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VfB Stuttgart: „Es ist eine Abwägung\" - Bleibt Allgaier VfB-Präsident? | Sport
01.11.2024 - Cuma 17:41
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Seit dem 1. August ist Dietmar Allgaier (58) Interims-Präsident des VfB Stuttgart. Im BILD-Interview spricht er über seine bisherige Amtszeit, die kommende Mitgliederversammlung und die Champions League.
BILD: Sie sind seit rund drei Monaten im Amt. Am 22. März 2025 wird auf der Mitgliederversammlung ein neues Präsidium gewählt. Was muss der ideale VfB-Präsident mitbringen?
DIETMAR ALLGAIER (58): Führungsqualitäten und Empathie. Ein Präsident hat die Aufgabe, bei allen Abteilungen und bei vielen Gelegenheiten Präsenz zu zeigen. Dazu ist man bei verschiedenen Themen als Moderator gefragt und trifft strategische Entscheidungen, wie man den Verein weiterentwickeln kann. Am Ende geht es darum, alle Bereiche zu vereinen. Ganz wichtig dafür ist, dass man gerne mit Menschen zusammenarbeitet. Wer kontaktscheu ist, wird sich als Präsident schwertun.
Unter Ihrem Vorgänger Claus Vogt gab es viel Unruhe, interne Machtkämpfe und Streit. Wie viel Anti-Vogt muss der neue Präsident sein?
Mit der zurückliegenden Mitgliederversammlung sollte die Angelegenheit abgeschlossen sein. Die Vergangenheit müssen wir endlich hinter uns lassen und nach vorne schauen. Darüber hinaus steht es mir gar nicht zu, den Kandidaten Tipps zu geben, wie sie sich präsentieren sollen. Die Entscheidung über das Kandidatenfeld liegt einzig beim Wahlausschuss, die Wahl trifft dann unser oberstes Organ, die Mitgliederversammlung.
Dietmar Allgaier (r.) im Gespräch mit den BILD-Reportern Julian Agardi (l.) und Felix Arnold (Mitte). Insgesamt nahm sich der VfB-Präsident eineinhalb Stunden Zeit für BILD.
Machen Sie selbst weiter?
Fakt ist: Ich bin bestellt bis zum 22. März. Als Landrat habe ich eine sehr verantwortungsvolle Funktion, die ich hauptamtlich ausfülle. Am Ende muss und will ich beiden Seiten gerecht werden. Das wäre unter den jetzigen Voraussetzungen schwierig, weil beide Ämter sehr zeitintensiv sind.
Können Sie sich vorstellen, Ihr Amt als CDU-Landrat niederzulegen?
Nein, das ist für mich keine Option. Ich werde weiter mit vollem Einsatz als Landrat arbeiten. Auch, weil ich noch für drei Jahre gewählt bin.
Schließen Sie also aus, über den März hinaus Präsident des VfB zu bleiben?
Natürlich macht das Feedback, das mich inzwischen vermehrt erreicht, etwas mit mir. Ich fahre immer mit Freude zum VfB, weil mir die inhaltliche Arbeit im Team sehr viel Spaß macht. Das geht auch an mir nicht spurlos vorüber. Am Ende ist es eine Abwägung zwischen dem Kopf, der rational denkt, und dem Bauch, der dir sagt: ‚Eigentlich fühlst du dich hier mittlerweile sehr wohl‘. Auch wenn ich mir aktuell Gedanken darüber mache, unter den derzeitigen Voraussetzungen wäre das nicht möglich.
Hilft Ihnen die Erfahrung als Lokalpolitiker auch in Ihrem Amt beim VfB?
Sowohl in der Politik als auch in einem Verein gibt es Menschen mit unterschiedlichen Ansichten, über die diskutiert wird. Die Meinungsvielfalt spielt in beiden Bereichen eine große Rolle. Beim VfB ist jeder Einzelne am Erfolg des Klubs interessiert und man ist eine große Familie. Das würde ich in der Politik nicht genauso sehen (lacht).
Ihr Verzicht auf die Aufwandsentschädigung ehrt Sie. Erwarten Sie das auch vom neuen Präsidenten?
Ich habe auf die Aufwandsentschädigung verzichtet, das ist richtig. Am Ende sollte man das Amt ohnehin nicht wegen des Geldes machen. Dafür gibt es viele andere, gute Gründe.
Der VfB boomt wie lange nicht mehr. Wie viele Bewerbungen für das Präsidenten-Amt sind bereits eingegangen?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Den Prozess führt der Wahlausschuss gänzlich unabhängig. Diese Unabhängigkeit ist auch wichtig, um die bestmöglichen Lösungen für unseren VfB zu finden.
Viele Fans fordern hybride Mitgliederversammlungen. Ist der VfB mittlerweile modern genug, diese durchzuführen?
Am Ende geht es nicht darum, ob der VfB modern genug ist. Das Thema ist weniger, ob man von der technischen Infrastruktur dazu in der Lage wäre, es umzusetzen. Daran würde es nicht scheitern, davon bin ich überzeugt. Trotzdem ist es eine weiterführende Diskussion: Einerseits sollte man jedem Mitglied die Möglichkeit geben, teilzunehmen. Andererseits lebt eine Mitgliederversammlung auch von der persönlichen Anwesenheit. Meines Wissens hat eine solche Versammlung abgesehen von der Corona-Zeit bislang noch kein Bundesligist hybrid durchgeführt, wir wären also die Ersten. Das wird allerdings für die kommende Versammlung kein Thema sein.
Wie passt es zu Ihrem Demokratieverständnis, dass wenige Tausend Mitglieder über die Zukunft des VfB bestimmen?
Eigentlich müssten wir ja eine Lokalität für 120.000 Mitglieder zur Verfügung stellen. Immer in dem Wissen, dass natürlich nicht jeder kommen wird. Am Ende geht es darum, wie sich eine solche Veranstaltung handhaben lässt. Schon heute höre ich, dass sieben Stunden Mitgliederversammlung zu lang sind. Zu gegebener Zeit müssen wir in eine sachliche Bewertung gehen und die Argumente am Ende mit unseren Mitgliedern diskutieren.
Vor allem die Ultras machen sich für eine Regelung stark, die besagt, dass der Vereinspräsident auch gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender sein muss. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?
Ich sehe das genauso. Ob es am Ende der Präsident selbst oder ein Präsidiumsmitglied ist, ist aus meiner Sicht nicht das Entscheidende. Die Kompetenz der Person ist in dem Fall das Wichtigste. Aber aus dem Vereinspräsidium sollte der Aufsichtsratsvorsitzende auf jeden Fall kommen. Aus rechtlichen Gründen lässt sich das in der Satzung allerdings leider nicht verbindlich festschreiben. Dennoch ist es eine im Rahmen des Ausgliederungsprozesses klar formulierte Zielstellung.
Wie viel Kontakt hatten Sie zuletzt mit den Fans?
Sowohl in Madrid als auch in Turin war ich auf den Fan-Meilen unterwegs, habe mit den Menschen gesprochen. Seit ich Präsident bin, nehme ich an den Sitzungen des Fan-Ausschusses teil. Dazu kommen bald auch die Regionalversammlungen der Fanclubs, in die ich unvoreingenommen reingehe und erst einmal nur zuhöre, um zu erfahren, was den Fans wichtig ist.
Was ist den Fans wichtig?
Ein wichtiges Thema ist zum Beispiel das Ticketing, besonders in der Champions League. Da geht es gar nicht unbedingt darum, ob die Tickets zu teuer sind, sondern mehr darum, dass man überhaupt Tickets bekommt. Leider haben wir auf die Auswärtskontingente keinen Einfluss. Unsere Fans finden aber immer Mittel und Wege und sind kreativ, um trotzdem ins Stadion zu kommen. Das finde ich genial.
Blicken wir auch auf das Sportliche. Was wäre für Sie am Ende der laufenden Bundesliga-Saison ein Erfolg?
Ich traue Sebastian Hoeneß mit dieser Mannschaft alles zu. Ich hoffe sehr, dass wir uns auf einem einstelligen Tabellenplatz stabilisieren. Die Saison ist noch lang und herausfordernd.
Was bedeutet Ihnen die Champions League und wie wichtig ist dieser Wettbewerb für den VfB?
Das Gefühl zu haben, dass wir international wieder mit dabei sind, ist einmalig. Es stärkt unseren Zusammenhalt und auch die Erfahrung unserer Mannschaft. Gegen Juventus Turin beispielsweise waren wir nicht auf Augenhöhe, sondern das klar bessere Team. Auf der Rückreise im Flieger habe ich der Mannschaft gesagt, dass man über 90 Minuten Leidenschaft und Kampfeswillen gesehen hat. Ich habe mich für den Auftritt bei ihr bedankt.
Auch beim 1:3 in Madrid zeigte sich der VfB lange von seiner besten Seite…
Absolut. Wenn man dort im Bernabeu neben Florentino Perez sitzt und merkt, dass er in den ersten 30 Minuten aufgrund unserer Leistung nervös wird, dann gibt das schon ein stolzes und schönes Gefühl. Wir behaupten uns auf der internationalen Bühne bislang gut, wissen aber alle auch, dass unsere Hauptherausforderung die Bundesliga ist.
Haben Sie einen persönlichen Wunschgegner in der Königsklasse?
Erst einmal müssten wir ein Weiterkommen schaffen. England wäre dann charmant, dort habe ich einige Freunde. Manchester City mit Pep Guardiola wäre genial.
Welche Schlagzeile würden Sie vor der Mitgliederversammlung im kommenden März gerne über den VfB lesen?
‘Der VfB ist in der Champions League weiter auf Erfolgskurs.‘ Das würde zu dem Zeitpunkt ja bedeuten, dass wir es ins Achtelfinale geschafft haben. Was sich auch gut anhören würde, wäre: ‚Die Champions League 2025/26 ist für den VfB in greifbarer Nähe‘ (lacht).
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