Arzt: Wie soll ich als Patient Vertrauen zu einer Telefonnummer haben? | Politik

01.06.2025 - Pazar 07:24

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Unsere neue Gesundheitsministerin Nina Warken ist Kassenpatientin. Sagt sie jedenfalls. Möglicherweise weiß sie also aus eigener Erfahrung, wie ewig lange man inzwischen in unserem Land auf einen Arzttermin wartet.

Ich halte es für gut, dass sie das verbessern will. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag ist in den Zeilen 3379-3390 von einem „verbindlichen Primärarztsystem bei freier Arztwahl durch Haus- und Kinderärzte“ die Rede.

Hinter diesen elf Zeilen verbirgt sich gesundheitspolitischer Sprengstoff.

● Haus- und Kinderärzte sollen in Zukunft festlegen, bis wann – und ob überhaupt – ein Patient einen Facharzt besuchen darf.

● Wahlweise soll man die Kassenärztlichen Vereinigungen anrufen (116 117) und die stellen dann am Telefon fest, ob ein Patient „den medizinisch notwendigen Bedarf für einen Facharzttermin“ hat und legen den dafür „notwendigen Zeitkorridor (Termingarantie) fest“.

Meine Güte. Echt jetzt? Es fehlen Tausende Hausärzte in Deutschland und auch Kinderarzt-Termine sind nur schwer zu bekommen. Eine erhebliche Zahl von Haus- und Kinderärzten ist 60 Jahre und älter, geht also in den nächsten Jahren in Rente.

Ich frage mich: Wie sollen zu wenige Hausärzte und zu wenige Kinderärzte dafür sorgen, dass Kassenpatienten bei den zu wenigen Fachärzten künftig schneller behandelt werden als heute? Wer das glaubt, der glaubt auch, dass die Bahn ab morgen immer pünktlich kommt und der Weihnachtsmann dienstags immer das Christkind trifft.

Möglicherweise geht es der Regierung gar nicht darum, dass künftig möglichst viele Kassenpatienten möglichst schnell einen Facharzttermin bekommen. Vielleicht geht es darum, dass möglichst viele dieser Facharzttermine künftig verhindert werden. Das spart viel Geld.

Sicher ist eines: Die geplante Reform schafft das Prinzip der freien Facharztwahl weitgehend ab. Kassenpatienten sollen sich nur noch ihren Hausarzt aussuchen können.

Ohne den Hausärzten zu nahe treten zu wollen: Bei Fachärzten geht es häufig um ernsthaftere Erkrankungen. Umso wichtiger ist dann ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt. Hier steht am Anfang eine Telefonnummer. Wie aber soll man Vertrauen zu einer Telefonnummer haben?

Wenn unser Gesundheitssystem die freie Arztwahl nicht mehr gewährleisten kann, dann sollte die Regierung uns das offen sagen und den Mut haben, für das Poliklinik-System der DDR zu werben.

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