Von Flaggen und Finten: Propaganda-Schlacht um Pokrowsk | Politik

07.11.2025 - Cuma 16:22

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Berlin – Mitten in einer der brutalsten Schlachten des Krieges tobt ein Propaganda-Kampf. Sowohl Aggressor Russland als auch die ukrainischen Verteidiger kämpfen in der Stadt Pokrowsk auch um die mediale Deutungshoheit.

Während Russland weiter vergebens versucht, annektierte ukrainische Großstädte wie Saporischschja oder Cherson zu erobern, soll jetzt die größtenteils entvölkerte und völlig zerbombte mittlere Stadt Pokrowsk (ehemals 65.000 Einwohner) in der Region Donezk für Moskaus Propaganda herhalten.

▶︎ Den Beginn machte Wladimir Putin (73). Am 30. Oktober erklärte er, Pokrowsk und das nahe Myrnohrad (ehemals 41.000 Einwohner) seien nicht nur größtenteils erobert worden, sondern die verbleibenden ukrainischen Soldaten auch eingekesselt. Seine Aussagen gingen um die Welt.

Die Fakten: Am Tag zuvor hatten seine Truppen am westlichen Stadteingang die russische Flagge installiert – und waren schnell wieder geflüchtet. Bis heute gibt es zumindest am Boden keinen Kessel um die ehemalige Doppelstadt.

Die russische Flagge am Eingang von Pokrowsk gab das Startsignal zur Propaganda-Schlacht um die Stadt

Die russische Flagge am Eingang von Pokrowsk gab das Startsignal zur Propaganda-Schlacht um die Stadt

Foto: Privat

▶︎ Am Tag darauf, dem 31. Oktober 2025, verschickte Putins Staatssender „Kanal 1 Russland“ auch an BILD eine vergiftete „Einladung“ des Kreml-Herren, um dessen Narrativ zu stärken.

Darin hießt es: „Präsident Wladimir Putin hat ausländische Journalisten eingeladen, Pokrowsk zu besuchen, um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. (...) Beabsichtigen Sie, diese Einladung anzunehmen, um die Situation an der Front persönlich zu erleben und diese Informationen aus erster Hand Ihrem Publikum zu berichten?“

Große Überraschung: Nicht nur BILD, sondern auch 150 weitere westliche Medienhäuser lehnten ab, sich zu Werkzeugen der Propaganda des Aggressors zu machen.

▶︎ Dennoch zeigte die Propaganda-Aktion der Russen Wirkung. Die Ukraine sah sich gezwungen, in Dutzenden Meldungen des Generalstabs und Erklärungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj (47) immer wieder zu beteuern, dass es keinen Kessel gebe.

Zum Beweis zerstörte eine ukrainische Drohne die russische Flagge am westlichen Ortsrand, landete eine ukrainische Militäreinheit ganz in der Nähe des angeblichen „Kessel“-Ausgangs mit einem Hubschrauber und schickte auch die ukrainische Armee schließlich am Mittwoch einen Trupp mit einer eigenen Fahne ins Zentrum von Pokrowsk, um die russische Propaganda zu kontern.

Am Mittwoch hisste die ukrainische Armee ihre Flagge am Rathaus im Zentrum der Stadt

Am Mittwoch hisste die ukrainische Armee ihre Flagge am Rathaus im Zentrum der Stadt

Foto: Ukrainische Armee

▶︎ Vorläufiger Höhepunkt der Propaganda-Schlacht: Russlands Armee behauptete am Donnerstag, man habe sowohl „Angriffe des Feindes abgewehrt, die das Ziel hatten, die eingeschlossenen Einheiten der ukrainischen Streitkräfte in Pokrowsk zu befreien“ als auch „Versuche der ukrainischen Streitkräfte, im Norden aus dem Kessel auszubrechen, vereitelt“.

Obwohl es nach BILD-Recherchen immer noch keinen Kessel gibt.

Die Angst beider Präsidenten (Putin und Selenskyj), so scheint es: vor US-Präsident Donald Trump (79) schwach darzustehen, sollte der Gegner einen Erfolg auf dem Schlachtfeld glaubhaft machen können.

Militärexperte Nico Lange fasst gegenüber BILD zusammen: „Pokrowsk wird von beiden Seiten weit über die eigentliche militärische Bedeutung hinaus aufgeladen. Dieser Krieg ist sehr modern – Schlachten am Boden dienen dem Informationskrieg, nicht umgekehrt. Putin will die Einnahme von Pokrowsk propagandistisch als riesigen Sieg aufblasen, Selenskyj will diesen Propagandasieg verhindern.“

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