Tennis: Russen, Belarussen und Ukrainer: Diese Rolle spielt der Krieg | Sport

15.07.2024 - Pazartesi 07:24

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Es war einer der schwersten Tage ihrer Karriere, obwohl sie gewonnen hatte.

Russlands Angriffskrieg machte auch vor Wimbledon nicht halt. Nachdem in Kiew ein Kinderkrankenhaus bombardiert wurde, brach die ukrainische Tennis-Spielerin Elina Svitolina (29) beim Interview nach dem Sieg im Achtelfinale gegen Xinyu Wang (22/China) in Tränen aus.

„Es ist heute ein sehr schwieriger Tag für das ukrainische Volk“, sagte sie. „Man sieht sofort die Bilder und alles, was dort passiert ist. So viele Kinder haben ihr Leben verloren.“

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Quelle: Chargers/Bild

Wie schwer es ist, auf der Tennis-Tour gegen einen russischen Gegner anzutreten, kann man sich vorstellen. „Natürlich wäre mir lieber, dass es so ist wie 2022, als keine Russen in Wimbledon starten durften“, sagt Svitolina. Als Zeichen nach außen verweigern die Ukrainer den Russen und Belarussen den Handschlag nach dem Spiel.

„Sie gehören hier nicht her, während ihre Landsleute zu Hause in unserer Heimat morden“, sagt Marta Kostyuk (21), die von den ukrainischen Spielerinnen am meisten über das Thema spricht.

Bei den Russen gibt es nur eine, die sich offen gegen Putin stellt. Daria Kassatkina (27) positioniert sich klar gegen den Krieg und verteidigte Kreml-Kritiker Alexey Navalny (†47). „Er wollte zeigen, dass er keine Angst hat, dass er keine Furcht hat und dass die Leute keine Angst haben müssen. Das war sehr mutig. Vielleicht zu mutig, denn der Preis, den er zahlen musste, war zu hoch“, sagt sie.

Ein Politiker in Russland wollte Kassatkina, die homosexuell ist und mit ihrer Freundin in Barcelona lebt, als „ausländische Agentin“ einstufen lassen. Dann hätte sie von der Regierung verfolgt werden können.

Daria Kassatkina stellt sich gegen den Krieg. Die Russin ist homosexuell und lebt in Barcelona

Daria Kassatkina stellt sich gegen den Krieg. Die Russin ist homosexuell und lebt in Barcelona

Foto: Kirsty Wigglesworth/AP

„Ich musste natürlich mit Konsequenzen rechnen. Aber ich bereue meine Aussagen nicht ein Prozent. Wenn es bedeutet, dass ich mein Zuhause opfern muss, um ein guter Mensch zu sein, dann ist das meine Entscheidung“, sagt Kassatkina, deren Eltern noch in Russland leben und mit Repressalien rechnen müssen.

Kassatkina selbst wird nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Sicherheitshalber achtet ihr Management darauf, keine Flüge zu buchen, die zu nahe an den russischen Luftraum kommen.

Marta Kostyuk ist das Sprachrohr der Ukrainer bei den Tennis-Turnieren

Marta Kostyuk ist das Sprachrohr der Ukrainer bei den Tennis-Turnieren

Foto: John Walton/PA Wire/dpa

Anders verhält sich Daniil Medvedev (28). Die Nummer 5 der Welt gibt nur Interviews, wenn nicht über den Krieg oder seine Haltung zum Putin-Regime geredet wird. SPORT BILD lehnte deshalb ein Interview mit ihm ab.

Pauschal sagt Medvedev nur: „Niemand auf dieser Welt, einschließlich russischer oder belarussischer Sportler, unterstützt den Krieg. Niemand. Wie könnten wir den Krieg unterstützen?“

Daniil Medvedev möchte nicht über den russischen Krieg gegen die Ukraine reden

Daniil Medvedev möchte nicht über den russischen Krieg gegen die Ukraine reden

Foto: CameraSport via Getty Images

Andrey Rublev (26), die Nummer 6 im Ranking, schrieb nur wenige Tage nach Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 in Dubai auf eine Kamera: „Kein Krieg, bitte“, später auch „Frieden, Frieden, Frieden, das ist alles, was wir brauchen.“

Für diese Aktion bekam er Probleme, auch mit seiner Mutter, die behauptete, er sei unter Druck gesetzt worden. Doch Rublev blieb standhaft: „Es war eines der besten Dinge, das ich dieses Jahr gemacht habe. Niemand möchte leiden oder kämpfen. Man kann nicht so tun, als ob nichts passiert, denn es ist furchtbar.“

Andrey Rublev positionierte sich schon kurz nach dem Überfall 2022 gegen den Krieg

Andrey Rublev positionierte sich schon kurz nach dem Überfall 2022 gegen den Krieg

Foto: Isabel Infantes/REUTERS

Karen Khachanov (28) hat mit dem Krieg offenbar weniger Probleme. Der Olympia-Zweite von Tokio teilte erst am 9. Mai, der in Russland als „Tag des Sieges“ über Hitler-Deutschland gefeiert wird, das St.-Georgs-Band, ein russisches Militär-Symbol in Form einer Schleife, in den sozialen Netzwerken.

Viele, die das sahen, forderten seinen sofortigen Ausschluss von der Tour. Doch der Tennis-Profi aus Moskau wurde nicht sanktioniert. Khachanov ging sogar Rublev an: Russland solle durch den Konflikt um die Ukraine seine Macht demonstrieren und der Welt seine Größe zeigen, ließ er ihn wissen. Unverständlich ist, dass Rublev ihm das offenbar nicht krumm nimmt. Er spielt mit seinem Landsmann weiter Show-Kämpfe.

Wegen seiner Russland-Haltung stark umstritten: Karen Khatchanov

Wegen seiner Russland-Haltung stark umstritten: Karen Khatchanov

Foto: Hannah McKay/REUTERS

In der Kritik steht auch die Weltranglistenzweite Aryna Sabalenka (26), die aus Belarus stammt. 2023 wollte sie in Paris keine Fragen über den Krieg mehr beantworten, weil sie ihre „mentale Gesundheit“ in Gefahr sah. Kostyuk: „Ich respektiere sie nicht. Sie sagt niemals, dass sie sich persönlich gegen den Krieg ausspricht.“

Alexander Zverevs (27) Familie zog 1991, sechs Jahre vor seiner Geburt, von Russland nach Hamburg. „Wir sind keine Politiker“, sagt Deutschlands Nummer 1. Immerhin: Vor den Australian Open Anfang des Jahres spielte er ein Benefiz-Turnier („Tennis Plays for Peace“) zugunsten der Ukraine-Opfer.

Alexander Zverev hat russische Wurzeln. Er spielte ein Turnier zugunsten der Ukraine-Opfer

Alexander Zverev hat russische Wurzeln. Er spielte ein Turnier zugunsten der Ukraine-Opfer

Foto: Mosa'ab Elshamy/AP/dpa

Dass Zverev bei Olympia gegen Russen antreten könnte, die wegen des Krieges gegen die Ukraine nur als neutrale Athleten dabei sind, ist für ihn in Ordnung. „Bei Individual-Sportarten wie Tennis sehe ich da kein Problem. Andrej Rublev ist in Spanien, seit er 15 ist. Daniil Medvedev wuchs in Frankreich auf. Die haben mit Russland wenig zu tun. Was aber Mannschaftssportarten angeht, das ist schwieriger.“

Am schwierigsten ist es für die Ukrainer. Svitolina jedenfalls will ihre Bekanntheit nutzen, um auf das Leid und Unrecht aufmerksam zu machen: „Ich habe das Gefühl, wir sind fast so mächtig wie manche Leute, die unsere Regierung vertreten. Jede Woche treten wir auf den großen Bühnen an und wir haben diese große Plattform. Wir vertreten nicht nur uns selbst, sondern auch das ukrainische Volk.“

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