, den Menschen zu helfen, wenn sie krank sind.

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