Magdeburg: Unternehmer holt tausende Usbeken als Fachkräfte | Politik

09.07.2025 - Çarşamba 15:16

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Magdeburg – Sie kommen aus Mittelasien und sollen Deutschlands Fachkräfteproblem lösen.

1750 junge Usbeken sollen bei uns eine Ausbildung machen. Geholt werden sie von Ingo Jung (56) aus Sachsen-Anhalt. Der Unternehmer hat erkannt, was hierzulande fehlt: Fachkräfte.

Tausende Brummi-Fahrer fehlen

▶︎ Jung vermittelt die Azubis über seine Firma „Askania Future GmbH“. Eine Idee, die funktionieren kann: Die Papenburg AG aus Halle hat bereits Erfahrung mit der Ausbildung usbekischer Lkw-Fahrer für den Eigenbedarf – rund 60 bisher. Personalchefin Angela Papenburg: „In Deutschland, Polen oder Tschechien finden wir keine Fahrer mehr.“

Doch Jung denkt größer. Er will tausende Usbeken holen – als angehende Pflegekräfte, Bauarbeiter, Elektriker und vor allem Lkw-Fahrer. Berufe, in denen Personal fehlt. Allein mehr als 100 000 Berufskraftfahrer.

Die Usbeken werden in ihrer Heimat auf Deutschland vorbereitet. Sie lernen die Sprache, bekommen aber auch Wissen über Land und Leute

Die Usbeken werden in ihrer Heimat auf Deutschland vorbereitet. Sie lernen die Sprache, bekommen aber auch Wissen über Land und Leute

Foto: Askania Future GmbH

Die Ausbildung beginnt in wenigen Wochen. Wer nach Deutschland will, muss in Usbekistan das erste Lehrjahr absolvieren, eine Zwischenprüfung bestehen – und Deutsch auf B1-Niveau sprechen.

Ingo Jung (56) von der „Askania Future GmbH“ informiert sich in Usbekistan über die Ausbildung von Pflegekräften

Ingo Jung (56) von der „Askania Future GmbH“ informiert sich in Usbekistan über die Ausbildung von Pflegekräften

Foto: Askania Future GmbH

▶︎ Dafür holte Jung über 50 Lehrer aus Usbekistan nach Deutschland. Sie wurden geschult, um in ihrer Heimat praxisnahen Unterricht geben zu können. Arbeitsforscher Alexander Studthoff lobt solche Initiativen in einer Studie für das Bundesinstitut für Berufsbildung. Entscheidend sei, „eine frühzeitige, berufsbezogene Sprachförderung im Herkunftsland sowie begleitende Sprachkurse während der Ausbildung“.

„Nur wer gut Deutsch spricht, hat eine Chance“

„Nur wer gut Deutsch spricht, hat wirklich eine Chance“, weiß Ingo Jung. Das sieht auch Prof. Dirk Engelhardt (52) vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) so. Er sagt: „Deutschkenntnisse sind nicht nur für den Arbeitsalltag und die Integration unverzichtbar. Wer in Deutschland Lkw fahren will, muss die Berufskraftfahrerqualifikation ablegen – und die ist (noch) nur auf Deutsch möglich.“

Nach Einschätzung von Engelhardt ist das Modell vielversprechend: „Der Lkw-Fahrermangel grassiert mittlerweile in ganz Europa. Das Projekt setzt genau an den richtigen Punkten an.“

Für Prof. Dirk Engelhardt (52) vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung setzt das Projekt am richtigen Punkt an

Für Prof. Dirk Engelhardt (52) vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung setzt das Projekt an den richtigen Punkten an

Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

▶︎ Doch es gibt auch kritische Stimmen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mahnt in einem Positionspapier vor Lohn-Dumping. Außerdem fordert der DGB eine zentrale Anlaufstelle und Beratungsangebote – für die Wohnungssuche, gegen Diskriminierung und für faire Integration.

Gratis gibt es die Lehrlinge aus Usbekistan nicht. Unternehmen zahlen pro Azubi zwischen 1500 und 2000 Euro Vermittlungsgebühr.

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