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Im diesjährigen Wahlkampf-Drama in den USA fallen weiter die Dominosteine: Erst im Vormonat wurde US-Präsident Joe Biden (81) als Spitzenkandidat der Demokraten durch Vizepräsidentin Kamala Harris (59) ersetzt. Jetzt wählte sie selbst mit dem volkstümlichen Minnesota-Gouverneur Tim Walz (60) ihre eigene Nr. 2!
Nur Stunden nach dem jüngsten Knalleffekt im dramatischen 2024-Wahljahr folgte Dienstagabend der erste große Wahlkampftest: In der mit 10 000 Fans gefüllten „Temple University“-Sporthalle in Philadelphia (Pennsylvania) stand die „Chemie“ zwischen den Spitzenkandidaten erstmals am Prüfstand. Die Halle war bereits dekoriert mit „Harris Walz“-Transparenten. Der erste Name allerdings mit dreimal so großen Buchstaben.
Auf Transparenten, Flyern und Aufstellern war der Name Harris dreimal so groß wie Walz
Dann erschien das Duo unter „Freedom“-Tönen von Supersängerin Beyoncé. Walz verneigte sich, gemeinsam klatschten und strahlten sie.
Harris erklärte sich und die Demokraten zu „Außenseitern“ im Wahlkampf gegen Republikaner-Rivalen Donald Trump (78). Sie charakterisierte das Duell als „Kampf um die Zukunft Amerikas“, stellte Walz als Vater, Ehemann, Coach, Generalmajor und Politiker vor. „Und in 91 Tagen“, so Harris unter Jubel, „wird ihn die Nation als Vizepräsidenten kennenlernen!“
Er assistierte ein wenig übertrieben und ungelenk beim Einpeitschen der Massen für den Schlachtruf der Harris-Kandidatur: „Wir gehen nicht zurück!“ Gemeint sind da die Trump-Jahre. Harris brachte dann das ganze Menü demokratischer Politik mit Walzs politischer Bilanz in Zusammenhang: Abtreibungsrechte, Waffenkontrollen, Gesundheitsvorsorge, Sozial- und Umweltpolitik.
Vor dem ersten Auftritt hatten beide Seiten hastig versucht, Harris’ Vizewahl zu definieren – vor allem, nachdem 71 Prozent der US-Wähler laut Umfragen seinen Namen noch nie gehört haben.
Harris nahm sich Zeit für Fotos mit den begeisterten Anhängern
Die Demokraten sehen in Walz einen bodenständigen Ex-Lehrer, Football-Coach und Nationalgarde-Reservisten, der ohne Schnörkel Dinge beim Namen nennt. Als Waffenbesitzer, Jäger und Fischer soll er bei ländlichen Wechselwählern punkten. Er machte sich auch bereits einen Namen als angriffslustiger, politischer „Kampfhund“, als er Trump und die Republikaner zuletzt als „weird“ (dt. seltsam) verspottete.
Die Konservativen lancierten flott Frontalattacken: Walz soll sich vor einem Kriegseinsatz gedrückt haben, hieß es. Hinter der hemdsärmeligen Fassade verberge sich ein radikaler Linksaußen, der Minnesota in einen „sicheren Hafen“ für illegale Migranten verwandelte – und Minneapolis während der Unruhen nach dem Mord an dem Schwarzen George Floyd (†46) tagelang brennen ließ, bis er die Nationalgarde mobilisierte. Trumps Team brandmarkte die zwei Bewerber als „liberalste Kandidaten“ jemals.
Vize-Kandidat Walz verteilte mehrere Spitzen gegen Ex-Präsident Trump
Die andauernde Euphorie bei den Demokraten lässt sich dadurch kaum bremsen. Walz revanchierte sich bei seiner Rede mit einer Lobeshymne an seine neue Chefin. Und demonstrierte seine Qualitäten als neuer „Chefankläger“ der Demokraten gegen Trump: „Verbrechensraten unter Trump waren höher – und das ohne jene Straftaten, die er selbst begangen hat“, brachte er die Menge zum Kochen.
Das nun komplette Demokraten-Duo wird nach der Premiere in Philadelphia durch weitere bei der Wahl wichtige Bundesstaaten tingeln, darunter Georgia, Michigan, Wisconsin, North Carolina, Nevada und Arizona. Walz schloss seine gelungene Wahlkampf-Premiere nach heftigen Attacken auch gegen Trumps eigenen „Running Mate“, Ohio-Senator J.D. Vance (40), mit der Ansage: „Wir haben 91 Tage Zeit – das wird leicht, denn wir werden schlafen, wenn wir tot sind!“
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