Bürgergeld: Lohnt es sich doch, arbeiten zu gehen? | Politik

13.08.2025 - Çarşamba 22:40

[ad_1]

Berlin – Ist das Bürgergeld doch nicht so schlecht wie sein Ruf? Mit einer neuen Studie widersprechen Wissenschaftler der Annahme, dass sich für Bürgergeld-Bezieher das Arbeiten nicht mehr lohnt.

Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, geht aus der Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Demnach haben Vollzeitbeschäftigte mit Mindestlohn immer deutlich mehr Geld zur Verfügung als Bürgergeld-Bezieher. Das gelte „überall in Deutschland und unabhängig von der Haushaltskonstellation“.

▶︎ Singles, die in Vollzeit zum Mindestlohn arbeiten, hätten im Durchschnitt 557 Euro pro Monat mehr als mit Bürgergeld.

▶︎ Alleinstehende mit einem Kind (5 Jahre alt) haben laut Studie sogar 749 Euro mehr

▶︎ Bei einem Paar mit zwei Kindern (5 und 14 Jahre) und einem Vollzeitbeschäftigten beträgt der Vorteil 660 Euro.

Dabei wurden allerdings auch andere Sozialleistungen (Wohngeld, Kinderzuschlag) mitgerechnet, durch die Geringverdiener ohne Bürgergeld unterstützt werden.

Regional ergeben sich ebenfalls Unterschiede. Grund sind unterschiedliche Mieten. So sei im (teuren) Landkreis München (alles in Bayern) der Lohnabstand bei einem Single-Haushalt mit 379 Euro am geringsten, in Nordhausen (Thüringen) mit 662 am größten.

„Aktuell steht das Bürgergeld wieder im Zentrum einer oft polemisch geführten Debatte“, sagt WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch (49). Und weiter: „Die Behauptung, sie (die Bürgergeldempfänger) wollten nicht erwerbstätig sein, weil sich mit dem Bürgergeld gut leben lasse, ist sachlich falsch.“ Es sei eine „Unterstellung“, dass es sich nicht lohne, erwerbstätig zu sein, weil das Bürgergeld zu hoch sei.

Wirtschaftsexperten widersprechen

Andere renommierte Wirtschaftsinsitute hatten zuletzt immer wieder auf das Gegenteil hingewiesen. So warnte Ökonom Andreas Peichl (ifo-Institut) im Bezug aufs Bürgergeld gerade: „Es lohnt sich in vielen Fällen nicht, mehr zu arbeiten.“

Auch beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sieht man das Bürgergeld auch nach der neuen Studie kritisch.

▶︎ IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer (56) zu BILD: „Dass Vollzeit-Arbeitnehmer mehr verfügbares Einkommen haben als Menschen, die ausschließlich vom Bürgergeld leben, beantwortet nicht die Frage, ob sich Arbeit lohnt.“ Dafür müsse man das zusätzliche Einkommen in Relation zur aufgewendeten Arbeitszeit stellen. Schäfer rechnet vor: „Nach Aussage des WSI liegt der Lohnabstand in München-Land bei 379 Euro. Dafür sind 165 Stunden zu arbeiten, sodass sich je Stunde Arbeit ein Einkommenszuwachs von 2,29 Euro ergibt. Das erscheint gegebenenfalls vielen nicht als lohnend genug, zumal mit einer Erwerbstätigkeit auch Kosten (z. B. Fahrtkosten) einhergehen.“

▶︎ Auch die Verwendung der durchschnittlichen Mietkosten sieht der Experte kritisch. „Neu ins Bürgergeld kommende Personen weisen vermutlich wesentlich höhere Wohnkosten auf. Es kann sich ja jeder selbst überlegen, wie realistisch es ist, für 472 Euro inkl. Nebenkosten eine Wohnung für eine Person anzumieten.“

In BILD hatte der Arbeitsmarktexperte schon darauf hingewiesen, dass „theoretisch jemand in der Villa am Starnberger See wohnt und das auch vom Jobcenter finanziert bekommt“

Und: „Der Vergleich zwischen ,keine Arbeit‘ und ‚Vollzeit‘ unterschlägt, dass es auch viele Arbeitszeitkonstellationen dazwischen gibt.“, meint Schäfer. Das Problem beim Bürgergeld liege darin, dass es sich zwar lohne, eine geringfügige oder Teilzeitbeschäftigung aufzunehmen. „Es lohnt sich aber nur sehr wenig – oder in einigen Konstellationen sogar überhaupt nicht –, seine Arbeitszeit auf Vollzeit auszudehnen.“

[ad_2]
Apsny News

YORUM YAZ

Yorum Yazabilmek İçin Lütfen Giriş Yapın.