Jerusalem: Ultraorthodoxe fordern Militärbefreiung | Politik

02.11.2025 - Pazar 06:48

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Jerusalem – Brennende Planen, blockierte Straßen, wütende Rufe: In Jerusalem haben am Donnerstag Hunderttausende ultraorthodoxe Juden gegen die Wehrpflicht in Israel demonstriert. Gekleidet in schwarzen Mänteln und traditionellen Filzhüten forderten sie ein Gesetz, das sie dauerhaft vom Militärdienst befreit.

„Ab ins Gefängnis und nicht zur Armee“, steht auf einem Banner der Demonstranten in Jerusalem

„Ab ins Gefängnis und nicht zur Armee“ steht auf einem Banner der Demonstranten in Jerusalem

Foto: Am Kadosh/REUTERS<!-->

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Die Polizei sperrte eine der Hauptverkehrsstraßen in die Hauptstadt und setzte rund 2000 Einsatzkräfte ein, um die Menge unter Kontrolle zu bringen. Nach israelischen Medienberichten nahmen rund 200.000 Strenggläubige an dem Protest teil. Ein 15-jähriger Junge ist am Rande der Demonstrationen von einem Dach gestürzt und gestorben. Hintergrund des Protests: Seit der Staatsgründung Israels 1948 sind strenggläubige Juden vom Wehrdienst befreit – wenn sie Vollzeit Talmud studieren. Der Talmud ist das Hauptwerk der „mündlichen Lehre“, das Diskussionen jüdischer Gelehrter aus mehreren Jahrhunderten umfasst. Er bildet neben der Thora die Grundlage des Judentums.

Hunderttausende ultraorthodoxe jüdische Israelis beteiligen sich am „Million-Man-March“ (z.d. „Marsch der Millionen“)

Hunderttausende ultraorthodoxe jüdische Israelis beteiligen sich am „Million-Man-March“ (z.d. „Marsch der Millionen“)

Foto: Ilan Rosenberg/REUTERS<!-->

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Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 steht diese Sonderregelung massiv unter Druck: Das israelische Militär braucht dringend neue Soldaten. Der Oberste Gerichtshof hatte schon im Juni 2024 entschieden, dass die Ausnahmeregelung für ultraorthodoxe Juden ausgelaufen sei. Tausende ultraorthodoxe Männer erhielten daraufhin Einberufungsbescheide, erste Verweigerer wurden festgenommen. Widerstand gegen den Gesetzentwurf kommt unter anderem von Präsident Netanjahus Partei: Er hatte ein neues Gesetz angekündigt, das die Ausnahmeregelung absichern soll – das ist bisher noch nicht verabschiedet.

Die Polizei in Jerusalem setzt Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein

Die Polizei in Jerusalem setzt Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein

Foto: Getty Images<!-->

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In seiner Koalition ist er auf die Unterstützung der ultraorthodoxen Parteien angewiesen. Die beiden Parteien Schass und Vereinigtes Thora-Judentum sind aus Protest aus der Regierung ausgetreten. Sie hatten zu den Demonstrationen in Jerusalem aufgerufen. Die Ultraorthodoxen machen rund 14 Prozent der jüdischen Bevölkerung Israels aus – etwa 1,3 Millionen Menschen. Bis vor Kurzem waren rund 66.000 Männer im wehrfähigen Alter vom Militärdienst befreit.

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