Republikaner verraten in BILD: Trump plant die große Deutschland-Wende | Politik

19.07.2024 - Cuma 22:50

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Es ist die Frage, die Deutschland beschäftigt, die in der ganzen Welt diskutiert wird: Wie unangenehm könnte ein erneuter Präsident Donald Trump (78) für uns werden – und würde eine Wiederwahl bedeuten, dass die USA die Ukraine aufgeben würden und es damit allein auf Europa ankommt?

BILD ist beim republikanischen Parteitag in Milwaukee (Wisconsin) und hat mit Top-Republikanern über diese Fragen gesprochen. Und dokumentiert, wie in Trumps Umfeld über Deutschland, die Nato und den Ukraine-Krieg gedacht wird.

BILD-Vize Paul Ronzheimer in der Parteitags-Halle der Republikaner in Milwaukee

BILD-Vize Paul Ronzheimer in der Parteitags-Halle der Republikaner in Milwaukee

Foto: Daniel van Moll/BILD

Deutschland wird mehr bezahlen müssen

Sollte Trump Präsident werden, würde er in jedem Fall Deutschland und auch Europa massiv in die Pflicht nehmen. „Es kann doch nicht sein, dass dieser Krieg in eurer direkten Nachbarschaft ist, aber die USA den Hauptteil der Kosten übernehmen müssen“, sagte ein einflussreicher Republikaner. „Trump wird Druck machen, dass Europa mehr für Verteidigung tut oder aber er wird für US-Hilfe direkt Geld einfordern.“

Ähnliches hatte Trump zuletzt in einem Interview mit „Bloomberg“ über die Unterstützung Taiwans gesagt.

„Ich denke, Taiwan sollte uns für den Schutz bezahlen“, sagte Trump auf die Frage, ob er als möglicher Präsident Taiwan vor China beschützen würde. Die USA seien „nichts anderes als ein Versicherungsunternehmen“, sagte Trump – und Taiwan „gibt uns nichts“.

Das sind Sätze, die Trump in ähnlicher Form zwischen 2016 und 2020 auch in Richtung Europa gesagt hatte und wohl wieder sagen wird. Im Zentrum der außenpolitischen Agenda der ersten Wochen wäre aber tatsächlich der Krieg in der Ukraine und mögliche Vermittlungsversuche.

Die große Angst vieler Europäer: Trump und Putin schließen einen Deal, bei dem die Ukraine geopfert wird.

„Mir egal, was mit der Ukraine passiert“

Die Benennung von J.D. Vance (39) als Vize-Präsidentschaftskandidat sorgte insbesondere bei Unterstützern der Ukraine für Entsetzen, da Vance die militärischen Hilfen für die Ukraine schon direkt nach dem russischen Überfall infrage gestellt hatte. Im März 2022 sagte Vance: „Ich muss ehrlich sagen, dass es mir egal ist, was mit der Ukraine passiert.“

Für Russlands Machthaber Wladimir Putin (71): ein Traum.

Wie wichtig wird Vance für die Außenpolitik?

Aber bedeuten Vances radikale Positionen der vergangenen Jahre auch, dass Präsident Trump genauso handeln würde?

Ein Top-Republikaner verwies gegenüber BILD auf die Rolle des Vize-Präsidenten Mike Pence (65) in Trumps erster Amtszeit: „Das Sagen in der Außenpolitik in den wichtigen Fragen hatte der Präsident, zusammen mit seinem Sicherheitsberater und dem Außenminister.“

Der Insider weiter: „Vance wurde nicht wegen seiner außenpolitischen Ansichten zum Vize-Kandidaten gemacht. Er steht für bestimmte ländliche Wählergruppen, die wir ansprechen wollen.“

Wollen ins Weiße Haus: Trump und sein Vize-Kandidat J.D. Vance

Wollen ins Weiße Haus: Trump und sein Vize-Kandidat J.D. Vance

Foto: Callaghan O'Hare/REUTERS

Das bedeutet: Es wird sehr darauf ankommen, wem Trump nach einer möglichen Wahl eine wichtige Position gibt, wer etwa Außenminister werden könnte. Hier wird unter Republikanern über den ehemaligen US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell (57) diskutiert. Auch der US-Senator Marco Rubio (53) wird genannt, der ebenfalls als Vizepräsidentschaftskandidat im Spiel war. Beide Politiker vertreten eine weniger isolationistische Position als Vance.

Stoppt Trump wirklich die Waffen-Lieferungen an die Ukraine?

Unabhängig von den Positionen von Vance ist aber klar, dass sich in der Außenpolitik vieles in den USA erneut radikal wandeln würde. „Wir wollen definitiv Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine“, sagte ein weiterer Republikaner gegenüber BILD.

Offen bleibt dabei die Frage, was das für die Waffenlieferungen bedeuten würde. Es ist nicht ausgemacht, ob eine neue US-Regierung sie tatsächlich massiv reduzieren oder komplett einstellen würde. So könnte es sogar sein, dass Trump der Ukraine zunächst schwerere Waffen liefern und bestimmte Begrenzungen beim Einsatz westlicher Waffen aufheben würde, wenn Putin bei seinen Forderungen nicht einlenkt.

„Trump ist ein Geschäftsmann“, sagte der republikanische Politiker weiter. „Es wäre für ihn kein erfolgreicher Ausgang, wenn Putin einfach das bekommt, was er will. So wird es nicht kommen.“

Längst gibt es auch Kontakte zwischen der Selenskyj-Regierung und republikanischen Politikern. Wolodymyr Selenskyj (46) ist seit 2019 im Amt, hat Trump auch noch selbst erlebt. Zuletzt zeigte sich Selenskyj frustriert, dass Biden und andere Nato-Staaten es weiterhin ablehnen, dass die Ukraine westliche Waffen überall gegen russische Ziele in Russland einsetzen kann.

Haben ein vorbelastetes Verhältnis: Selenskyj und Trump im Jahr 2019

Haben ein vorbelastetes Verhältnis: Selenskyj und Trump im Jahr 2019

Foto: AFP

Was Verhandlungen angeht, hat die ukrainische Regierung zwar offiziell weiterhin die klare Position, dass diese erst nach Abzug aller russischen Truppen aus der Ukraine möglich wären. Aber es gibt erste Anzeichen, dass sich daran etwas ändern könnte. So hat sich Selenskyj offen gezeigt, dass bei weiteren Gesprächen auf internationaler Ebene – wie zuletzt in der Schweiz – auch russische Vertreter eingeladen werden sollen. Es ist ein Prozess, der jedoch Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern wird.

Orbán wird versuchen, die Trump-Chance zu nutzen

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (61), der Trump jüngst getroffen hatte, schrieb in einem Brief an die EU-Spitze: Trump werde nach seinem Wahlsieg bereit sein, „sofort als Friedensvermittler zu handeln“. Trump werde dabei nicht auf seine Vereidigung warten, so der Ungar. „Er hat detaillierte und gut begründete Pläne dafür.“

Im BILD-Interview kurz vor dem Trump-Treffen hatte Orbán gesagt, dass der Republikaner „der Mann des Friedens“ sei. Er habe als US-Präsident keinen einzigen Krieg begonnen und „viel getan, um Frieden in alten Konflikten in sehr komplizierten Regionen der Welt zu schaffen. Deshalb habe ich großes Vertrauen in ihn“.

Eines scheint bereits jetzt sicher: Sollte Trump gewinnen, wird Orbán versuchen, mit ihm gemeinsam seine in der EU hochumstrittene „Friedensmission“ fortzusetzen.

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