Schock in der Radsport-Welt!
Sprint-Legende Michael Hübner ist tot! Der Chemnitzer starb am Dienstagmittag gegen 12 Uhr im Klinikum seiner Heimatstadt an multiplen Organversagen. Seit drei Tagen lag er im Krankenhaus. Der siebenmalige Weltmeister (je dreimal Keirin und Sprint, einmal Teamsprint) war seit langer Zeit krank, hinterlässt Ehefrau Sandra und zwei erwachsene Söhne.
Achtung, Schwindelgefahr! Sportler springen aus 27 Metern in die Tiefe!
Quelle: Red Bull Media House12.11.2024
Sohn Sascha (36), einst selbst Rad-Sprinter, zu BILD: „Wir sind alle sehr traurig, denn uns fehlt nun ein Familienmitglied, der Papa, der Ehemann. Er wollte immer mit einem Knall gehen, so ist er jetzt gegangen. Er war ein Lebemann, wollte nie dahinsiechen. Das hat er geschafft.“
Der dreimalige Olympiasieger Jens Fiedler (54) war mit Hübners Familie bis zuletzt an seinem Sterbebett. Er zu BILD: „Es war eine geile Zeit mit ihm. Ich habe vom ‘Dicken‘ (Hübners Spitzname – d. Red.) viel profitiert. Ja, wir haben eine zeitlang die Welt beherrscht.“
Hübner wurde 1986 in Colorado Springs für die DDR Sprint-Weltmeister. Nach der Wende wechselte er ins Profilager, holte sich da zwei weitere Sprint-Titel und dreimal Keirin-Gold. Den siebten Streich landete er 1995 in Bogota mit Fiedler und dem heutigen Bundestrainer Jan van Eijden (48) im Teamsprint. So viele WM-Titel wie er sammelte kein anderer Deutscher. „Du musste nicht nur den Finger beim Gegner in die Wunde legen, sondern du musst mit beiden Füßen reinspringen und dich einmal umdrehen“, umschrieb er einst seine Erfolgsformel.
Van Eijden zu BILD: „Ein langer Wegbegleiter, eine Vaterfigur für mich im Radsport. Das nimmt mich ganz schön mit. Er sagte immer, er habe so intensiv gelebt, dass es für zwei Leben reichte, aber dennoch ging er viel zu früh. Mit 65 aus dem Leben gerissen zu werden, ist alles andere als schön. Ein guter Freund, der die Reise leider nicht mehr mitgeht. Er war einer der ganz Großen.“
Michael Hübner (r.), Jan van Eijden (M.) und Jens Fiedler nach dem Sieg im Teamsprint bei der WM 1995 in Bogota
Foto: picture alliance / Roth
Nach der Karriere leitete Hübner das Sprintteam Chemnitz, für das u. a. Rekord-Weltmeisterin Kristina Vogel (34) fuhr. Sie zu BILD: „Das schockiert uns alle. Da ist man sprachlos. Man weiß gar nicht, was man sagen soll. Er ist eine Sprint-Legende. Er, Lutz Heßlich und Jens Fiedler waren die, die den Sprint in Deutschland groß gemacht.“
Bis zu ihrem schweren Trainingsunfall 2018, der sie in den Rollstuhl brachte, fuhr die Erfurterin für die Sachsen. „Wir hatten zusammen viele erfolgreiche Jahre. Die haben sehr geprägt. Wie selbstbewusst ich auf der Bahn war, dass habe ich auch von ihm gelernt. Ein Mensch, der total wichtig war für meine Karriere.“
Michael Hübner mit seinem WM-Gold im Sprint der Profis 1991 in Stuttgart
Foto: picture alliance / Roth
Sein Erzrivale kam aus dem eigenen Land: Lutz Heßlich (65). Der Cottbuser wurde 1980 und 1988 Olympiasieger im Sprint. Da nur ein Athlet pro Nation starten durfte, war Hübner nie bei Olympia. Heßlich zu BILD: „Ich bin schockiert und kämpfe mit den Tränen. Er war ein sehr, sehr guter Freund. Ja, wir waren harte Rivalen, haben uns nichts geschenkt, weder auf der Bahn, im Kraftraum noch im Straßen-Training. Aber war das Training vorbei, waren wir wieder Freunde.“
Nur einmal, eben in Colorado Springs 1986, hatte Hübner im Sprint-Finale der WM die Nase vorn. „Ich war 1986 vielleicht ein bisschen übertrainiert. Ich wollte immer besser sein als er. Er nutzte da meine Fehler aus, wie ich seine Fehler ausnutzte. Daher waren wir zehn Jahre Weltspitze“, so Heßlich.
Michael Hübner war ein Kraftpaket auf dem Rad. Er ist deutscher Rekord-Weltmeister, starb nun mit 65 Jahren
Foto: picture alliance / Roth
Wer Hübner kannte, wusste immer, woran er ist. Seine Aura war unbeschreiblich, füllte ein ganzes Rad-Stadion aus, wenn er auf die Bahn kam. „Vater war immer positiv, konnte alle mitreißen mit seiner Art und Weise. Er war nicht Everybody's Darling, das weiß ich, hat aber immer seine Meinung kund getan. Er konnte motivieren und wusste genau, wo er beim wem ansetzen musste“, sagt sein Sohn.
Die klare Sprache, das Wissen einer Legende, aber vor allem der lustige, lebhafte und kämpferische Mensch Michael Hübner werden fehlen. Von seiner Krankheit wussten nur Wenige. Ein Freund zu BILD: „Mir hat er vor sechs Tagen noch am Telefon gesagt, dass es ihm super geht und wann wir uns sehen. Ich wusste nicht, dass er so krank ist.“
Keine Schwächen zeigen, auch das war Hübner...