Köhler an Krebs gestorben: von „Horst … Wer?“ zum „Bürgerkönig“ | Politik

01.02.2025 - Cumartesi 16:17

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Es war der verfluchte Krebs! Am Samstag, in den frühen Morgenstunden, starb der frühere Bundespräsident Horst Köhler (†81) nach kurzer Krankheit.

Köhler kam 2004 als Finanz-Technokrat ins oberste Staatsamt. „Horst … Wer?“, titelte BILD über den unbekannten Geld-Experten. Doch Köhler gewann mit seiner direkten und herzlichen Art schnell die Herzen seiner Landsleute, bekam den Spitznamen „Bürgerkönig“ verpasst.

April 2004: Der neue und seinerzeit relative unbekannte Bundespräsident Horst Köhler mit der BILD-Schlagzeile über ihn

19. April 2004: Der neue und seinerzeit relative unbekannte Bundespräsident Horst Köhler mit der BILD-Schlagzeile über ihn

Foto: Daniel Biskup

Überhaupt setzte der Wirtschaftswissenschaftler eigene Akzente mit seinem oft kritischen Blick auf die Mächtigen. Immer wieder rügte er als Bundespräsident (Köhler war zuvor u. a. Direktor des Internationalen Währungsfonds) Politik und Wirtschaft, besonders in der Weltfinanzkrise. Die Finanzmärkte nannte er 2008 „Monster“. Und forderte eine neue Ordnung, „die Geld und Kapital wieder in eine dienende Rolle bringt“.

Köhlers Wahl zum Bundespräsidenten galt als Meisterstück der damaligen CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und des FDP-Chefs Guido Westerwelle und war ein Vorbote der schwarz-gelben Koalition (2009–2013).

2006: Bundespräsident Horst Köhler empfängt die Bundesregierung unter Angela Merkel (r.) im Schloss Bellevue zum Abendessen

2006: Bundespräsident Horst Köhler empfängt die Bundesregierung unter Angela Merkel (r.) im Schloss Bellevue zum Abendessen

Foto: picture alliance / photothek

2006: Bundespräsident Horst Köhler (l.) empfängt Papst Benedikt XVI. auf dem Franz-Josef Strauss-Flughafen in München

2006: Bundespräsident Horst Köhler (l.) empfängt Papst Benedikt XVI. auf dem Franz-Josef Strauss-Flughafen in München

Foto: imago/Action Pictures

Unter Beschuss erhielt Köhler kaum Rückendeckung

Doch das Verhältnis Köhlers zur Spitzenpolitik blieb angespannt. 2010 kam es zum Bruch. Als er die deutschen Truppen in Afghanistan besuchte, begründete er Bundeswehreinsätze auch mit wirtschaftlichen Interessen Deutschlands und dem Schutz freier Handelswege. Ein Sturm der Entrüstung folgte. Selbst aus Union und FDP kam kaum Rückendeckung.

31. Mai 2010: Horst Köhler erklärt in Begleitung seiner Frau Eva Luise seinen Rücktritt

31. Mai 2010: Horst Köhler erklärt in Begleitung seiner Frau Eva Luise seinen Rücktritt

Foto: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

Köhler trat zurück. Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, so Köhler. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen. Seine letzten Amtsworte: „Es war mir eine Ehre, Deutschland als Bundespräsident zu dienen.“

Danach setzte er sich vor allem für Afrika ein. Köhler sagte mal: „Für mich entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas.“

2004: Während einer Afrikareise wird Bundespräsident Horst Köhler (l.) auf dem Internationalen Flughafen von Freetown in Sierra Leone von einem Mädchen mit Blumen begrüßt

2004: Während einer Afrikareise wird Bundespräsident Horst Köhler (l.) auf dem Internationalen Flughafen von Freetown in Sierra Leone von einem Mädchen mit Blumen begrüßt

Foto: dpa

Köhler kannte private Schicksalsschläge: Seine Tochter Ulrike erblindete mit zehn Jahren. Doch die Familie meisterte die Erkrankung gemeinsam.

Mit seiner großen Liebe Eva-Luise, einer ehemaligen Grundschullehrerin, war der passionierte Sportler (Joggen, Schwimmen, Ski-Langlauf) seit 1969 verheiratet. Neben ihrer Tochter bekamen sie noch Sohn Jochen, der seine Eltern mit gerade mal 17 Jahren zum ersten Mal zu Großeltern machte. Mittlerweile gibt es vier Enkel.

2024: Horst Köhler und Frau Eva Luise mit Tochter Ulrike Köhler und Enkelin Helen Köhler (r.)

2024: Horst Köhler und Frau Eva Luise mit Tochter Ulrike Köhler und Enkelin Helen Köhler (r.)

Foto: Agency People Image

2023: Horst Köhler und seine Frau Eva Luise Köhler kommen zu einem Staatsbankett mit dem britischen Königspaar ins Schloss Bellevue

2023: Horst Köhler und seine Frau Eva Luise Köhler kommen zu einem Staatsbankett mit dem britischen Königspaar ins Schloss Bellevue

Foto: Jens Büttner/dpa

Jetzt trauert das Land mit der Familie. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (69) würdigte Köhler als „Glücksfall für unser Land“, FDP-Chef Lindner als „feinsinnigen Diener unseres Staates“.

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