Schweizer Skandal-Bad: Nach Ausländersperre: Jetzt sprechen die Freibad-Besucher | Politik

14.07.2025 - Pazartesi 23:40

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Bern (Schweiz) – „Die hier müsst ihr mit ins Freibad nehmen“, sagt der Hotelier und reicht uns ein orangefarbenes Kärtchen mit dem Hotel-Logo. „Sonst kommt ihr als Ausländer nicht rein.“

Ein Satz, der befremdlich klingt. In der Schweizer Grenzstadt Pruntrut (Kanton Jura) dürfen Ausländer seit vergangener Woche nur ins Freibad, wenn sie in der Schweiz wohnen, arbeiten – oder in einem örtlichen Hotel übernachten. Für Letztere: das Kärtchen.

Die Gemeinde sah sich nach eigenen Angaben zu diesem Schritt gezwungen. Immer wieder seien Gruppen junger Franzosen mit Migrationshintergrund angereist – und hätten im Bad für Ärger gesorgt. Der Ort ist nur wenige Kilometer von der Grenze zu Frankreich entfernt. Von Belästigungen junger Mädchen und Attacken auf Sicherheitspersonal war die Rede. Medien aus ganz Europa berichteten.

Die Regelung trifft offiziell alle Ausländer – zielt in der Praxis aber klar auf die vermeintlichen französischen Unruhestifter. Die internationalen Reaktionen auf die Maßnahme sind so heftig wie unterschiedlich. In BILD sprechen nun die Freibad-Besucher selbst – Schweizer wie Ausländer.

BILD-Reporter Til Biermann (l.) und Moritz J. Müller im Nicht-für-alle-Bad in Pruntrut

BILD-Reporter Til Biermann (l.) und Moritz J. Müller durften auch ohne Schweizer Pass ins Freibad von Pruntrut

Foto: Til Biermann

Ausländer müssen mehr Eintritt blechen

Pruntrut ist ein malerisches Örtchen, gebettet in sanfte Hügel, auf denen Kühe grasen. Das Freibad liegt unweit der historischen Altstadt, neben einer kleinen Mehrzweckhalle und einem Lamborghini-Händler. Mehr Schweiz geht kaum. Man wartet nur darauf, dass Heidi und der Alm-Öhi um die Ecke biegen – mit einem Fondue-Set und Tipps zum Bankengeheimnis.

An der „Badi“-Pforte mustert ein Mitarbeiter kurz das Hotel-Kärtchen und winkt uns dann zur Kasse. Er sagt: „Ohne die hätte ich euch nicht reingelassen.“ Umgerechnet 24 Euro zahlen wir für zwei Erwachsene – für Ausländer ist der Eintritt doppelt so teuer wie für Schweizer.

Drei Schwimmbahnen, zwei Sprungtürme, eine Rutsche: ein Freibad, wie man es aus jeder Ecke kennt. Es riecht nach Chlor und Schwimmbad-Pommes.

Kaum zu glauben, dass so ein 08/15-Bad seit Tagen Wellen in halb Europa schlägt.

„Es gibt keine Diebstähle mehr“

Schüler Alexi (17) im Olympique Marseille-Trikot war gerade schwimmen. Er sagt: „Es ist so besser. Wir Schweizer kamen manchmal gar nicht mehr rein. Jetzt ist es ruhiger, man kann schwimmen und es gibt auch keine Diebstähle mehr. Das konnte doch nicht so weitergehen, dass wir Schweizer nicht mehr in unser eigenes Bad konnten.“ Rentnerin Chantalle (68) stimmt ihm zu: „Es gab viele Probleme mit 15-Jährigen, die Stress machten. Die Polizei war fast jeden Tag da.“

Was auffällt: Es ist nicht viel los im Freibad. Trotz Wochenende und 29 Grad im Schatten – kaum Badetücher auf den Liegewiesen, viel Platz im Wasser.

Melanie (51) kann neuen Regelungen nachvollziehen

Melanie (51) kann die neuen Regelungen nachvollziehen

Foto: Til Biermann

Lehrerin Melanie (51) sagt: „Das Problem ist, dass die Leute einfach Angst vor großen Gruppen haben, welche die Regeln im Schwimmbad nicht befolgen. Die kommen aus den Vorstädten von Belfort in Frankreich. Das sind Leute, die auch dort Probleme machen. Das ist natürlich sehr schade für alle anderen, die jetzt auch nicht mehr reinkommen, die keine Kriminellen sind.“

Auch Masseurin Margalie (48) findet die neue Regelung richtig: „Wenn es heiß war, war es früher hier so voll, das es kaum noch Platz gab, schon gar nicht im Schatten. Und jetzt ist es hier sehr angenehm. Ich habe allerdings nie Ausschreitungen mitbekommen, es war einfach zu voll.“

Margalie (48) freut sich, dass sie in ihrem Freibad wieder mehr Platz hat

Margalie (48) freut sich, dass sie in ihrem Freibad wieder mehr Platz hat

Foto: Til Biermann

„Sie stecken alle Franzosen in einen Sack“

Reinigungsfachkraft Said (38) aus Frankreich hat eine Arbeitserlaubnis in der Schweiz und darf deswegen ins Bad. Er sagt: „Das diskriminiert unsere Familien. Sie stecken jetzt alle Franzosen in einen Sack. Das ist eine Minderheit, die hier manchmal ein bisschen Welle gemacht hat. Das ist nicht gut. Ich war hier oft, ich habe hier nie großen Stress erlebt.“

Der Franzose Said (38) mit seinem Sohn Aymen (12). Sie dürfen nur rein, weil Said eine Schweizer Arbeitsgenehmigung hat

Der Franzose Said (38) mit seinem Sohn Aymen (12). Sie dürfen nur rein, weil Said eine Schweizer Arbeitsgenehmigung hat

Foto: Til Biermann

Die Schweizer Arbeitsamt-Angestellte Marie (59) springt Said bei. Sie sagt: „Ich gehe jeden Tag ins Schwimmbad und bedauere die Entscheidung. Ich habe hier viele Franzosen gesehen und nie Probleme mitbekommen. Ich glaube, die Entscheidung wurde getroffen, weil es hier oft sehr voll war. Vielleicht zu voll. Aber so wie jetzt sollte man dieses Problem nicht lösen.“

Man könnte ja auch einfach ab einer bestimmten Anzahl von Gästen das Bad schließen, so Marie.

Weiter: „Die Schweizer Einwohner, die hier das Schwimmbad nur für sich wollen, kaufen in Frankreich ein und verbringen ihre Ferien in Frankreich. So ist das schief, damit bin ich nicht einverstanden.“

Marie (59) sagt, man müsste eine andere Lösung finden

Marie (59) kritisiert die Maßnahme als Doppelmoral und sagt, man müsste eine andere Lösung finden

Foto: Til Biermann

Maulkorb für die Bademeister

Die Polizei von Pruntrut teilt BILD auf Anfrage mit: Seit Saisonbeginn Mitte Mai sei sie mehrfach im Freibad eingeschritten – teils zwei- bis dreimal pro Stunde. Strafanzeigen habe es allerdings keine gegeben, nur mündliche Beschwerden. Seit Inkrafttreten der neuen Regeln sei sie kein einziges Mal mehr gerufen worden.

Zu den konkreten Vorwürfen der Gemeinde – Belästigung von Mädchen, Krawall gegen Security – äußert sich die Polizei nicht. Auch die Bademeister sagen zu BILD: „Wir dürfen darüber nicht sprechen.“ Grund: ein Maulkorb der Gemeinde. Der Medienrummel sei zu groß geworden.

Der verantwortliche Lokalpolitiker, Lionel Maître, wetterte vor wenigen Tagen noch gegen die in seinen Augen „linke, ideologisch verblendete Kritik“ an seiner Maßnahme. Jetzt sagt er nur noch knapp: „Zu diesem Thema ist alles gesagt.“

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