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Marcel Reif warnt vor Juden-Hass: „Ich fühle mich nicht mehr wohl in diesem Land“ | Politik
13.02.2025 - Perşembe 01:41
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Vor einem Jahr rührte Sportreporter Marcel Reif mit einer Rede zum Holocaust-Gedenktag den Bundestag zu Tränen, ebenso wie Eva Szépesi (92), die mit elf Jahren Auschwitz überlebt hatte.
Anlass für Markus Lanz, beide in seine Sendung einzuladen, um über Antisemitismus heute zu sprechen.
„Früher, als ich jung war, war das rechtsradikal, da wusstest du: Wenn es Antisemitismus gibt, dann kommt es aus dem Lager. Mittlerweile musst du ganz nach links gucken“, sagt Marcel Reif, dessen jüdischer Vater den Holocaust überlebte.
Die ungarische Jüdin Éva Szépesi (geborene Diamant) kam mit einem der letzten Transporte am 3. November 1944 ins KZ Auschwitz – ihr Bruder und ihre Eltern überlebten den Holocaust nicht
▶︎ „Dieser Hass auf Juden – da fühle ich mich bisweilen nicht mehr wohl in diesem Land.“ Reif fordert ein härteres Durchgreifen der Behörden: „Ich kann nicht zulassen, dass eine Universität von Juden-Hassern besetzt wird, und wenn die Polizei kommt, sagt die Präsidentin: ‚Nein, wir brauchen euch nicht’. Und Juden und Andersmeinende können sich nicht mehr bewegen.“ Er beschrieb damit die schockierenden Vorfälle an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin vor etwa vier Wochen.
Reif weiter: „Wenn ich eine Zigarette am Flughafen anzünde, dann kommt nach zwei Minuten die Kavallerie. Aber ich kann auf deutschen Straßen und Plätzen Dinge hören, eindeutig, (…) und dann heißt es am nächsten Tag ‚man kann die Täter nicht identifizieren’. Da sind wir längst über die Anfänge hinaus.“
Seit dem 7. Oktober explodiert der Hass
Ob sich seit dem 7. Oktober 2023 und dem Mega-Terror der Hamas auf Israel etwas verändert habe, fragt Lanz. „Der Tag war so eindeutig wie nur was. Und mit jedem Tag länger habe ich das Gefühl, wird es relativiert“, so Reif.
Dabei stellt er klar: „Mir ist jedes palästinensische tote Kind genauso schmerzlich und schrecklich wie jedes jüdisches Kind.“ Über das Vorgehen der israelischen Armee könne man vielleicht diskutieren, „aber das kann doch nicht in Antisemitismus abdriften!“
Éva Szépesi, die die gelbe Schleife als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des 7. Oktober und ganz besonders der noch immer von den Terroristen der Hamas festgehaltenen Geiseln trägt, sagt: „Es ist viel schlimmer geworden seitdem.“
Ihre Enkelin, die in Israel lebt, sagt in einem Einspieler: Wenn sie heute Deutschland besucht, dann ist sie sich nicht sicher, ob sie ihre jüdische Identität zeigen könne. Marcel Reif berichtet aus Telefonaten mit Verwandten in Israel: Die machen sich – mitten im Krieg – viel mehr Sorgen um seine Sicherheit als Jude in Deutschland als um ihre eigene in Israel.
Die letzten Überlebenden sterben aus
Lanz berichtet, dass er 2016/2017 bei Dreharbeiten in Israel gefragt worden sei, ob die Deutschen wüssten, wen sie gerade ins Land lassen. Er fragt Éva Szépesi, ob sie auch glaube, dass seit 2015 viele Juden-Hasser nach Deutschland gekommen seien. Sie sagt: „Ich habe wirklich Angst davor, wie es weitergeht. Ich sehe es so, als sehr viel Antisemitismus hierher gebracht worden ist.“
Sie berichtet auch, dass sie bei ihren vielen Schulbesuchen Schüler treffe, die noch nie etwas von Auschwitz gehört hätten. Und Marcel Reif spricht den düsteren Ausblick für die Erinnerungskultur in Deutschland an: „Wer berichtet darüber, wenn Éva Szépesi nicht mehr da ist?“
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