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Kritik aus Namibia: „Grüne betreiben Energie-Kolonialismus in Afrika“ | Politik
24.07.2024 - Çarşamba 20:49
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Erst der Elefanten-Zoff, nun gibt es neuen Afrika-Ärger für die Grünen. Es geht um ein Prestigeprojekt: die Produktion von grünem Wasserstoff in Namibia, eine deutsche Direktinvestition (10 Milliarden Euro) – und wichtig für Deutschlands „Energiewende“ von Wirtschaftsminister Robert Habeck (54, Grüne).
Bei Lüderitz an Namibias Südküste sollen Windparks, Solar- und Wasserstoff-Anlagen entstehen, teils im Diamanten-„Sperrgebiet“, wie die Gegend in der Ex-Kolonie heute noch deutsch heißt. Namibia will als Energielieferant der Zukunft zum Norwegen Afrikas aufsteigen.
Jetzt läuft Namibias Umwelt-Dachverband NCE Sturm gegen das „Hyphen“-Projekt. Chef Chris Brown (69) stört sich am Standort im Tsau-ǁKhaeb-(Sperrgebiet)-Nationalpark, warnt vor Schäden für die Artenvielfalt (etwa seltene Sukkulenten) durch die Produktion des Habeck-Wasserstoffs.
Visualisierungen des „Hyphen“-Wasserstoffprojekts im Sperrgebiet bei Lüderitz in Namibia. Mit Strom aus Wind und Sonne wird entsalztes Meerwasser gespalten. Der gewonnene Wasserstoff wird in den containerartigen Tanks (rechts) gespeichert. Energie für Deutschland
„Glaube kaum, dass die Grünen in Deutschland einen Nationalpark opfern würden“
Der Namibier zu BILD: „Das Projekt hätte nie im Sperrgebiet begonnen werden dürfen, muss gestoppt werden. Ich glaube kaum, dass die Grünen in Deutschland einen Nationalpark opfern würden.“
Was Brown verschweigt: Das „Hyphen“-Projekt belegt nur einen winzigen Teil des kargen Sperrgebiets. Seine Warnungen gelten auch in Namibia als überzogen. Auffällig: Zu den Geldgebern des Verbands gehört mit Total Namibia ein Mineralölkonzern.
Zugangspunkt zum Tsau-ǁKhaeb-(Sperrgebiet)-Nationalpark
Für die Grünen sind die Vorwürfe aus der Ex-Kolonie dennoch unangenehm. Grund: Der einflussreiche Verbandschef macht mit einer hochprofessionellen PR-Kampagne Stimmung, wettert in lokalen Zeitungen („Daily Maverick“) gegen „Hyphen“, behauptet: „Die Grünen betreiben Energie-Kolonialismus in Afrika.“
Energie-Kolonialismus? Fakt ist: Namibias Regierung selbst hatte das Projekt ausgeschrieben, der deutschen Firma Enertrag den Zuschlag erteilt, ist an „Hyphen“ beteiligt.
„Hyphen“ verweist auf Umweltstudien: „Diese garantieren, dass die Anlagen nur dort gebaut werden, wo keine Gefahr für die Biodiversität besteht.“
„Aus Gefühlen heraus haben sie AKWs abgeschaltet“
Brown schimpft über „roten Wasserstoff“ und Habecks Energiepolitik („Desaster“): „Aus Gefühlen heraus haben die Grünen Deutschlands AKWs abgeschaltet, ersetzen sie mit Kohle, Gas und Wasserstoff, was in Namibia zulasten der Artenvielfalt geht. Die Grünen sind besessen vom Klima und vergessen dabei die Umwelt. Das ist nicht rational.“
Wirtschaftsminister Robert Habeck (54, Grüne) und Rainer Baake (68, r.), Sonderbeauftragter für Energieprojekte in Namibia, 2022 mit Präsident Hage Gottfried Geingob (†82) in Windhuk
Hintergrund: Habeck hatte das Projekt vorangetrieben mit Namibias Präsident Hage Gottfried Geingob (†82) und ernannte Rainer Baake (68) als Sonderbeauftragten für die Energieprojekte im einstigen „Deutsch-Südwest“. Habecks Ministerium teilt BILD mit, der Standort sei „von der namibischen Regierung ausgewählt worden“, es müsse „eine sorgfältige Standortanalyse durchgeführt werden, damit insbesondere seltene Pflanzenarten nicht gefährdet werden“. Baake habe Brown 2022 getroffen.
Kolonial geprägte Küstenstadt: In Lüderitz (links die Felsenkirche) hat der Start des „Hyphen“-Wasserstoffprojekts einen Boom ausgelöst. Hier gibt es auch ein Hotel „Zum Sperrgebiet“
Umwelt-Dachverband verlangt Gespräch mit Lemke
Brown verlangt ein Gespräch mit Umweltministerin Steffi Lemke (56, Grüne): „Wir glauben nicht, dass die Grünen die Folgen ihrer Politik erkennen.“
Hat immer wieder Ärger mit Afrikanern: Bundesumweltministerin Steffi Lemke (56, Grüne)
Diesen Vorwurf hört Lemke aus Namibia nicht zum ersten Mal. Sie hat bereits Ärger mit Namibias Umweltminister Pohamba Shifeta (56), der der Grünen im Streit um Jagdtrophäen „neokoloniale Einmischung“ vorgeworfen hatte. Äußern will sie sich nicht („keine Zuständigkeit“).
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