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Tomahawk-Treffen mit Trump: „Nur auf den ersten Blick kein Desaster“ | Politik
20.10.2025 - Pazartesi 20:18
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Washington – Eigentlich hatte der Besuch von Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus ein zentrales Ziel: die Freigabe von Tomahawk-Marschflugkörpern, mit denen die Ukraine ihre Verteidigung gegen Russland stärken wollte.
Doch nach dem Gespräch mit Donald Trump (79) bleibt unklar, ob die USA liefern werden. Stattdessen rückt nun ein anderes Treffen in den Fokus: das geplante Gespräch zwischen Trump und Wladimir Putin (73) in Budapest. BILD beantwortet die wichtigsten Fragen zum „Tomahawk-Gipfel“.
Sind die Tomahawks jetzt vom Tisch?
Ganz sicher ist das nicht. Trump erwähnte in seinem ersten Beitrag auf Truth Social nach dem Gespräch mit Selenskyj in Washington die Tomahawks mit keinem Wort, doch Medienberichten zufolge hat er einer Lieferung vorerst nicht zugestimmt.
Er hoffe, „den Krieg beenden zu können, ohne an Tomahawks zu denken“, so der Präsident. Damit schloss er eine Lieferung nicht kategorisch aus, deutete aber an, dass eine solche Entscheidung eine Eskalation bedeuten könnte. Selenskyj fasste es im US-Sender NBC so zusammen: Er habe nicht Nein gesagt – „aber heute auch nicht Ja.“
Prof. Dr. Thomas Jäger (Lehrstuhl für Internationale Politik, Uni Köln) erklärt in BILD: „Im Grunde hat sich nichts geändert. Trumps Drohung, der Ukraine Tomahawks zu geben, steht weiter im Raum – ob er das wirklich vorhatte oder sie nur als strategisches Signal Richtung Moskau nutzen wollte, weiß niemand.“
Was ist Trumps Haltung im Ukraine-Krieg?
Trumps Position zum Ukraine-Krieg schwankt. Noch vor Kurzem hielt er eine Rückeroberung der besetzten Gebiete durch die Ukraine für möglich. Jetzt appelliert er an beide Seiten, den Krieg zu beenden. „Sie sollten dort aufhören, wo sie sind.“ An Russland und die Ukraine gerichtet schrieb er: „HÖRT AUF, GEHT IN FRIEDEN NACH HAUSE ZU EUREN FAMILIEN!“. Dass Russland der Aggressor in diesem zerstörerischen Angriffskrieg ist, erwähnte er dabei nicht.
„Trump hat seine Linie offenbar wieder geändert. Nach dem Treffen mit Putin in Alaska hatte er seine ursprüngliche Forderung aufgegeben, dass ein Waffenstillstand Voraussetzung für Verhandlungen sein müsse“, erklärt Jäger. „Jetzt scheint er wieder zu dieser Position zurückzukehren.“ Diese Kehrtwende könne, so Jäger, als strategische Vorbereitung auf das geplante Treffen mit Putin in Budapest verstanden werden.
Was ist vom Treffen in Budapest zu erwarten?
Das Treffen in der ungarischen Hauptstadt soll laut Trump „wahrscheinlich in den nächsten zwei Wochen“ stattfinden, ein genaues Datum stehe noch aus. Der US-Präsident will dort nach eigener Aussage „herausfinden, ob wir diesen unrühmlichen Krieg beenden können“.
Nach einem Telefonat am Donnerstag mit Putin, das Trump als „sehr produktiv“ bezeichnete, gilt das Treffen als Versuch, einen neuen diplomatischen Kanal zu öffnen – allerdings ohne die Ukraine direkt einzubeziehen. Selenskyj soll bei dem Gespräch nicht anwesend sein, genau wie beim letzten Treffen der beiden Präsidenten im August in Alaska.
▶︎ Prof. Jäger zu BILD: „Die Ausgangslage ist wie vor Alaska. Erneut befürchten Ukrainer und Europäer, dass Trump über Kiews Kopf hinweg eine Einigung mit Putin sucht. Doch wohl auch dieses Treffen wird ohne greifbares Ergebnis enden – Putin bleibt bei seinen Maximalforderungen, und Trump dürfte sie nicht akzeptieren.“
Geht Selenskyj mit leeren Händen nach Hause?
Vorerst ja. Eine konkrete Zusage zu den Tomahawks oder anderen Langstreckenwaffen gab es nicht. Zwar betonte Selenskyj, das Thema sei „nicht vom Tisch“, doch die US-Seite habe darum gebeten, es öffentlich nicht weiter zu diskutieren.
[-->Der ukrainische Präsident zeigte Verständnis, erklärte aber, dass sein Land dringend neue Waffen brauche, um die russischen Raketenangriffe abzuwehren. Laut Delegationskreisen präsentierte er im Weißen Haus sogar Karten mit möglichen Zielen in Russland, die mit US-Marschflugkörpern angegriffen werden könnten.
Auch ein Angebot, Tomahawks und andere US-Marschflugkörper und Raketen gegen ukrainische Drohnen zu tauschen, änderte Trumps Meinung offenbar nicht. Der US-Präsident warnte vielmehr vor einer „großen Eskalation“.
War das Treffen trotzdem ein Erfolg?
Nein, meint CDU-Außenpolitiker Peter Beyer (55), er war transatlantischer Koordinator der Bundesregierung in Trumps erster Amtszeit und hat beste Kontakte ins Trump-Lager. Zu BILD sagt Beyer: „Trump verpasst hier einfach Chancen. Das Treffen gestern war aus meiner Sicht nur auf den ersten Blick nicht so desaströs wie das seinerzeitige Ende Februar.“
Putin sei erkennbar nervös geworden, nachdem Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit großen Reichweiten ins Spiel kamen. Beyer: „Kriegsherr Putin griff, nicht zum ersten Mal, zu einem einfachen Trick: Er ruft Donald Trump im Weißen Haus an.“ Der habe, wie schon in Alaska, sofort darauf reagiert und Putin nun erneut auf die Weltbühne geholt. „Dabei will der Kreml wohl wieder nur Zeit kaufen, um weiter aufzurüsten und zu töten“, so Beyer.
Wie geht es jetzt weiter?
Selenskyj setzte unmittelbar nach dem Treffen seine diplomatische Offensive fort. Noch am Abend informierte er EU- und Nato-Partner über die Ergebnisse und erhielt breite Unterstützung. EU-Ratspräsident António Costa (64) und Nato-Generalsekretär Mark Rutte (58) betonten, dass Europa weiter militärische, finanzielle und diplomatische Hilfe leisten werde.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte laut einer Mitteilung der Bundesregierung: „Jetzt braucht die Ukraine einen Friedensplan.“ Die europäischen Partner hätten Selenskyj zugesagt, ihre Unterstützung auszubauen, „um Russland zu ernsthaften Verhandlungen zu bewegen“. So wolle man etwa den Druck durch Sanktionen erhöhen und eingefrorenes russisches Staatsvermögen nutzen.
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