Klartext im Missbrauchsskandal: Belgiens Premier knöpft sich Papst vor | Politik

27.09.2024 - Cuma 12:04

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Das hat sich bisher kein Staatsoberhaupt getraut: Der belgische Premierminister Alexander De Croo (48) hat Papst Franziskus (87) bei seinem Besuch in Brüssel scharf kritisiert. Die Vorwürfe an das Oberhaupt der katholischen Kirche hatten es in sich, konkret ging es um den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und die mangelnde Aufklärung der Taten.

Der liberale Politiker De Croo drückte es so aus: „Wenn etwas schiefgeht, können wir nicht akzeptieren, dass die Angelegenheit vertuscht wird. Das schadet der wertvollen Arbeit aller. Heute reichen Worte nicht mehr aus. Es sind konkrete Maßnahmen erforderlich. Opfer müssen gehört werden. Sie müssen im Mittelpunkt stehen. Sie haben ein Recht auf Wahrheit.“

Die Menschenwürde müsse laut de Croo „Vorrang vor den Interessen der Institution haben“. Außerdem forderte er: „Die Kirche muss sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.“

Während de Croos Rede blickte der Papst abwechselnd auf sein Manuskript oder direkt zu dem Politiker (r.)., Mitte: Der belgische König Philippe (64)

Während de Croos Rede blickte der Papst abwechselnd auf sein Manuskript oder direkt zu dem Politiker (r.)., in der Mitte: Belgiens König Philippe (64)

Foto: Getty Images

Der belgische Premierminister Alexander de Croo (48)

Der belgische Premierminister Alexander de Croo (48)

Foto: Shutterstock

Eine der schärfsten Reden

Mit seinen Worten entfernte sich der belgische Premierminister weit vom diplomatischen Protokoll, das bei solchen Besuchen eigentlich höfliche Zurückhaltung statt Empörung vorsieht. Die Nachrichtenagentur AP urteilte schon kurz darauf, dass es sich bei der Rede um eine der schärfsten handelte, die jemals bei einer Auslandsreise an den Papst gerichtet wurde.

Franziskus rutschte während der Rede im Königsschloss in Laken zeitweise nervös wirkend auf seinem Stuhl herum, strich sich zwischendurch verlegen über die Kleidung. Ob die Worte ihn berührten oder er sich nach seiner gerade erst überstandenen leichten Grippe bislang nicht wieder ganz fit fühlte, ließ sich daraus nicht ableiten.

Allerdings nahm auch er in seiner darauffolgenden Rede überraschend zu dem weitreichenden Missbrauch in der katholischen Kirche Stellung und wich damit von seinem Manuskript ab. Papst Franziskus: „Die Kirche muss sich schämen und um Vergebung bitten und versuchen, alles zu tun, damit so etwas nicht wieder passiert.“

Erst am Donnerstag – zum Start des Papst-Besuches in Belgien – hatte das belgische Parlament einen neuen Untersuchungsausschuss eingesetzt, der einen der größten Missbrauchsskandale des Landes weiter untersuchen soll. Hierbei geht es um die Taten des früheren Bischofs von Brügge (87), Roger Vangheluwe.

Die Ermittlungen gegen Vangheluwe begannen 2010, es ging um den systematischen Missbrauch mehrere Kinder, unter anderem seiner Neffen. Der ehemalige Bischof hatte sowohl die Taten – größtenteils juristisch verjährt – als auch damit zusammenhängende Schweigegeld-Zahlungen gestanden. Der Papst hatte von Brügge erst im März den „geistlichen Status“ entzogen und ihn aus dem Klerikerstand entlassen – die höchste kirchenrechtliche Strafe.

Papst Franziskus bleibt bis Sonntag in Belgien, offizieller Anlass ist das im kommenden Jahr anstehende 600. Jubiläum zweier katholischer Universitäten. Er trifft bei seinem Besuch auch auf 15 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche.

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