Insider berichtet im Ronzheimer-Podcast: So lief der Gefangenen-Deal wirklich ab | Politik

03.08.2024 - Cumartesi 05:49

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Kaum einer konnte den Gefangenen-Deal zwischen dem Westen und dem Kreml so hautnah begleiten wie Bojan Pancevski, Journalist vom „Wall Street Journal“, dessen Kollege Evan Gershkovich zu den Putin-Geiseln gehörte, die jetzt endlich in Freiheit sind.

In der neuen Folge des „Ronzheimer.“-Podcasts spricht BILD-Vize Paul Ronzheimer mit Pancevski über den historischen Gefangenen-Austausch, den der Reporter als einer der wenigen Journalisten von Ankara aus erleben konnte.

Über die Todesangst der Geiseln

Pancevski erklärt, dass die russischen Gefangenen nicht wussten, warum Sie plötzlich in Moskau waren und nicht mehr in einem sibirischen Straflager. Sie fürchteten um ihr Leben. Denn „sie hatten es mit der Angst zu tun, weil man in Putins Russland ja nie wissen kann, was passiert, wenn man in so einem Gefängnissystem landet.“

Wie die Inhaftierten durchgecheckt wurden

Manche der aus Russland Befreiten „waren jahrelang im Gefängnis. Und die waren so schwer gezeichnet von dieser Erfahrung, dass man Schwierigkeiten hatte, sie zu identifizieren. Man musste wirklich mit Sicherheit feststellen, dass die richtige Person an Bord ist“, berichtet Pancevski.

Und weiter: „Zuerst passierte das natürlich in Ankara am Flughafen, weil die Deutschen wissen wollten, dass sie die richtigen Leute an Bord holen und dass dort keine explosiven Stoffe oder Gifte in den Taschen oder in der Kleidung sind. Also das hat schon relativ lange gedauert, bis man sichergestellt hat, dass alles ungefährlich ist.“

Über die Geheimhaltung

„Das war total geheim. Der ganze Deal. Die ganze Welt hat das erst am Donnerstag erfahren. Also niemand durfte etwas wissen, nicht mal die Familien. Man durfte sie natürlich nicht vorwarnen, damit man nicht die Verhandlungen gefährdet. Also das ist schon eine wirklich unglaubliche Situation, die es so vorher nicht wirklich gegeben hat.“

Bundeskanzler Olaf Scholz wollte keinen Presserummel am Flughafen Köln/Bonn

Bundeskanzler Olaf Scholz wollte keinen Presserummel am Flughafen Köln/Bonn

Foto: CHRISTOPH REICHWEIN/AFP

Über das Verhalten von Kanzler Scholz

Der Kanzler habe persönlich aufgetragen, dass bei der Ankunft in Köln/Bonn „keine Presse dabei sein darf, weil die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre der Geiseln nicht verletzt werden sollten. Denn teilweise sind das natürlich verletzliche Personen, die sich in schlechtem gesundheitlichen befanden, auch mental – nach jahrelanger Folter, Vergiftung. Also das ist wirklich eine sensible Sache und ist von den Deutschen sensibel behandelt worden“, sagt Pancevski.

Und weiter: „Eine Frau von Nawalnys Team hat mir gesagt, dass es da einen sehr netten Menschen gab, der hat sich vorgestellt als der Kanzler von Deutschland. Als sie aus dem Flugzeug ausstieg, stand da ein Mann in so dunklen Anzug und das war Scholz und der hat sich auch so vorgestellt. Hallo, ich bin Olaf Scholz. Willkommen. Ich bin der Kanzler von Deutschland.“

Putin wiederum nutzte die Lage am Flughafen in Moskau für seine Propaganda

Putin wiederum nutzte die Lage am Flughafen in Moskau für seine Propaganda

Foto: Mikhail Voskresensky/via REUTERS

Über die Bedeutung von Nawalny für den Deal

„Es gab da einen Moment in den Verhandlungen, wo das Thema Nawalny auf dem Tisch lag. Und ich glaube, da in dem Moment, hat Scholz dem Deal wirklich zugestimmt. Auch als Nawalny gestorben ist, hat der Bundeskanzler dann auch weiterverhandelt und am Ende dieses Ergebnis mitgetragen“, weiß Pancevski. Dem Journalisten zufolge sei der Kanzler von Nawalny sehr beeindruckt gewesen.

Über die Rolle Trumps

Die Deutschen hätten ab einem Punkt gespürt, dass die Russen sehr schnell einen Deal machen wollten. Das veränderte die Strategie. Nach dem Motto: Wenn sie es so eilig haben, holen wir das Beste raus.

Die Ungeduld lag offenbar an den US-Wahlen. „Es gab eine gewisse Angst in Russland, dass wenn Trump wieder Präsident wird, dass er das Ganze irgendwie nicht mitmachen wollen würde“, so Pancevski.

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