Stauffenberg-Enkel wird bedroht: „Demokratie in Gefahr“ | Politik

20.07.2024 - Cumartesi 06:37

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Wie schlimm steht es um das politische Klima in unserem Land? 80 Jahre nach dem gescheiterten Hitler-Attentat werden in Deutschland die Nachkommen des Kopfs der Widerstandskämpfer vom 20. Juli bedroht.

Das berichtet Karl Graf Stauffenberg (53), Enkel des Offiziers Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944), der am 20. Juli 1944 Nazi-Diktator Adolf Hitler mit einer Bombe in der Wolfsschanze töten wollte.

Im Gespräch mit BILD erzählt er von massiven Anfeindungen und Gewaltfantasien gegen sich und seine Angehörigen, die ihn online erreichen.

Der Grund: Politisch setzt er sich gegen jede Form von Extremismus ein, hält dazu Vorträge über seinen Großvater. Das gefällt vielen nicht.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (†36) wurde 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler hingerichtet

Claus Schenk Graf von Stauffenberg (†36) wurde 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler hingerichtet

Foto: -/dpa

Nicht nur deshalb warnt Stauffenberg vor aufziehendem Unheil durch rechts- und linksradikale Kräfte: „Seit 79 Jahren ist Frieden in Deutschland, wir leben in einem freien Land, in dem jeder sagen und tun kann, was er will. Aber es heizt sich politisch auf, wird immer populistischer. Die Gefahr für unsere Demokratie ist real. Und jeder Bürger hat die Pflicht, für ihren Erhalt einzustehen. Freiheit ist nicht selbstverständlich.“

Seine Befürchtung: Auch in Deutschland könnten Gruppen versuchen, die Gewaltenteilung auszuhebeln: „In Polen ist das schon passiert, wurde zum Glück rückgängig gemacht. In Ungarn gibt es Versuche.“

Die Gewaltenteilung sichert u. a. die politische Unabhängigkeit der Gerichte.

20. Juli 1944: Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) und der Chef der „Kanzlei des Führers“, Martin Bormann (l.), begutachten die Zerstörung in der Wolfsschanze, nachdem Stauffenbergs Bombe explodiert war

20. Juli 1944: Reichsmarschall Hermann Göring (helle Uniform) und der Chef der „Kanzlei des Führers“, Martin Bormann (l.), begutachten die Zerstörung in der Wolfsschanze, nachdem Stauffenbergs Bombe explodiert war

Foto: Heinrich Hoffmann/UPI/dpa

Eine neue Ordnung und neue Gesetze – das traut Stauffenberg auch Donald Trump (78) zu: „Ich kann mir vorstellen, dass Trump auch eine 3. Amtszeit anstrebt, sollte er in diesem Jahr wieder zum Präsidenten gewählt werden. Wladimir Putin hat es in Russland vorgemacht.“

In den USA darf ein Präsident höchstens zwei Amtszeiten regieren. Für eine dritte Periode müsste die amerikanische Verfassung geändert werden.

Karl Graf Stauffenberg (53) macht Politik für die FDP

Karl Graf Stauffenberg (53) macht Politik für die FDP

Foto: picture alliance / SZ Photo

Wie würde sich sein Großvater heute politisch positionieren?

Rechtsextreme Politiker wie Björn Höcke (52, AfD) hätten mehrfach versucht, das Erbe Stauffenbergs für eigene Interessen zu kapern: „Sie wollten ihn als deutsch-nationales Symbol darstellen, sogar ein Foto von ihm in ihre Büros hängen – da könnte ich schreien vor Wut.“

Stauffenberg, für die FDP Kreisrat im Landkreis Rhön-Grabfeld (Bayern), ist sicher: „Er wäre wahrscheinlich in der CDU/CSU. Ein Konservativer, auf keinen Fall in der AfD. Und obwohl er den Zusammenbruch der Weimarer Republik erlebte und sich in einer Diktatur anfangs verführen ließ, wäre er heute überzeugter Demokrat.“

Die Familie wird am 20. Juli in Berlin sein, um den berühmten Ahnen zu ehren. Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde nur Stunden nach dem misslungenen Attentat in der Hauptstadt hingerichtet.

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