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Trump-Zölle: Sind die 15 Prozent ein guter Deal oder eine Kapitulation? | Politik
28.07.2025 - Pazartesi 14:02
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Brüssel/Washington – Es ist ein großer Deal, aber auch ein guter? Die Zoll-Einigung steht: EU-Unternehmen zahlen 15 Prozent auf US-Exporte, die Amerikaner können fast alle Produkte (z.B. Autos) zollfrei liefern. Und: Brüssel hat den USA riesige Geldsummen zugesagt – 750 Milliarden US-Dollar für Energiekäufe und 600 Milliarden für Investitionen in den USA. Bei Stahl und Alu bleibt es zunächst bei 50 Prozent Zoll.
Im April hatte US-Präsident Donald Trump noch mit einem Zollsatz von 30 Prozent gedroht. Zuletzt galten 10 Prozent. Vor Trumps Amtsantritt lag das Zoll-Niveau zwischen EU und USA vor Trump bei zwei bis drei Prozent.
„Extreme Verschlechterung“ für Deutschland, aber immerhin kein Handelskrieg
▶︎ Von einem „Desaster“ spricht Handelsexperte Gerrit Heinemann (Hochschule Niederrhein).
Heinemann zu BILD: „Eine asymmetrische Zollregelung mit 15 zu 0 zuungunsten der EU ist insbesondere im Vergleich zur 15:15 Regelung der USA mit Japan nicht nur ein denkbar schlechtes Ergebnis. Es ist ein Desaster für die europäischen Unternehmen“.
▶︎ IW-Köln-Ökonomin Samina Sultan spricht dagegen von einem „hinnehmbaren Kompromiss.“
Sie gibt zu: „Diese Einigung wird die deutsche Wirtschaft stark belasten. Dieser neue Zoll stellt für unsere Exportwirtschaft eine extreme Verschlechterung dar.“
Aber: „Angesichts der knallharten ‚America First‘-Politik Trumps und unserer militärischen und sicherheitspolitischen Abhängigkeit von den USA ist diese Einigung ein hinnehmbarer Kompromiss.“
▶︎ Finanz- und Börsenexperte Christian W. Röhl, Chef-Volkswirt bei Scalable Capital, zu BILD: „Viele Kommentare kritisieren den EU-Deal mit Trump als ‚Kapitulation’ – aus guten Gründen. Aber was wäre los gewesen, wenn es keinen Deal, sondern einen offenen Handelskrieg gegeben hätte? Es ist der beste Deal, den die EU haben konnte – weil sie zu schwach ist, um gegenüber den USA so selbstbewusst aufzutreten, wie ein Wirtschaftsraum mit über 400 Millionen Verbrauchern das eigentlich tun sollte.“
▶︎ Ökonom Daniel Stelter zu BILD: „10 Prozent auf alles wäre ein guter Deal gewesen. So unterstreicht das Ergebnis die absolute Schwäche der EU. Wirtschaftlich angeschlagen, technologisch zunehmend abgehängt, nicht alleine verteidigungsfähig. Und mit fehlendem Problemverständnis der politischen Führung darf das nicht überraschen.“
▶︎ Trump schade den USA mehr als der EU, sagt Handelsexperte Gunter Rieck Moncayo (40, Konrad-Adenauer-Stiftung) zu BILD: „Für die Verbraucher ist der Verzicht auf europäische Vergeltungszölle eine gute Nachricht. Denn das handelspolitische Muskelspiel hätte sie sonst teuer zu stehen kommen können. Auf lange Sicht schadet Trump seinem eigenen Land mehr als uns, daran brauchen wir uns in Europa kein Beispiel nehmen.“
▶︎ Michael Jäger, Chef des Europäischen Steuerzahlerbundes, sieht die Einigung insbesondere mit Blick auf die Zusagen zum Energiekauf und den Investitionen kritisch. „Wer soll das bezahlen? Hat sich das schon mal jemand gefragt?“, fragt er.
„Auch ein normaler Sturm kann Bäume ausreißen“
▶︎ Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank, sagt BILD: „Ich würde es als Schadensbegrenzung bezeichnen. Wenn man einen Orkan erwartet, fühlt sich ein ganz normaler Sturm fast wie eine Erleichterung an. Wir sollten aber nicht vergessen, dass auch ein normaler Sturm Bäume ausreißen kann“.
Brezski rechnet mit einem um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum (gemessen am Bruttoinlandsprodukt/ BIP). Hinzu komme aber noch der stärkere Euro und die Tatsache, dass Unternehmen ihre Lieferketten wohl umstellen müssen.
▶︎ „Es handelt sich um einen asymmetrischen Deal, der die USA klar bevorteilt“, schreibt Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro, Donald Trump diktiere die Spielregeln, und der Deal diene auch der „symbolischen Machtdemonstration.“ Es sei kein Wunder, dass Trump vom „größten aller Deals“ schwärmt. Mittelfristig drohe der Deal, Energie und Importe für die Europäer zu verteuern.
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