Merkel-Biografie: Diese Momente fehlen im Merkel-Buch | Politik

27.11.2024 - Çarşamba 16:54

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Sie traf die Großen und Mächtigen der Welt, zeigt Fotos von G-8-Treffen, lässt hinter die Kulissen der Macht blicken.

Doch die weniger glanzvollen Momente ihrer Kanzlerschaft verschweigt Angela Merkel in ihren „Erinnerungen 1954–2021“.

Manche Skandale, Rück- und Fehltritte blendet die Aktkanzlerin lieber aus, etwa die Affäre um Christian Wulff, dem sie ins Amt des Bundespräsidenten verhalf.

BILD zeigt die Bilder, an die Merkel offenbar nicht so gern zurückdenkt – ein Fotoalbum der verdrängten Momente.

Skandal um „Dr. Guttenberg“

Am Ende ziemlich einsam: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt im März 2011 seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern bekannt.

Am Ende ziemlich einsam: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gibt im März 2011 seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern bekannt.

Foto: picture alliance / dpa

CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war der Liebling von Union und Medien, nannte die Einsätze in Afghanistan beim Namen („Krieg“), setzte die ungerechte Wehrpflicht aus – und stolperte am Ende über eine Doktorarbeit, die vor Plagiaten nur so strotzte.

3. März 2011: Merkel verabschiedet ihren Ex-Minister Guttenberg offiziell aus dem Amt

3. März 2011: Merkel verabschiedet ihren Ex-Minister Guttenberg offiziell aus dem Amt

Foto: picture alliance / dpa

Ein weiterer Skandal (Rücktritt im März 2011), von dem in Merkels Buch nicht eine Silbe zu finden ist.

Häme für den Ministerkollegen: Merkel zeigt im März 2011 beim Besuch der Cebit ihrer Ministerin Schavan die Meldung über Guttenbergs Rücktritt – beide schmunzeln …

Häme für den Ministerkollegen: Merkel zeigt im März 2011 beim Besuch der Cebit ihrer Ministerin Schavan die Meldung über Guttenbergs Rücktritt – beide schmunzeln …

Foto: picture alliance / dpa

Und so fehlt auch eine Szene, die viel aussagt über die heimliche Häme, die Merkel und ihre Vertraute, Bildungsministerin Annette Schavan (69, CDU), über Guttenbergs peinlichen Abgang hegten: Auf der Cebit zeigte Merkel der Ministerin die Rücktrittsmeldung. Beide konnten sich ein bissiges Grinsen nicht verkneifen. Merkel ignoriert den Skandal in ihren Erinnerungen.

Aus auch für „Dr. Schavan“

Am Ende auch weg: Merkel im Februar 2013 mit ihrer Bildungsministerin Schavan bei deren Rücktrittserklärung

Am Ende auch weg: Merkel im Februar 2013 mit ihrer Bildungsministerin Schavan bei deren Rücktrittserklärung

Foto: REUTERS

Knapp zwei Jahre später erwischten Plagiats-Jäger auch die Bildungsministerin: Zu viele Zitate in ihrer Doktorarbeit waren nicht gekennzeichnet. Die Uni Düsseldorf entzog ihr den Doktortitel. Rücktritt im am 9. Februar 2013!

Im Merkel-Buch auch davon kein Sterbenswort.

Die Affäre Köhler

Ging, weil Merkel ihm nicht beistand: 2010 erklärt Horst Köhler (heute 81) an der Seite von Ehefrau Eva Luise seinen Rücktritt als Bundespräsident

Ging, weil Merkel ihm nicht beistand: 2010 erklärte Horst Köhler (heute 81) an der Seite von Ehefrau Eva Luise seinen Rücktritt als Bundespräsident

Foto: picture alliance / photothek

Der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde 2004 auf Merkels Betreiben zum Staatsoberhaupt gewählt. 2010 gab er schließlich entnervt auf, weil Merkel und ihre Bundesregierung ihn nach umstrittenen Äußerungen zur Rolle der Bundesmarine („Handelswege verteidigen“) im Regen stehen ließen.

In Merkels Erinnerungen steht davon nichts!

Bloß nicht Gauck!

Für die ostdeutsche Pfarrerstochter Merkel war der ostdeutsche Pastor und Ex-Präsident Joachim Gauck (84) ein rotes Tuch – Merkels Vater Horst Kasner (†2011) und Gauck kamen schon zu DDR-Zeiten nicht miteinander aus. Gauck kritisierte Kasner als zu staatsnah. Merkel fand Gauck zu eitel, zu unberechenbar.

Folge: Die Kanzlerin verhinderte Gauck durch einen Gegenkandidaten mit CDU-Parteibuch – Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (damals 51).

Auch zu dieser Volte von Merkel – keine Silbe in ihren Erinnerungen!

Geschafft: Merkels Kandidat Christian Wulff wird am 30. Juni 2010 zum Staatsoberhaupt gewählt. Joachim Gauck (r.), den Merkel verhinderte, gratuliert Wulff

Geschafft: Merkels Kandidat Christian Wulff wird am 30. Juni 2010 zum Staatsoberhaupt gewählt. Joachim Gauck (r.), den Merkel verhinderte, gratuliert Wulff

Foto: Getty Images

Das Wulff-Debakel

Wulff, jüngster Bundespräsident der deutschen Geschichte, tappte von einem Fettnapf in den nächsten. Merkels Vertrauter im Schloss Bellevue ließ sich von Geschäftsfreunden nach Mallorca einladen.

Power-Paar mit reichen Freunden und Hang zum kleinen Luxus: der Niedersachse Christian Wulff und seine Bettina im Juni 2010 wenige Tage vor der Wahl zum Bundespräsidenten-Paar

Power-Paar mit reichen Freunden und Hang zum kleinen Luxus: der Niedersachse Christian Wulff und seine Bettina im Juni 2010 wenige Tage vor der Wahl zum Bundespräsidenten-Paar

Foto: picture alliance / dpa

First Lady Bettina (51) wurde von Firmen mit Luxusroben eingekleidet – natürlich gratis. Entscheidend: Wulff hatte als Ministerpräsident sein Parlament in Hannover über einen Privatkredit belogen. Für den Kauf eines Klinkerhauses hatte er sich Geld von einem befreundeten Geschäftsmann geliehen – und ihn später auf Dienstreise mitgenommen. Als BILD den Skandal aufdeckte, sprach er dem damaligen BILD-Chefredakteur auf die Mailbox („Bin auf dem Weg zum Emir …“).

Rücktritt am 17. Februar 2012. Den nahm Merkel damals „persönlich mit tiefem Bedauern zur Kenntnis“. Im Merkel-Buch wird der Skandal nicht erwähnt.

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