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Streit um offenen Vollzug: Droht ein Knast-Tourismus in dieses Bundesland? | Politik
25.11.2025 - Salı 10:12
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Düsseldorf – Gibt es in Deutschland einen „Strafvollzugs-Tourismus“ – in die Bundesländer, in denen besonders viele Plätze im offenen Vollzug angeboten werden? Ein Wohnsitz in NRW könnte demnach für Ganoven reizvoll sein, weil sie mit größerer Wahrscheinlichkeit im offenen Vollzug landen werden, als etwa in Bayern oder in Thüringen.
Die FDP-Landtagsfraktion in NRW hatte das Thema auf die politische Tagesordnung gebracht und Experten dazu angehört. Auslöser ist die Sorge, dass Straftäter aus anderen Ländern vor Antritt ihrer Haftstrafe ihren Wohnsitz nach Nordrhein-Westfalen verlegen, um möglicherweise Freigänger zu werden, statt in Bayern oder Hessen hinter Gittern zu sitzen.
Eine Erkenntnis, der Landtags-Anhörung: Die Bundesländer gehen sehr unterschiedlich mit dem offenen Vollzug um. An der Spitze stehen Berlin und NRW mit einem Anteil von 27,5 und 26 Prozent der Häftlinge, die im offenen Vollzug sind. Am wenigsten angewendet wird der offene Vollzug in Bayern (4,1 %), Sachsen-Anhalt (3,2 %) und Thüringen (1,4 %).
Fazit: Fast die Hälfte der in Deutschland im offenen Vollzug Untergebrachten entfällt auf NRW.
Nur: Gibt es den behaupteten „Tourismus“ wirklich? Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen gab bei der Anhörung immerhin zu Protokoll: „Ausgeschlossen erscheint die Existenz eines solchen Problems allerdings nicht, zumal aus Berlin, das ebenfalls eine hohe Quote bei Inhaftierungen im offenen Vollzug aufweist, ebenfalls von ‚Vollzugstourismus‘ berichtet wird.“
„Es werden keine Statistiken geführt“
Ein Sprecher der NRW-Landesjustizvollzugsdirektion sagte BILD dagegen auf Anfrage: „Zu den Wohnsitzverlegungen von Gefangenen werden keine einheitlichen Statistiken geführt. Nach dem Ergebnis einer im März 2025 bei den Leiterinnen und Leitern der Justizvollzugsanstalten mit einer Zuständigkeit für den offenen Vollzug durchgeführten Abfrage konnte ein ‚Strafvollzugstourismus‘ jedoch nicht festgestellt werden.“
Im Düsseldorfer Landtag wurde über den „Strafvollzugstourismus“ diskutiert
Werner Pfeil, rechtspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion NRW, sagte BILD, die schwarz-grüne Landesregierung habe zu dem Thema keine Zahlen. Pfeil: „Nach zahlreichen Berichten ist es jedoch kein Einzelfall, dass Beschuldigte kurz vor der Verurteilung ihren Wohnsitz ändern und so in den Genuss der attraktiveren Haftbedingungen in NRW kommen.“
NRW dürfe auf keinen Fall mit täterfreundlichem Strafvollzug Kriminelle anlocken. Pfeil: „Wir brauchen dringend belastbare Daten, in welchem Ausmaß diese Umzüge vorkommen. Ein Vollzugstourismus zwischen verschiedenen Bundesländern macht den Rechtsstaat lächerlich!“
Beim offenen Vollzug dürfen Häftlinge die JVA unter bestimmten Voraussetzungen vorübergehend verlassen (etwa um einer genehmigten Arbeit nachzugehen). Es wird bei ihrer Unterbringung weitgehend auf bauliche oder technische Sicherungsmaßnahmen verzichtet.
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