Putins Propaganda-Show: Russen führen Spionen-Kinder im TV vor | Politik

07.08.2024 - Çarşamba 02:38

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Beim Gefangenenaustausch zwischen dem Westen und Russland wurden gegen Journalisten und russische Oppositionelle hauptsächlich Top-Spione des Kreml freigelassen. Darunter auch: ein Spionage-Ehepaar und ihre zwei Kinder.

Artem Dultsev und Anna Dultseva lebten unter einer argentinischen Schein-Identität in Slowenien – ihre Kinder hatten bis zum Flug nach Moskau keine Ahnung, dass sie Russen sind. Sie wurden in Argentinien geboren und zogen später mit ihren Eltern nach Slowenien.

Jetzt schlachtet die Kreml-Propaganda den größten Gefangenenaustausch zwischen dem Westen und Russland seit dem Kalten Krieg voll aus: Nur wenige Tage nach ihrer Landung in ihrer Heimat werden die Dultsevs und ihre Kinder im Staatsfernsehen interviewt.

Die Eltern scheinen kein Problem damit zu haben, ihre Kinder so vorzuführen. Oder keine Wahl.

Familien-Idylle pur? Die Kreml-Propaganda führt die Kinder des Spionage-Ehepaars im Fernsehen vor

Familien-Idylle pur? Die Kreml-Propaganda führt die Kinder des Spionage-Ehepaars im Fernsehen vor

Foto: Rossija

Hand in Hand läuft die Familie durch einen Park auf dem Gelände des Auslandsgeheimdienstes SVR in Moskau, spricht darüber, wie es in Haft in Slowenien war und wie es jetzt weitergehen soll.

Sohn Daniel feierte zum Zeitpunkt der Aufnahmen seinen neunten Geburtstag, deshalb brachte ihm der russische Propaganda-Reporter unter anderem Kuscheltiere der bekannten Film- und Romanfigur Tscheburaschka mit, dessen Geschichten zur Zeit der Sowjetunion erfunden wurden.

Der Reporter fragt die Mutter: „Was heißt Tscheburaschka auf Spanisch?“ – denn die Kinder sprechen kaum Russisch. Die Spione sprachen während ihres Einsatzes in Slowenien nur Spanisch mit ihnen, verheimlichten ihnen ihre Identität.

Der Reporter vom staatlichen Fernsehsender Rossija 1 schenkt dem Sohn der Spione Tscheburaschka-Kuscheltiere zum Geburtstag

Der Reporter vom staatlichen Fernsehsender Rossija 1 schenkt dem Sohn der Spione Tscheburaschka-Kuscheltiere zum Geburtstag

Foto: Rossija

Dultsev sagt im Gespräch mit dem Reporter, dass er während seiner Haft Besuche vom russischen Auslandsgeheimdienst erhielt, der ihm „die Grüße von Wladimir Wladimirowitsch (Putin, d. Red.) übermittelte“ und sagte, dass alles getan werde, um ihnen zu helfen. „Das bedeutete viel“, so der Spion.

Im Flugzeug von Ankara nach Moskau „haben wir den Kindern gesagt, dass wir Russen sind, dass sie Russen sind“. Das Mädchen „weinte ein bisschen“. Der Junge war „eher ruhig, aber sehr positiv“. Dultsev: „Das Wichtigste für uns ist die Familie, sie hält uns über Wasser. Das Land ist auch Familie.“

„Ich liebe meine große Familie“, sagt der Junge dann während der Fernsehreportage in gebrochenem Russisch. Seine Mutter lobt auf Spanisch: „Muy bien“ (sehr gut).

Geheimdienst-Krimi bei AustauschAgenten-Kinder erfuhren im Flieger, dass sie Russen sind

Quelle: Reuters, N1 Slovenia Exclusive

Das Paar und seine Kinder seien jetzt im Urlaub, berichtet der Reporter. Danach werden sie aber „weiter arbeiten, um Russland zu dienen“. Tochter Sofia (11) sei gut in Sprachen und habe bereits ihr Interesse bekundet, ebenfalls Spionin zu werden.

Der Korrespondent des Staatsfernsehens versichert den Zuschauern abschließend: Die Dultsevs seien „hochkarätige Fachleute, die ihr ganzes Leben dem Mutterland gewidmet haben und Opfer gebracht haben, die ein normaler Mensch niemals verstehen könnte. Sie haben ihre Kinder als spanischsprachige Katholiken erzogen. Jetzt werden sie ihnen beibringen müssen, was Borschtsch ist.“

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