Merz trifft Trump: Talkrunde feiert Kanzler für seinen Auftritt in Washington | Politik

06.06.2025 - Cuma 00:45

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Noch nie war sich eine Talk-Runde so einig. Bei Maybrit Illner (58) wurde Bundeskanzler Friedrich Merz (69, CDU) für seine klare Haltung bei US-Präsident Donald Trump (78) mit Lob überschüttet.

Außenminister Johann Wadephul (62, CDU) war dabei sogar noch am zurückhaltendsten: „Das war ein guter Auftakt, und das war ja wichtig für das persönliche Verhältnis auch dieser beiden Länder.“ Wadephuls zufriedener Kommentar: „Ich glaube, auch ein bisschen Respekt hat man gehört bei Donald Trump. Er nimmt ihn ernst, und das ist natürlich für Deutschland wichtig, dass unser Regierungschef dort gesehen und gehört wird.“

Das unaufgeregte Urteil des Ministers: „Friedrich Merz hat seine Punkte machen können, Stichwort Ukraine. Was für uns jetzt ganz wichtig ist: Dass sich die USA mit uns gemeinsam an der Seite der Ukraine engagieren. Das ist gut rübergekommen.“

Nicht allzu viel „great“

Die sachliche Bilanz von Wadephul: „Es hat nicht hochemotional begonnen, nicht mit allzu viel ‚great‘. Sondern mit viel Respekt, und das finde ich gut. Es ist ein nüchternes Verhältnis, wo man sich ernst nimmt, und das ist auch das, was der deutsche Regierungschef mitbringt.“

Die Gäste (v.l.): Journalistin Mariam Lau, Außenminister Johann Wadephul, Gastgeberin Maybrit Illner, Diplomaten-Legende Wolfgang Ischinger

Die Gäste (v.l.): Journalistin Mariam Lau, Außenminister Johann Wadephul, Gastgeberin Maybrit Illner, Diplomaten-Legende Wolfgang Ischinger

Foto: ZDF/Maybrit Illner

ZDF-Studioleiter Elmar Theveßen (58), sonst oft sehr kritisch: „Wir nennen diese Szene im Oval Office mittlerweile ‚Grill or Chill‘, also entweder wird man gegrillt oder man kann sich entspannen. Wir hatten den Eindruck, dass sich Friedrich Merz weitgehend entspannen konnte.“ Denn, so der Korrespondent: „Friedrich Merz hat die Chance genutzt, die er hatte. Trump hat gesagt, Merz sei ein guter Repräsentant seines Landes. ‚Ein großartiger Kanzler‘, hat er gesagt. Das zeigt, man hat Respekt, wenn einer nationale Interessen vertritt.“

„Besonders interessant“ fand Theveßen, „wie Merz mit dem Thema Ukraine umgegangen ist. Er hat daran erinnert, dass in diesem Oval Office ein amerikanischer Präsident, Harry S. Truman (1945-53, d. Red), entschieden hat, den Zweiten Weltkrieg zu beenden, und Europa befreit hat.“ „Das heißt“, so Theveßen weiter, „Friedrich Merz hat eine Analogie zu historischer Größe gezogen. Das gefällt Donald Trump natürlich, weil er diese historische Größe ja selber sucht. Damit hatte Merz die Überleitung, um ein wenig Druck zu machen in Sachen Ukraine und damit auch auf Putin.“

Wolfgang Ischinger (79) war einst Chef der Münchner Sicherheitskonferenz

Wolfgang Ischinger (79) war einst Chef der Münchner Sicherheitskonferenz

Foto: ZDF/Maybrit Illner

Merz nicht auf Knien in das Oval Office gerückt

„Zeit“-Journalistin Mariam Lau (63) sichtlich erleichtert: „Mich hat diese Szene an den Thriller ‚Lohn der Angst‘ erinnert, wo Leute mit Lastwagen voller Sprengstoff an einer brennenden Ölquelle vorbeifahren. Ich habe mich gefreut, dass es gut gegangen ist.“ Laus Sonderlob: „Vor allem habe ich mich sehr gefreut, dass keinerlei Unterwerfungsgesten da im Spiel waren. Der Merz ist nicht auf Knien in das Oval Office gerückt.“

Diplomaten-Legende Wolfgang Ischinger (79): „Der Besuch hat den Hauptzweck erreicht: Ein persönliches, belastbares Verhältnis. Man kann jetzt schon sagen: Der Nato-Gipfel in knapp drei Wochen wird nicht in einer Katastrophe oder einem transatlantischen Debakel enden.“

„Sondern“, so Ischinger weiter, „das wird eher zu einer Bekräftigung der Entschlossenheit dieser Allianz führen. Trotz Trump. Wenn da Deutschland, Friedrich Merz und der Außenminister, ihren Beitrag leisten können, dann ist viel erreicht. Und vieles, was sich schlimm hätte entwickeln können, verhindert. Insoweit bin ich sehr erleichtert.“

Ischinger danach über Kritiker sichtlich sauer: „Das klingt ein bisschen so, als ob wir diese Überlegung, mehr Mittel für Verteidigung, anstellen, bloß weil Donald Trump das für richtig hält. Das ist natürlich dummes Zeug! Ich rege mich jetzt wirklich mal auf!“ Denn, so der einstige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz: „Wir machen das doch für uns selbst! Es geht um die Sicherheit Europas! Es geht um die Frage, ob die Ukraine überlebt! Ob die Polen, ob die Balten existenzielle Angst haben müssen um das nackte Überleben!“

Wadephul zum Schluss auf den Punkt: „Wir werden nicht zulassen, dass die Ukraine verliert. Ich kann Herrn Putin nur warnen. Wir sind sehr konsequent, und bisher hat er eigentlich immer die europäische Reaktion unterschätzt. Das sollte er nicht oft wiederholen.“

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