1650 Euro Studenten-Gehalt: Thüringen klaut anderen Ländern die Lehrer | Politik

10.06.2024 - Pazartesi 12:52

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Als 1. Bundesland lockt Thüringen Studenten mit Monatsgehältern ab dem 1. Semester ins Lehramt....

Mit Erfolg! Auf BILD-Anfrage beim Bildungsministerium gingen für die 50 freien Plätze des erstmals bezahlten Dual-Studiums innerhalb von nur einem Monat 235 Bewerbungen ein.

Für den Rest der Republik ist das jedoch eine schlechte Nachricht: Denn ein Drittel der Interessenten kommt nicht aus Thüringen, sondern aus 12 anderen Bundesländern. Heißt: Thüringen könnte der Konkurrenz im Kampf um neues Schul-Personal allein in diesem Jahr 71 angehende Lehrer vor der Nase wegschnappen.

Vor allem Nachbarländer betroffen

Besonders groß ist die Nachfrage in Sachsen (17 Bewerber), Sachsen-Anhalt und Hessen (beide 10). Aber auch junge Leute aus größerer Entfernung wollen plötzlich in Thüringen Lehrer werden – darunter Nordrhein-Westfalen (8), Brandenburg (7), Baden-Württemberg(5), Niedersachsen (5), Bayern (3), Berlin (2), Schleswig-Holstein (2), Mecklenburg-Vorpommern (1) und Hamburg (1). Nach den Auswahl-Gesprächen sollen Anfang August die ersten Verträge unterschrieben werden.

Bildungsminister Helmut Holter (71, Linke): „Der neue Ansatz ist der richtige Weg, um einen deutlichen Anreiz zu setzen. Das große Interesse zeigt uns, dass wir einen Nerv getroffen haben.“

Grund für den Boom: Thüringen verspricht Studenten ab Wintersemester 2024/2025 ein Monatsgehalt, wenn sie sich fürs duale Studium für Regelschullehrer in Erfurt entscheiden: im Bachelor-Abschnitt gibt es 1400 Euro, in der Master-Zeit 1650 Euro. Im Gegenzug müssen sich die Studenten per Vertrag für die Zeit des Studiums plus weitere fünf Jahre an den Freistaat binden – inklusive Vorbereitungsdienst (Referendariat).

Bedingung Nummer 2: Von den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Wirtschaftslehre/Technik müssen zwei ausgewählt werden. Los geht es komplett an der Uni. Ab drittem Semester sind die Studenten immer drei Tage im Hörsaal und zwei Tage im Klassenzimmer. So sollen sie deutlicher früher als bisher Praxiserfahrung sammeln. Das sogenannte Referendariat verkürzt sich dadurch von 18 auf 12 Monate.

Hintergrund: In Thüringen fehlen 2000 Lehrer, weil oft mehr in Rente gehen als eingestellt werden, während die Schülerzahlen steigen. Mit 41 281 Unterrichtsstunden allein in der jüngsten Stichprobenwoche Ende November konnte jede 9. Stunde nicht planmäßig stattfinden. 29 544 Stunden fielen komplett aus. Im ersten Halbjahr 2023/24 kamen Schüler in 51 232 Fällen sogar ohne Zeugnis-Note nach Hause. Selbst in den Hauptfächern Deutsch und Mathe gab es mehrere hundert Fälle.

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