Kolumne: Warum die Politik ein gemeiner Liebestöter sein kann | Politik

21.04.2025 - Pazartesi 09:59

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Ein kühler Satz: „Die Familie wird draußen bleiben, sie soll wenig betroffen sein“, sagte Friedrich Merz, als er von BILD nach seinem zukünftigen Leben als Bundeskanzler gefragt wurde. War sicher fürsorglich gemeint, klang aber abweisend und unfreundlich.

Friedrich Merz ahnt ja, wie es weitergeht. Eine Riesenaufgabe mit Riesenproblemen wartet auf ihn: XXL-Schulden, Klimakrise, Ukraine, Gaza, AfD, Trump, Wehrpflicht. Für alles muss er eine Lösung finden und wird dabei rund um die Uhr beobachtet und bewertet. Kein Platz also für Familie, für Ehefrau Charlotte, seine 3 Kinder und 7 Enkel. Natürlich hätte man sie gern gesehen, Familienfotos vom Merz-Clan, fröhliche Sauerländer an einer langen Tafel.

Friedrich mit Frau Charlotte Merz und Tochter Constanze 2017 auf dem Ball der Atlantik-Brücke

Friedrich mit Frau Charlotte Merz und Tochter Constanze 2017 auf dem Ball der Atlantik-Brücke

Foto: picture alliance / Eventpress

Kantig-Kanzler Merz könnte einen familiären Weichzeichner gut gebrauchen, aber Opa hat jetzt keine Zeit zum Enkel bespaßen, er muss die Welt retten. John F. Kennedy musste das vor 60 Jahren auch, aber er kannte die Kraft der Bilder und so erinnern wir uns an das süße Foto von John Jr. unterm Schreibtisch im Oval Office. Der mächtigste Mann der Welt und der Knirps zu seinen Füßen, das hatte was.

Aber Politik und Familienglück, das waren noch nie Seelenverwandte. Weil es den einen, meist ist es der Mann, in Berlin festhält, wo er unter medialem Dauerbeschuss und Termindruck steht, während die andere, meist Ehefrau, oft unter XXL-Einsamkeit im jeweiligen Wahlkreis leidet. Solche Pendel-Lieben und Wochenend-Konstrukte sind schon für Nicht-Politiker-Ehen herausfordernd. Und im Babylon Berlin lauern on top jede Menge Versuchungen. Nicht jeder/jede bleibt da standhaft.

Horst Seehofer, Heiko Maas, um nur ein paar zu nennen – keinem gelang der Spagat zwischen Vernunft und Verführung. Selbst der brave Christian Wulff erlag außerehelichen Reizen, allerdings dreimal mit derselben Frau.

Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident, und seine Frau Bettina

Christian Wulff, ehemaliger Bundespräsident, und seine Frau Bettina

Foto: picture alliance/dpa

Politik kann ein gemeiner Liebestöter sein. Auch Politikerinnen sind da nicht unbedingt ehefester: Annalena Baerbock, Julia Klöckner, Andrea Nahles – alle haben sich von ihren Ehemännern getrennt.

Ich denke, bei den Eheleuten Merz sind wir diesbezüglich entspannt. Kurz vor der Goldenen Hochzeit ist deren Beziehungskiste nicht mehr wurmstichig. Charlotte und Friedrich werden uns keine „Mit einer Stripperin erwischt! Die Ehe ist am Ende!“ Schlagzeilen liefern.

Fest steht – Politik ist ein Liebestöter. Kaum eine Ehe übersteht die hochkarätige Karriere des Anderen. Weil es keinen gemeinsam gelebten Alltag mehr gibt. Wenn der eine in Berlin Arbeitsplätze und Klima rettet, nächtelange Debatten und Shitstürme aushalten muss, während der andere im Heimatort ein normales, unbeobachtetes Leben führt, ist es schwer, auf Augenhöhe zu bleiben.

Trennten sich, während ER in der Politik war – und kamen dann wieder zusammen: Ex-Außenminister Heiko Maas (SPD) und Partnerin Corinna gehen im Februar in Potsdam spazieren

Trennten sich, während ER in der Politik war – und kamen dann wieder zusammen: Ex-Außenminister Heiko Maas (SPD) und Partnerin Corinna gehen im Februar in Potsdam spazieren

Foto: Thomas Spikermann

Und wer, erschöpft, aber durchdrungen von seiner „Wichtig, Tüchtig und Co“ Bedeutung, beruflich umgeben von Personal und Chauffeur, zu Hause aufschlägt, darf nicht mit banalen Familienproblemen: „Die Waschmaschine ist kaputt! Deine Tochter ist in der Schule beim Kiffen erwischt worden!“ belästigt werden. Da fehlt die Kraft, um auf ein berechtigtes: „Schatz, wir müssen reden“, empathisch zu reagieren. Visite bei Trump oder Elternabend? Bürokratieabbau oder Blechschaden am Auto? Das knirscht auf Dauer.

Gregor Gysi, zweimal geschieden, sagt: „Man denkt immer, alles ist so wichtig, wichtiger als die wichtigsten Personen der privaten Ebene.“

Alt-Kanzler Gerhard Schröder mit damaliger Gattin Doris Schröder-Köpf 2014 in Hannover

Alt-Kanzler Gerhard Schröder mit damaliger Gattin Doris Schröder-Köpf 2014 in Hannover

Foto: imago/Future Image

Die coolen Rotgrün-Jungs aus den Neunzigern, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, brachten es auf jeweils fünf Eheversprechen. „Politik, das sind die Menschen mit den schmalen Lippen, weil man da viel wegstecken muss“, sagt Fischer. Bei beiden, 81 und 77, scheint inzwischen Ruhe eingekehrt.

Politik ist ein hartes Geschäft, das misstrauisch macht, weil man sich nie sicher fühlen kann. Es verändert und verhärtet, sonst schafft man es nicht an die Spitze. Es gibt Ja-Sager und Verräter. Umso wichtiger sind Menschen, die einen schon vorher kannten. Vor all der Macht und Wichtigkeit.

Ich denke, da ist unser zukünftiger Kanzler gut aufgestellt. Und was das Draußenbleiben angeht, da hat Friedrich Merz ganz sicher nicht sein Herz gemeint. Schließlich ist er siebenfacher Opa.

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