Ukrainische Waisen nach Russland entführt: Experte: Putin will „Kinder indoktrinieren“ | Politik

16.08.2025 - Cumartesi 22:01

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Moskau/Kiew – Kinder verschwinden in der Ukraine – und tauchen auf russischen Websites wieder auf. Mit Foto, Name, Haarfarbe, Hobbys und Charaktereigenschaften. Bereit zur „Adoption“.

Was klingt wie ein Thriller, ist grausame Realität! Russland bietet ukrainische Waisenkinder über eine Plattform, die an Online-Shopping erinnert, an. Die NGO „Save Ukraine“ hat das System enthüllt – BILD hat mit ihr gesprochen.

„Die ukrainischen Kinder haben dort keine Rechte“, sagt Mykola Kuleba, Chef der Organisation. Laut seiner Aussage stammen viele der Kinder auf der Website aus den besetzten Gebieten Cherson, Mariupol oder Luhansk.

Viele der Kinder haben ihre Eltern im Krieg verloren

Viele von ihnen haben ihre Eltern im Krieg verloren und wohnen in Waisenhäusern. Von dort würden sie nach Russland verschleppt und dort zur „Adoption“ angeboten. Wo sich die entführten Kinder gerade aufhalten könnten, will man aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich sagen.

Die Seite erinnert an einen Online-Shop.

Die Seite erinnert an einen Online-Shop. Geschlecht, Alter, Geschwister, Haarfarbe und Augenfarbe können nach Belieben ausgewählt werden

Foto: mykola_kuleba/Instagram

Wie beim Online-Shopping lässt sich das „Angebot“ filtern

Vorher bekommen die Kinder neue Namen und eine neue Nationalität. Von ihrer alten Identität bleibt wenig übrig. Wie beim Online-Shopping lässt sich das „Angebot“ filtern: nach Alter, Geschlecht, Augen- und Haarfarbe. Auch die Charaktere der Kinder werden beschrieben, etwa als „impulsiv“, „gehorsam“ oder „fleißig“.

► Laut „Save Ukraine“ gebe es keine Hinweise darauf, dass russische Familien die Kinder gegen Geld kaufen. Stattdessen unterstütze der russische Staat Familien, wenn sie ein ukrainisches Kind aufnehmen – etwa mit Autos, Wohnungen oder Geld. Das erzählten Kinder, die aus Russland zurück in die Ukraine gebracht wurden.

1,6 Millionen ukrainische Kinder leben unter russischer Besatzung in der Ukraine, Tausende wurden nach Russland verschleppt. Viele von ihnen leben heute bei russischen Pflegefamilien. Der Online-Katalog soll offenbar die Vermittlung erleichtern.

Über Pauline (15): „Befolgt immer die Anweisungen des Lehrers und hört auf seine Meinung.“

Über Pauline (15): „Befolgt immer die Anweisungen des Lehrers und hört auf seine Meinung.“

Foto: Save Ukraine

Seit 2022 seien immer mehr dieser Kinder auf der Website erfasst worden, berichtet „Save Ukraine“. Zuletzt sollen 294 von ihnen gelistet gewesen sein. Nach der internationalen Aufmerksamkeit wurden viele Angebote plötzlich gelöscht.

Über Ilja (5): „Er ist sehr fleißig und hilft nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern.“

Über Ilja (5): „Er ist sehr fleißig und hilft nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern“

Foto: Save Ukraine

Experte: Kinder sollen indoktriniert werden

Russland verfolgt bei der Verschleppung ukrainischer Kinder offenbar ein strategisches Ziel. „Es ist klar, dass sie ukrainische Kinder indoktrinieren wollen“, sagt Kuleba. Die Kinder sollen lernen, russisch zu denken und zu fühlen, um später für Russland zu kämpfen. Es gebe Belege dafür, dass verschleppte Waisenkinder nach ihrer Entführung in die russische Armee eingezogen wurden.

Die Leiterin der Rechtsabteilung, Myroslava Kharchenko, erklärt, an welchen Stellen das russische Vorgehen gegen geltendes Recht verstößt: die Entführung ukrainischer Kinder nach Russland, der Entzug ihrer Staatsangehörigkeit, die Änderung ihrer Namen, das Aufzwingen der russischen Staatsbürgerschaft – und schließlich die Freigabe zur „Adoption“ auf Grundlage körperlicher und persönlicher Merkmale. „Was da passiert, sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so Kharchenko.

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